What's the plan, superman?

Ein Semester Finnland

14November
2017

Ein Wochenende in Stockholm

Ich war in Stockholm am Wochenende und muss sagen das ist einfach eine der schönsten Städte in denen ich je war. Am liebsten würde ich da mal für ein paar Monate wohnen, auch wenn sich das kein normaler Mensch leisten kann. Aber ich fange am besten Mal von vorne an.

Am Donnerstagabend sind Caro, Monika und ich mit der Fähre von Turku nach Stockholm gefahren. Da die Fahrt zwölf Stunden dauert, hatten wir eine Schlafkabine für uns alleine. Ich bin immer noch erstaunt wie günstig das war. Pro Person nur 40€ hin und zurück und man spart sich zwei Nächte in Stockholm, weil man ja auf der Fähre schlafen kann. Da kann sich die Deutsche Bahn mal ne Scheibe abschneiden. Vor allem waren wir auf voll dem Luxus Schiff. Alles war ziemlich neu und wir hatten sogar einen Fernseher in der Kabine. Eigentlich war der Plan die Zeit auf der Fähre zu nutzen und was für die Uni zu arbeiten und dann früh schlafen zu gehen, aber irgendwie haben wir dann fast die ganze Nacht durchgequatscht und haben schlussendlich drei Stunden geschlafen. Das kommt halt davon wenn man drei Mädels in eine Kabine steckt. Die Fähre kam schon um halb sieben morgens an und das ist ja gar nicht meine Zeit, vor allem nicht nach so wenig Schlaf. Allerdings wurden wir draußen mit der Dämmerung belohnt, in der alles voll schön aussah.

Vom Hafen sind wir in die Stadt gelaufen, das Wetter war zum Glück schön. Da wir erst um neun unser Gepäck in unserer Unterkunft ablegen konnten, haben wir schon mal die Altstadt erkundet, die um diese Uhrzeit natürlich menschenleer war.

Außerdem haben wir uns ein Metro/Bus-Ticket gekauft, da unser Airbnb nicht zu Fuß zu erreichen war. Es war aber auch nicht weit weg von der Innenstadt, wir mussten nur zehn Minuten mit der Tunnelbana fahren. So heißt die U-Bahn auf schwedisch, das ist so eine putzige Sprache, aber Finnisch finde ich trotzdem cooler. Das coolste in unserer Unterkunft war der Ausblick:

Ansonsten hat dort auch alles gepasst, wir waren ja eh immer den ganzen Tag unterwegs. Nachdem wir unser Zeug abgelegt hatten, haben wir uns erst mal in ein Café gesetzt und uns mit einer heißen Schokolade gestärkt. Danach ging es in die Altstadt, wo wir an einer Free-Walking-Tour teilgenommen haben.

Die war echt interessant, auch wenn unser Guide nicht an den Tallinn Guide ran kam. Wie immer gibt es so typische Stadt-Geschichten, die jeder ein bisschen anders erzählt, also habe ich jetzt keine Ahnung was wirklich stimmt. Dort gibt es auch viele schmale Gassen, aber da kann Marburg locker mithalten. Danach sind wir einkaufen gegangen um endlich mal was essen zu können und sind zur Wohnung zurück gefahren. Allerdings haben wir dort erst mal einen Mittagsschlaf gemacht und erst danach Nudeln gekocht. Die schwedischen Supermärkte sind übrigens noch teurer als die finnischen. In Cafés, Bars und Restaurants sind die Preise ähnlich wie in Finnland. Abends wollten wir dann ein bisschen die Stadt unsicher machen und sind auf eine Indie-Party bei der der Eintritt vor zwölf frei war. Die Location war direkt am Wasser (so wie eigentlich alles in Stockholm) und ganz cool. Das witzige war, dass in dem Club daneben ein Konzert statt gefunden hat, ihr werdet nie drauf kommen, wer: Mantar! Die Jungs aus Hamburg/Bremen, die ich erst dieses Jahr in Gelsenkirchen und Marburg gesehen habe. Ich wusste sogar, dass die in Stockholm spielen würden, aber das sie nur die Vorband von Kadvar waren, die nicht so sonderlich spannend sind, waren die Tickets zu teuer und Caro hört ja kein Metal, deshalb wäre es ein bisschen blöd gewesene dahin zu gehen. Aber dann waren wir einfach direkt daneben und ein bisschen neidisch war ich schon. Nach der Show sind viele der Fans noch zu der Indie-Party gekommen und einer hatte einfach genau das gleiche Mantar Shirt an, das ich auch habe und das in Finnland! Das war schon lustig. Später haben wir uns dann auch noch mit Schweden unterhalten, insgesamt war es ein netter Abend, aber weil wir immer noch ziemlich müde waren, sind wir so um zwei nach Hause gegangen.

Eigentlich wollten wir samstags früh aufstehen, um um zehn im ersten Museum zu sein, aber wir haben verschlafen und sind erst gegen elf los gekommen. Als erstes haben wir uns die Vikings Ausstellung im Historischen Museum angeschaut, die echt interessant war. Besonders Monika, die Geschichte studiert, war begeistert. Um eins stand die nächste Walking Tour im trendigen Viertel Södermalm, das früher das schlechtangesehendste Viertel war, aber wie das immer so ist, jetzt zum Hipster-Viertel wurde, wo man die ganzen billigen Bars und vor allem Studenten findet. Unser Guide Douglas war ziemlich witzig, auch wenn er teiweise zu persönliche Geschichten erzählt hat, die aber trotzdem irgendwie mit einer bestimmten Sehenswürdigkeit verknüpft war.

Mit das schönste war dort der Ausblick über die Stadt. Nach dieser Tour war klar, wo wir am Abend hingehen würden, vor allem weil Douglas uns Tipps für billige, aber gute Kneipen gegeben hat. Er sah übrigens aus wie Harry Potter, wollte aber nicht Harry Potter genannt werden. Deshalb hat er sich auch einen Bart wachsen lassen. Danach hatten wir immer noch nicht genug von Walking Tours und haben uns der nächsten angeschlossen: einer U-Bahn Tour. Am Anfang dachte ich, das könnte ein bisschen langweilig werden, aber da wusste ich noch nicht was für coole U-Bahn-Stationen die Schweden haben. Zumindest wenn man weiß, wo diese zu finden sind. Diesesmal war unser Guide aus Frankreich und erst acht Monate in Stockholm, was man leider seinem Akzent angemerkt hat und mnachmal war es echt schwer ihn zu verstehen, vor allem weil wir so eine große Gruppe waren. Deshalb weiß ich auch nicht mehr so viel von dem was er uns erzählt hat, aber ich habe ganz viele schöne Bilder. Diese Stationen sind nach Themengebiet gestaltet worden. Das heißt, dass die Station die zur Technischen Hochschule führt, mit Kunst ausgestattet ist, die dieses Thema widerspiegelt. Das Universum ist dargestellt, sowie die vier Elemente und sogar Newtons Gesetze sind in einem schwebenden Apfel wiederzufinden. Alles in allem ist das echt toll gemacht. So wie ich das verstanden habe, gibt es alle paar Jahre einen Architekten/Künstler Wettbewerb und der Gewinner darf eine ganze U-Bahn-Station gestalten. Im Anschluss sind wir nach Hause, um dann in Södermalm was essen zu gehen. Wir hatten alle mega Lust auf so richtiges Pub Food und sind auch fündig geworden. Ich habe mega leckere Fish and Chips gegessen, das hatte ich seit England nicht mehr. Der Pub war richtig cool, es lief Rock und Metal Musik, aber wir wollten nach dem Essen trotzdem weiter und Douglas' Lieblingskeipe anschauen gehen. Da wurden wir echt nicht enttäuscht, es war der hipsterigste Hipster-Pub den ich je gesehen habe, ich hätte echt ein paar Bilder machen sollen, aber da war es so voll, das wäre dann komisch gekommen. Der erste Raum war ziemlich normal eingerichtet, aber dann ging es eine schmale Treppe runter und man kam in einen verwinkelten Bereich. Jeder kleine Raum war andere eingerichtet und überall hingen die skurrilsten Lampen und anderes Zeug. Wir saßen in einem Raum, der mit Wellblech ausgekleidet war. Ein altes Fahrrad hin an der Wand und große Knöpfe wurden als Kleiderhaken verwendet. Ein anderer Raum war völlig in Rosa gehalten und an der Bar war die Wandverkleidung aus verschiedenen Sofabezügen, die bunt zusammen gewürfelt waren. Das Bier war mit 4€ dort nicht ganz so teuer, aber richtig gut hat es leider auch nicht geschmeckt.Trotzdem war die Atmosphäre toll und es waren hauptsächlich Studenten dort. Den Abschluss haben wir im Hirschenkeller gemacht, der auch voller Studenten war und moderner ist als der Name klingt. Dort war das Bier noch billiger, hat aber besser geschmeckt.

Sonntag war schon unser letzter Tag und dieses Mal schafften wir es auch pünktlich aufzustehen, sodass wir um zehn los konnten. Als erstes stand das Skansen Freilichtmuseum auf dem Plan. Dort stehen jede Menge alte Hütten, die man allerding in der Nebensaison nur teilweise besichtigen kann. Der Grund, warum wir da vor allem hin wollten, war der Tierpark, der in dem Museum mit drin war. Dort gab es Rentiere, Elche, Wölfe, Bären, Luchse... Also jede Menge nordische Tiere und wir wollten unbedingt Elche sehen. 

Leider hatte der männliche Elch gar kein großes Geweih, das wurde ihm gestutzt. Trotzdem waren die mega knuffig. Am süßesten waren die zwei Braunbären, die haben miteinander herum getobt und das sah voll niedlich aus. Die Rentiere hatten übrigens einen super Ausblick über die Stadt, das wussten sie bestimmt nicht zu schätzen. In einem der Häuser, die man besichtigen konnte, hat uns eine Frau erzählt wie das Leben Anfang des 20. Jahrhunderts in Schweden so war, das war auch ziemlich interessant. Im Bäckershaus konnte man frische Backwaren kaufen und wir haben uns ein süßes Stückchen gegönnt. Dann ging es weiter zum Vasa Museum, von dem jeder so schwärmt, der schon mal in Stockholm war. Der Eintritt ist zwar nicht so billig, aber es lohnt sich echt. Die Vasa war ein Schiff, das im 17. Jahrhundert gebaut worden ist, weil der schwedische König das größte und prächtigste Schiff haben wollte. Allerdings war sie zu schwer und sank ungefähr einen Kilometer vom Stockholmer Hafen entfernt. Sie lag dann dreihundert Jahre auf dem Meeresgrund, weil der König dem ganzen Reich verboten hatte, jemals über diese Blamage zu sprechen. In den 60ern wurde sie an Land geholt und restauriert. Das beeindruckende ist, dass das Schiff auch noch dreihundert Jahre später sehr gut erhalten ist. Nun steht sie in einem Museum und wir kontinuierlich restauriert und haltbar gemacht. Wenn man davor steht ist sie einfach so riesig und man kann kaum glauben, dass sie schon so alt ist. Leider ist es da drin so dunkel, dass man eigentlich keine gescheiten Bilder machen kann.

Nach dem Museum war auch schon wieder fast der Nachmittag vorbei. Wir sind noch schnell eine Kleinigkeit essen gegangen und dann haben wir unser Gepäck von der Wohnung abgeholt. Dieses Mal hatten wir nicht die fancy Fähre, aber unsere Kabine war trotzdem okay. Da wir alle ziemlich kaputt waren, sind wir einigermaßen zeitig schlafen gegangen und um halb acht schwedische Zeit in Turku angekommen. 

Gestern habe ich nicht viel gemacht. Das Wochenende war ziemlich anstrengend, trotzdem habe ich versucht mich auf meine Uni Sachen zu konzentrieren. Heute hatte ich wieder Uni und bin gerade schon wieder am packen, weil ich morgen mal wieder nach Helsinki fahre und dort Flo vom Flughafen abhole. Wir werden ein paar Tage in Helsinki und in der Nähe von Lahti verbringen, das wird auf jeden Fall entspannter als meine sonstigen Trips. Ich freue mich schon voll drauf!

09November
2017

Von kuschligen Katzen, alten Burgen und finnischen Gepflogenheiten

Tut mir leid, dass es schon wieder so lange her ist seit dem letzten Eintrag, aber es war so viel los in den letzten Tagen, dass ich erst jetzt dazu komme. Gerade bin ich nämlich aus Stockholm zurück gekommen und habe ein anstregngendes, aber wunderschönes Wochenende hinter mir, aber dazu gibt es einen extra Blogeintrag, wahrscheinlich schon morgen.

Letzte Woche Montag hatte ich meinen Nordic Documentary Workshop, der etwas anders war als ich mir das vorgestellt habe. Anstatt eine eigene Dokumentation zu drehen, müssen wir einen Dokumentarfilm aus Archivaufnahmen zusammen basteln. Das Ganze gehört zu einem größeren Projekt des finnischen Fernsehsenders yle, der zu Ehren der hundertjährigen Unabhängigkeit eine Art Wettbewerb veranstaltet. Es wird Archivmaterial aus den 50er und 60er Jahren zur Verfügung gestellt und jeder der Lust hat, kann daraus einen eigenen Film machen und diesen einsenden. Die besten Filme werden auf Austellungen und Filmfesten gezeigt. Der Entwickler dieses Projekts war bei unserem Workshop zu Besuch und hat uns das alles erklärt. Ich finde das eigentlich gar nicht mal so schlecht, weil ich mich dann intensiver mit dem Schnittprogramm auseinander setzen kann und das alles auch nicht so viel Zeit frisst, von der ich nämlich nicht sehr viel habe. Den Film mache ich alleine, kann also daran arbeiten wann ich will und muss mich mit niemandem absprechen. Eine Idee habe ich schon, aber die verrate ich erst mal noch nicht. Auf jeden Fall finde ich es gut auch was praktisches machen zu können und nicht immer nur Theorien zu lernen. 

Am Dienstagabend ist meine allerliebste Flitzi in Turku angekommen. Davor war ich in der Uni und habe versucht irgendwas für meine Hausarbeit zu schaffen, was alles immer viel mehr Zeit raubt als man denkt. Außer kochen und ganz viel quatschen haben wir nichts mehr großes gemacht, die arme war auch seit sieben morgens unterwegs. 

Da ich mittwochs frei habe, sind wir nach Naantali ans Meer gefahren. Dort war ich an meinem ersten Wochenende schon mal in der Mumin World, aber das Städtchen habe ich mir damals nicht so richtig angesehen. Das Wetter war zwar eher trüb, aber konnten dort trotzdem schön spazieren gehen.

Leider hatte die Kirche geschlossen, die hätte ich gerne mal von innen gesehen. Abends haben wir uns mit Jessi, Mauricio, Aline und Bea getroffen, weil Jessi von ihren Eltern deutsches Bier und Glühwein bekommen hat und sie eine kleine Küchenparty feiern wollte. Allerdings gab es ein paar Probleme mit ihrer Mitbewohnerin, deshalb mussten wir die Party in die Gemeinschaftsräume der Uni verlegen. Da hat gleichzeitig eine Sitzparty stattgefunden, deshalb war es ziemlich laut, aber auch mega witzig denen zuzuhören. Es wurde ein langer und lustiger Abend und ich habe mal wieder festgestellt, dass deutsches Bier so viel besser als finnisches schmeckt.

Donnerstags hatte ich Uni, also haben wir es langsam angehen lassen. Nach meinem Kurs haben Flitzi und ich uns mit Klaus und Veera getroffen. Wir wollten zusammen deutsche und finnische Filme schauen. Klaus hat dann noch vorgeschlagen pulla, die finnischen Zimtschnecken zu backen. Während der Teig am Gehen war, haben angefangen Frau Ella zu schauen, ein Film mit Mathias Schweighöfer, der meiner Meinung nach die deutschen Filme ganz gut repräsentiert. Der Film war dann auch echt nicht schlecht. Für die pulla hatten wir etwas zu viel Teig und haben zwei Bleche gemacht, aber die waren auch wirklich lecker.

Der finnische Film war ganz interessant, aber voller Klischees. Der Vater hatte ein Alkoholproblem, sie waren ständig in der Sauna und es wurde viel von der finnischen Natur gezeigt. Insgesamt war es sehr emotional, aber eigentlich nicht schlecht. Ein bisschen deprimierend vielleicht. Letztendlich waren wir bis um zehn bei Klaus. Eigentlich wollten wir danach noch auf eine Halloween Party, aber  waren dann doch zu müde. Außerdem sind wir am nächsten Morgen nach Helsinki gefahren und mussten deshalb früh aufstehen.

In Helsinki war, wie eigentlich immer wenn ich da bin, strahlendblauer Himmel.

Als erstes sind wir zum Hafen gelaufen und haben uns den Markt und die Markthalle angesehen. In der Tourist Info haben wir uns eine Stadtkarte mitgenommen und beschlossen zur Rock Church zu laufen. Das ist eine Kirche, die in den Felsen hinein gebaut wurde. Innen ist sie ziemlich modern, sie wurde auch erst in den 60ern gebaut, aber mir hat sie gut gefallen, weil sie eben so schlicht ist. 

Danach haben wir das Katzencafé gesucht und zum Glück auch gefunden. Ich fand es dort noch schöner als in dem in Tampere, vor allem weil da so viele getigerte Katzen waren. Eine hat sich direkt neben uns gelegt und ich konnte sie die ganze Zeit streicheln.

Das seltsamste Erlebnis hatte ich auf dem Klo, weil da einfach eine Katze neben dem Klo lag. Ich habe dann mit ihr geredet und sie gestreichelt, ich glaube es hat sie nicht sehr gestört. Weiter ging es zurück zum großen Platz an der weißen Kirche. Dort fand die Free Walking Tour statt, die uns die typischen Touristenattraktionen gezeigt hat. Vieles von dem was unser Guide erzählt hat, wusste ich schon, aber es gab auch ein paar neue Aspekte. Unterwegs hat sich Anna uns angeschlossen, die bis um vier Uni hatte.

Nach zwei Stunden waren wir damit fertig und wollten noch was essen gehen. Unser Guide hatte uns ein Restaurant empfohlen, das nicht so teuer war, allerdings entpuppte sich das eher als Bar und die Portionen waren ziemlich klein, aber immerhin hat es gut geschmeckt und der Barkeeper hatte einen tollen Bart. Flitzi und ich sind dann um acht wieder nach Turku gefahren.

Am Samstag haben wir einen Study-Tag eingelegt. Ich musste dringend in meiner Hausarbeit vorankommen und Flitzi hatte auch genug für die Uni zu tun. Abends wollte ich sie eigentlich zu einem Metal Konzert mitnehmen, das umsonst war, aber dann hab ich festgestellt, dass das Konzert nicht im Zentrum von Turku war, sondern wir knapp ne Stunde hätten fahren müssen und dann hatten wir keine Lust mehr. Dafür haben wir einen schönen Spieleabend gemacht.

Sonntags musste ich mich leider schon wieder von Flitzi verabschieden, aber davor haben wir noch eine Wanderung zu dem Bishop Castle in Kaarina gemacht. Morgens war das Wetter auch noch okay, erst später wurde es ein bisschen ungemütlich. Die Wanderung dauerte gute zwei Stunden, aber das hat sich auch gelohnt. Die Burg liegt zwar am Meer, aber wie das immer so ist in Finnland, sind überall Inseln, die einen glauben lassen, dass man sich an einem See befindet.

Auf den Rückweg hatten wir dann gar keine Lust, weil es nur eine Straße gab und wir genau denselben Weg hätten zurück laufen müssen. Mathilde und Isabelle waren dann überzeugt davon, dass uns jemand mit dem Auto mitnehmen wird und haben vesucht Autos anzuhalten. Da Sonntag war, war die Chance gar nicht so schlecht jemanden zu finden und es hat tatsächlich ein Auto angehalten. Flitzi und ich durften dann bei einem älteren finnischen Ehepaar mitfahren, die mega nett waren und uns zur nächsten Bushaltestelle gebracht haben. Die anderen drei haben ein paar Minuten später eine Mitfahrgelegenheit gefunden. Die Finnen sind echt nette Menschen. Wieder daheim haben wir Wraps zum Mittagessen gemacht und dann habe ich Flitzi zum Marktplatz gebracht, von wo aus sie zum Flughafen gefahren ist. Leider hat danach der weniger spaßige Teil angefangen. Ich musste meine Hausarbeit innerhalb von wenigen Tagen fertig schreiben und hab so gut wie nichts anderes gemacht. Natürlich ist das Wetter ausgerechnet dann schön, wenn man den ganzen Tag in seinem Zimmer gefangen ist.

Letzten Mittwoch war ich fast fertig mit meiner Hausarbeit, musste aber parallel noch ein Referat für Donnerstag vorbereiten, das zum Glück nicht so kompliziert war. Am Abend hatten wir auch noch eine Reservierung in einem Escape Room, was mir eigentlich gar nicht in den Zeitplan gepasst hat, aber da das schon länger fest stand und ich auch schon dafür bezahlt hatte, habe ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Wir waren zu sechst und es war echt richtig lustig, auch wenn wir am Anfang fünfzehn Minuten verschenkt haben, weil wir zu dumm waren den ersten Schlüssel zu finden. Aber danach wurde es besser und wir hätten es geschafft den Fall zu lösen, wenn wir noch fünf Minuten länger gehabt hätten. Das war ein bisschen ärgerlich, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Vom Thema her fand ich allerdings den Escape Room in Essen cooler. Ich sollte mal den in Marburg auschecken. Nach diesem tollen Erlebnis habe ich bis zwei Uhr nachts noch an meiner Hausarbeit herum gewerkelt und sie dann endlich abgeschickt. 

Das Referat am Donnerstag lief auch ziemlich gut und dann ging es schon nach Stockholm, mehr darüber erfahrt ihr im nächsten Eintrag!

29Oktober
2017

Uni die zweite, neuer Besuch und Kuchenexperimente

Dieses Mal habe ich nicht so viel zu berichten, ich war nämlich so gut wie die ganze Woche krank. Zum Glück "nur" eine Erkältung, aber dadurch habe ich mich ziemlich schlapp gefühlt und nicht wirklich irgendwas auf die Reihe bekommen. Immerhin war ich in der Uni und habe die Kurse der neuen Periode besucht. Der erste Kurs am Dienstag war Ausiovisual Analysis und hat mir richtig gut gefallen, vor allem weil er Medien- und Musikwissenschaft verbindet und ich darin endlich mal was lerne, was mir in Marburg nützlich sein wird. Die Dozentin ist ziemlich streng, aber sie hat richtig Ahnung und schafft es dieses sehr theoretische Thema spannend zu gestalten. Außerdem hatte Monika am Dienstag Geburtstag und dann sind wir nach meinem Seminar was essen gegangen. Da wir uns immer ziemlich viel zu erzählen haben, war ich erst um sechs wieder daheim, aber es war schön ihren Geburtstag mit ihr zu verbringen. Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe ich so gut wie gar nicht geschlafen, weil ich so arg husten musste, deshalb war ich froh, dass ich den ganzen Mittwoch im Bett verbringen konnte und nicht aus dem Haus musste. Krank werden war allerdings gar nicht eingeplant, weil ich so so gut wie gar nichts für meine Hausarbeit, die ich in einer Woche abgeben muss, machen konnte. Immerhin habe ich es geschafft ein bisschen für die Klausur, die ich am Fretag hatte, zu lernen. Übrigens Klausur, ich habe meine Finnisch Klausur bestanden! Am Donnerstag fand mein anderer neuer Kurs mit dem Thema Nordic Documentary statt. Also auch ein typischer Medienwissenschaftskurs, bei dem ich mich schon ein bisschen auskenne. Wir haben ja letztes Semester eine eigene Reportage gedreht. Dieses Mal wird es leider nicht ganz so praxisbezogen, aber wir haben am Montag einen Workshop dazu, mal schauen wie das wird. Ich war dann trotzdem froh als ich wieder daheim war und mich weiter auskurieren konnte. Da ich sowieso aus dem Haus musste, habe ich mir gleich einen Hustensaft in der Apotheke geholt und jetzt ist es schon viel besser geworden. Freitags habe ich dann mit mir gerungen, ob ich zu der Baltic Sea Region Klausur gehen soll oder nicht, weil ich einfach nicht so viel lernen konnte, wie ich eigentlich wollte. Nachschreiben ist hier so einfach und man braucht auch kein Attest oder so wie in Deutschland. Man kann einfach auf der Uni Homepage einen Prüfungsraum buchen, um dann dort die Klausur auf einem Computer zu schreiben. Dabei ist man mit der Zeit total flexibel und kann das auf den eigenen Terminkalender abstimmen. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden die Klausur nachzuschreiben und bin in die Uni gefahren. Wenn man eine schlechte Note bekommt, hat man immer noch die Möglichkeit nochmal zu schreiben und sich somit zu verbessern. Das war auch gut so, weil die Klausur echt machbar war, auch wenn man nicht so viel gelernt hat. Abends ging es mir dann auch besser und ich habe Anna vom Bus abgeholt, die mich übers Wochenende besucht hat. Nachdem wir bei mir daheim angekommen sind, wollten wir etwas kochen und danach einen Kuchen backen. Da Anna in ihrer Wohnung keinen Ofen hat, haben wir einen sehr leckeren Gemüse-Nudel-Auflauf mit ganz viel Käse gemacht. Beim Kuchen wurde es schwieriger, weil wir mussten etwas finden, bei dem man so gut wie keine Küchengeräte braucht. Also fiel alles bei dem man Eier und Zucker schaumig schlagen muss schon mal raus. Am Ende sind wir bei einem veganen Erdnuss-Schoko-Kuchen hängen geblieben. Der wurde richtig lecker, allerdings haben wir die Schokolade für den Guss vergessen und mussten eine Alternative finden. Da ich auch keinen Puderzucker oder Kokosfett daheim habe, blieben quasi keine Glasur-Rezepte mehr übrig. Nach vielem googeln hatten wir endliche eins, bei dem man Margarine, Zucker, Wasser und Kakaopulver erhitzen und verrühren musste. Das haben wir auch gleich ausprobiert, allerdings hat Anna ausversehen Mehl statt Zucker in den Topf gekippt, weil wir irgendwie voll in Gedanken waren und irgendwas falsch gelesen haben. Damit war dann leider auch die letzte Butter die ich hatte hin und wir standen vor einem neuen Probelm. Zum Glück habe ich liebe Mitbewohnerinnen, die mir Magarine geliehen haben und wir konnten den Guss dieses Mal richtig machen. Am Ende war er ziemlich süß, hat aber perfekt zum Kuchen gepasst und wir haben uns gleich mal ein Stück gegönnt. 

Samstags haben wir es langsam angehen lassen und sind erst gegen zwölf in die Stadt gefahren. Dann habe ich wieder die typische Turku Tour gegeben: Kirche, Kauppatori, Markthalle, Burg. Zwischendrin waren wir in dem riesigen Einkaufszentrum, weil es draußen echt ungemütlich war und Anna neue Winterschuhe brauchte. Irgendwie kommt mir das bekannt vor, gell Vali laughing. Wenn das so weiter geht, werde ich professionelle Schuhberaterin. In der Burg war es wie immer ziemlich cool und dieses Mal auch ziemlich leer, deshalb konnte man sich auch die Ausstellung besser anschauen als am Stadtfest. Außerdem haben wir dort versucht Schach zu spielen (ich glaube ich habe die Regeln nicht mehr so richtig im Kopf, aber wir haben es immerhin versucht) und haben uns ein bisschen verkleidet.

Abends sind wir zur Abwechslung Indisch essen gegeangen, das wird ja langsam zur Tradition, die man pflegen muss. Wieder daheim haben wir ein paar Runden Qwixx und die Kartenspiele, die Mathilde mir beigebracht hat, gespielt.

Heute morgen sind wir früher aufgestanden und wieder in die Stadt gefahren. Dort habe ich Anna zwei Parks gezeigt, von denen man eine schöne Aussicht auf Turku hat. Leider war das Wetter immer noch schlecht und es hat den ganzen Tag geregnet. Dann sind wir zur Michaelskirche gelaufen, die ich selber noch nicht gesehen habe, die aber echt schön ist.

Eigentlich wollten wir noch zum See in Varissuo, aber es war echt ungemütlich draußen und dann hatten wir keine Lust und sind lieber nach Hause, wo wir wieder gespielt haben. Ich spiele viel zu wenig seit ich hier bin, aber außer Qwixx habe ich ja auch nichts dabei. Zum Glück bringt Flo ein paar Spiele mit wenn er zu Besuch kommt. Am Dienstag kommt ja auch schon Flitzi an, ich hoffe bis dahin bin ich wieder richtig gesund.

22Oktober
2017

Halbzeit

Man mag es nicht glauben, aber ich bin schon über zwei Monate hier und habe somit schon die Hälfte von meinem Auslandsaufenthalt hinter mir. Die Zeit vergeht einfach so schnell! Deshalb darf auch kein Tag ungenutzt bleiben, was meine vollgepackte Woche auch zeigt.

Am Dienstag war ich endlich mal beim Friseur. Ich habe Tanja gefragt, ob sie mir einen empfehlen kann und bin dann da hin gegangen. Allerdings war das ein bisschen schwieriger als gedacht, weil man den Termin über eine App bucht. Wenn man einen Last minute Termin nimmt, zahlt man weniger. Ich habe 36€ statt 45€ gezahlt, das geht für Waschen, Schneiden, Föhnen noch. Am Ende war ich ganz zufrieden, auch wenn jetzt wieder sechs Zentimeter ab sind, aber ging halt nicht anders. Abends bin ich mit Mathilde, Isabelle, Aline und Brunna zum Eishockeyspiel Turku gegen Pori. Ich hab noch nie ein Eishockeyspiel gesehen, deshalb hatte ich auch nicht so viel Plan von den Regeln, aber Isabelle kannte sich da zum Glück besser aus. Unsere Plätze waren ganz okay, ziemlich weit unten, aber es war auch die billigste Kategorie. Es ist ein sehr schnelles Spiel, aber leider wird der Spielfluss dauernd unterbrochen, wenn eine der Manschaften einen Fehler macht. Das kann ganz schön nervig sein und die Uhr wird immer angehalten. Während die sich auf dem Eis wieder sortieren, wird Musik gespielt und das Maskottchen macht irgendwelche Faxen. Außerdem gibt es eine Kamera, die in diesen kurzen Pausen das Publikum filmt und zum tanzen animieren will. Es gibt drei Runden, die jeweils zwanzig Minuten gehen. Am interessantesten fande ich, dass ein Spieler nie länger als ein, zwei Minuten auf dem Eis war, sondern ein ständiger Spielerwechsel stattgefunden hat. Und es ist sehr beeindruckend wie elegant die sich auf dem Eis bewegen können, schon alleine damit wäre ich überfordert. Am Ende hat Turku leider ganz knapp verloren. Nach den drei Runden stand es 2:2 und in der Verlängerung, die fünf Minuten ging, hat sich auch nichts mehr getan, also gab es ein Shoutout, bei dem drei Spieler jeder Mannschaft wie beim Elfmeter-Schießen auf das Tor schießen und der Torwart versucht abzublocken. Dabei hat sich Turku dann nicht so gut angestellt und sie haben verloren. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und im November, wenn Flo da ist, gehen wir mit Anna zu einem Spiel in Helsinki.

Mittwochs hatte ich Uni und danach haben Isabelle, Alicia und ich und getroffen, um Lappland zu planen. Anna kommt auch mit, sie habe ich dann über WhatsApp auf dem Laufenden gehalten. Eine Unterkunft haben wir schon mal in Levi, jetzt müssen wir noch den Zug dorthin buchen, der gar nicht so teuer ist wie erwartet. Der Bus ist nur zwanzig Euro billiger, aber da sitzt man 17 Stunden drin anstatt 9. Levi ist nähmlich knapp tausend Kilometer entfernt von Helsinki, also fahren wir die ganze Nacht durch. Finnland ist eben kein kleines Land. Mittwochabends war wieder das Pub Quiz, das monatlich stattfindet. Caro hat uns leider im Stich gelassen, aber wir haben dafür Unterstützung von Monika bekommen. Trotzdem hat es wieder nur zum vorletzten Platz gereicht, aber wir hatten Spaß und das ist das wichtigste.

Donnerstagmorgen habe ich mein Referat über Weihnachten in Finnland gehalten. Das war mal ein schönes Thema, mit sowas beschäftige ich mich gerne. Um halb sechs ging es zu meiner ersten Sitsit-Party. Davon habe ich, bevor ich nach Finnland gekommen bin, auch noch nie was gehört. Die Tradition kommt aus Schweden, ist aber in der finnischen Studentenkultur tief verankert. Und zwar ist das eine Party bei der man hauptsächlich sitzt, Essen und Getränke bekommt und vor allem singt. Es gibt ziemlich strenge Regeln und jede Studentenorganisation macht das ein bisschen anders. Ich war bei einem SitSit von ISHA, der International Students of History Association. Tanja studiert Geschichte und hat mich eingeladen, Caro und Camilla sind auch mitgekommen. Man bezahlt im Voraus 15€ und bekommt dann Cider, Bier oder Wein gestellt und ein drei Gänge Menü. Außerdem gibt es einen festgelegten Sitzplan, so lernt man auch schnell neue Leute kennen. Ganz wichtig: man muss pünktlich sein, sonst wird man bestraft. Die Bestrafungen sind immer ziemlich lustig, man muss entweder was singen oder tanzen oder sich sonst irgendwas ausdenken. Eine kam zu spät und wurde dann natürlich bestraft. Allerdings muss man das nie alleine machen, man darf sich Leute mitnehmen, die einem bei der Bestrafung helfen. In unserem Fall hat das alle Deutsche getroffen (wie immer waren da ziemlich viele Deutsche), weil sie ihr Erasmus in Deutschland gemacht hatte und dann etwas deutsches singen wollte. Wir haben dann alle zusammen Oh Tannenbaum gesungen, weil uns kein Trinklied eingefallen ist, bei dem alle den Text kennen. Der Ablauf an sich ist ziemlich einfach. Immer wenn die Toastmaster, die ganz vorne an einem extra Tisch sitzen, die Glocke läuten, muss man leise sein und ein Lied wird angesagt, das alle zusammen singen. Dafür gibt es ein Prospekt, in dem die meisten Lieder stehen. Viele sind finnisch oder schwedisch, aber es gibt auch englische und überraschend viele deutsche. Nach dem Lied prostet man seinem linken, seinem rechten Nachbar und seinem Gegenüber zu. Manchmal muss man auch mitten im Lied trinken. Währenddessen wird das Essen serviert, aber man kommt quasi nicht zum essen, weil man ständig singen muss. Alles in allem war das ein sehr witziger Abend, der 4,5 Stunden dauerte und mit jedem Lied lustiger wurde. Bei mir am Tisch saßen hauptsächlich Finnen, was richtig cool war, weil die mir alles erklären konnten und man endlich mal wieder mehr mit Finnen zu tun hatte. 

Am nächsten Tag ging es nach Helsinki, wo ich mal wieder Anna einen Besuch abgestattet habe. Wir hatten Karten für die Dying Fetus Tour, die mit drei anderen Bands, unter anderem Beyond Creation, unterwegs waren. Also sind wir um acht in den Nosturi Club. Die Location war der Hammer, ich war selten in so einem coolen live Club. Man kam unten rein und musste erst mal zwei Stockwerke hoch, um in den eigentlichen Club zu kommen. Der war dann in zwei Bereiche eingeteilt. Vorne natürlich die Bühne und hinten die Bar. Bei der Bar gab es jede Menge Sitzmöglichkeiten, alles ziemlich cool gestaltet und man durfte seine Getränke nicht mit in den vorderen Bereich nehmen. Das heißt man kriegt kein Bier über die Hose gekippt, wenn man vor der Bühne steht, es liegen keine Becher rum, kurz gesagt einfach keine Sauerei und ein entspanntes Konzert. Außerdem gab es noch eine Empore, von der man auch einen super Blick auf die Bühne hatte. Mir ist so generell aufgefallen, dass so gut wie niemand Festival-Bändchen trägt. In Deutschland gilt man ja auf einem Metalkonzert fast als Aussätziger wenn man keine hat. Vielleicht haben die hier einfach nicht so viele Festivals.

Während der ersten Band Disentomb haben wir uns in den hinteren Bereich gesetzt und alles von der Ferne beobachtet. So wirklich gut waren die nämlich nicht. Der Sänger hat mich an Spasm erinnert und der restliche Sound war auch ziemlich eintönig. Dafür waren Beyond Creation das komplette Gegenteil. Ich höre diese Band schon ein paar Jährchen, hatte noch nie die Möglichkeit sie live zu sehen, da das auch ihre erste Europa Tour war, und hatte ziemlich hohe Erwartungen, die sie nicht enttäuscht haben. Die Kanadier machen sehr anspruchsvollen Technical Death Metal mit progressivem Einfluss. Ich hätte ihnen stundenlang zusehen können, das ist reine Magie was sie mit ihren Instrumenten anstellen. Beide Gitarristen spielen achtsaitige Gitarren, der Bass hatte sechs Saiten. Da hat man instrumental ganz andere Möglichkeiten und es ist einfach faszinierend, wie einfach das bei denen aussieht. Ich stand also völlig verzaubert vor der Bühne und war im siebten Himmel. Für mich war das definitiv das Highlight des Abends und meine Erwartungen an die anderen beiden Bands somit nicht mehr so hoch.

Allerdings haben mich Psycroptic dann doch geflasht. Ich habe von den Australiern noch nie was gehört, aber sie machen echt guten, anspruchsvollen Tech-Death. Das hat richtig gute Laune gemacht und war bei Weitem nicht so ernst wie Beyond Creation, deren Musik doch eher düster ist. Auf jeden Fall eine schöne Überraschung und man konnte auch gut dazu Headbangen. Die werde ich mir für weitere Konzerte merken.

Danach sind wir zum Merch-Stand runter, weil ich mir das neue Album von Beyond Creation kaufen wollte. Und wer steht da nicht hinter der Theke? Der Sänger von Beyond Creation! Ich finde das voll schön, dass die ihr Merchandise selber verkaufen. Dann kam auch noch der Bassist dazu und ich konnte mich mit den beiden kurz unterhalten. Ich wollte ihnen einfach sagen wie glücklich mich ihre Musik macht und wie toll ich ihren Auftritt fand. Ich habe mich selten so Fangirl mäßig gefühlt. Da ich diese Band wahrscheinlich so schnell nicht wieder sehen werde, habe ich noch ein Poster für fünf Euro gekauft, auf dem die beiden dann unterschrieben haben. Das hängt jetzt gegenüber von meinem Bett und macht mein Zimmer ein bisschen schöner smile. Zum Schluss kamen Dying Fetus, der Grund warum theoretisch alle zu dem Konzert gekommen sind. Ich gehöre da nicht dazu. Dying Fetus sind ganz nett, ähnlich wie Cannibal Corpse, aber es ist halt Brutal Death Metal, das heißt so gut wie alle Songs klingen gleich. Stimmung war auf jeden Fall da, die Band eignet sich auch super zum Headbangen, da es kaum Rhythmuswechsel gibt und der Takt schön regelmäßig ist, aber nach einer halben Stunde wurde es ein bisschen langweilig. Ist halt doch nicht ganz meine Musik, wobei ich Death Metal im Allgemeinen echt super finde.

Anna und ich sind dann nach einer Stunde gegangen, weil wir am nächsten Tag echt früh aufstehen mussten und mir diese Band jetzt nicht so wichtig war. Auf dem Weg nach draußen, haben wir uns noch ein Plakat von der Tour genommen/geklaut, man weiß es nicht genau. Die lagen in einer Papschachtel und niemand hat sich darum gekümmert, außerdem brauchen die die ja jetzt nicht mehr, wenn das Konzert vorbei ist. Jetzt hängt es an meinem Kleiderschrank und mein Zimmer sieht zumindest ein kleines bisschen wie daheim aus. Diese leeren Wände machen mich echt depressiv. Bis wir wieder am Hauptbahnhof waren, war auch schon ein Uhr morgens und wir hatten mega Hunger, also haben wir noch Falafel gegessen. Ich hab schon seit Ewigkeiten nicht mehr so gute Falafel gegessen und das ist definitiv gesünder als einen Burger bei Hesburger zu essen. Bei Anna sind wir dann erst gegen zwei angekommen und der Wecker hat um halb sechs wieder geklingelt, da wir samstags nach Tallinn fahren wollten.

Nach nur drei Stunden Schlaf war ich doch ziemlich wach, hätte ich fünf Stunden geschlafen, wäre ich nicht aus dem Bett gekommen. Um acht mussten wir an der Fähre sein und dafür einmal durch die ganze Stadt. Die Fähre war gut besucht, es gab nicht so viele Plätze. Wir haben es uns auf einem Sofa gemütlich gemacht, in der Hoffnung die 2,5 Stunden Überfahrt schlafend zu verbringen. Anna hatte damit auch keine Probleme, sie kann überall schlafen. Leider hat um halb neun morgens eine Band angefangen zu spielen, in einer Lautstärke, das kann fast schon als Lärmbelästigung gelten, vor allem um diese Uhrzeit! Für eine Stunde oder so bin ich trotzdem eingeschlafen, aber sehr entspannend war es nicht. In Tallinn angekommen sind wir zuerst in die Altstadt gelaufen, die wirklich wunderschön ist. Das Kopfsteinplaster hat mich sehr an Marburg erinnert, aber sonst hatte es nicht so viele Ähnlichkeiten mit Marburg, obwohl es doch an ein deutsches Städtchen erinnert, was wohl daran liegt, dass Estland im Mittelalter sehr lange unter deutscher Herrschaft gestanden hat.

Wir haben uns dann der Free Walking Tour angeschlossen, die gute zwei Stunden ging. Unser Guide war Chris, ein gebürtiger Tallinner, der jede Menge interessante und witzige Geschichten auf Lager hatte. Vor allem sind die Esten stolz auf ihre Unabhängigkeit nachdem sie Jahrhundertelang von irgendwelchen Großmächten herumgeschubst wurden. Und sie fühlen sich sehr mit Finnland verbunden, denn sie haben nicht nur die gleichen Sprachwurzeln und können teilweise die jeweils andere Sprache verstehen, die Persönlichkeiten sind auch ähnlich. Genauso wie die Finnen sind auch die Esten eher introvertiert und werden erst kontaktfreudig wenn ordentlich Alkohol geflossen ist. Unser Guide meinte er lebt den estischen Albtraum, indem er vor einer großen Menschengruppe spricht. In Tallinn leben ungefähr ein Zehntel aller Esten, es ist echt ein kleines Land. 

Die Hügel mitten in der Stadt, von denen man diesen wunderschönen Ausblick hat, wurden im Mittelalter von Menschenhand erschaffen, da sie zur Verteidigung dienen. Sonst wäre Tallinn einfach komplett flach. Wir haben jede Menge über die Geschichte und Traditionen in Tallinn gelernt, aber das würde jetzt zu weit gehen euch das alles zu erzählen. Es ist eine wunderschöne Stadt und auf jeden Fall einen Besuch wert. Anna und ich haben schon überlegt nächstes Jahr eine Rundreise in Osteuropa zu machen, da gibt es doch mehr zu entdecken als man immer denkt. Nach der Tour hatten wir Hunger und wollten in eins der Restaurants, die Chris uns empfohlen hatte. Allerdings waren die an einem Samstagnachmittag natürlich alle voll. Vom Marktplatz hat er uns abgeraten, weil es dort einfach überteuert ist und man mehr für den Ausblick als für das Essen bezahlt. In einer der Karten, die wir von der Tourist Info hatten, standen auch noch Restaurant-Tipps drin, am Ende sind wir (mal wieder) bei einem Inder gelandet. Ist ja schon ne Weile her seit wir das letzte Mal indisch gegessen haben und wir müssen das ausnutzen solange wir noch die Möglichkeit dazu haben. Typisches estnisches Essen ist sowieso deutsch, also Kartoffeln, Schnitzel, Sauerkraut... das kann ich dann wieder daheim essen. Danach sind wir noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert, haben einen coolen Plattenladen entdeckt und einen mega süßen kleinen Schokoladenladen, wo es selbstgemachte, vegane Schokolade gab. Ich habe mir zwei Kostproben mitgenommen. Dann war es auch schon wieder Zeit zurück zur Fähre zu gehen. Diesesmal haben wir uns nicht in den großen Raum mit der Bühne gesetzt, um der Band zu entgehen. Allerdings gab es in der kleineren Bar auch eine Bühne. Zu spät stellten wir fest, dass das die Karaoke Bühne war und so durften wir uns fast die ganze Fahrt "wunderschönen" Gesang von irgendwelchen Menschen anhören. Anna konnte dabei super schlafen, ich hab einfach Kreuzworträtsel gemacht. Gegen halb elf waren wir wieder bei Anna daheim und sind dann auch schlafen gegangen.

Am nächsten Morgen bin ich wieder nach Turku gefahren. Daheim habe ich schnell was gegessen, dann musste ich auch schon wieder los, weil ich mich mit Klaus getroffen haben. Dieses Mal wollten wir ins History Museum. Das war echt interessant, weil man dort echte Ruinen aus dem späten Mittelalter sehen konnte. Allerdings haben wir nur eine knappe Stunde dort verbracht, weil Klaus und Veera dann wieder los mussten. Ich war ihnen nicht böse, da ich selber noch ziemlich müde vom Wochenende war und mich auf mein eigenes Bett gefreut habe.

Diese Woche geht die zweite Periode los. Ab morgen habe ich neue Kurse, dieses Mal sind es nur zwei, was ganz gut ist, da ich immer noch jede Menge für meine anderen Kurse zu tun habe. Heute habe ich mit meiner Hausarbeit angefangen und für die Klausur am Freitag gelernt. Das wird eine unspektakuläre Woche die ich hauptsächlich mit diesen beiden Dingen verbringen werde. Aber am Freitag besucht mich Anna, dann habe ich bestimmt wieder was zu erzählen smile

17Oktober
2017

In der finnischen Wildnis

Eine stressige, aber erfolgreiche Woche liegt hinter mir. Am Freitag habe ich meine erste Klausur hier geschrieben und sie lief sehr gut! Aber ich habe auch donnerstags nochmal mit meinem Tandem Partner Klaus finnisch gelernt, das hat auf jeden Fall geholfen. Auch am Freitag habe ich meine erste Präsentation gehalten. Das Thema war transnational crime in der Baltic Sea Region. Monika und ich habe das Thema human trafficking präsentiert. Ich glaube wir haben das ganz gut gemacht, obwohl die Gruppenarbeit insgesamt echt nervenaufreibend war, wie das immer ist wenn sechs Leute in einer Gruppe sind und alle unterschiedliche Vorstellungen haben. Zumindest mit Monika hat die Zusammenarbeit richtig gut geklappt. Danach musste ich noch ein Essay fertig schreiben, zum Gück das letzte für den Baltic Sea Region Kurs. Außerdem hatten wir am Freitag seit Tagen mal wieder ein klein wenig Sonnenschein, das musste natürlich gleich ausgenutzt werden, also sind Caro, Fe und ich nach der Uni spazieren gegangen.

Von der Sonne war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so viel zu sehen aber es hat nicht geregnet und das ist schon mal ein großer Fortschritt. Ich hab auch mal den Selbstauslöser meiner Kamera ausprobiert, aber leider kriege ich das lange nicht so gut hin wie der Papa:

Fe kennt sich hier in den Wäldern ganz gut aus, ich bin da mit meinem Orientierungssinn ein bisschen überfordert, vor allem weil es ganz viele kleine Pfade in den Wald rein gibt, die alle gleich aussehen.

Für ein paar Minuten haben wir uns wirklich verirrt, aber dank Google Maps haben wir wieder auf die Straße zurück gefunden. Meine Füße waren dann aber nass, weil die Wege immer schmaler und matschiger wurden.

Nichtsdestotrotz waren das zwei wunderschöne Stunden in der finnischen Natur, die ich euch natürlich nicht vorenthalten will. 

Abends hatten wir eine wohlverdiente Sauna nach der stressigen Woche. Außerdem hatte Caro Geburtstag und wir haben alle zusammen im Gemeinschaftsaum gefeiert. Allerdings hatten die meisten so viel mit der Uni zu tun, dass es eher ein gemütliches Zusammensitzen als eine Party war, aber es war trotzdem schön und so viel Energie zum feiern hatte ich auch nicht. Caro hat von uns Muminmama als Stofftier und eine Mumin-Tasse bekommen, worüber sie sich mega gefreut hat. Mahada, Sazia und Fe haben einen wunderbaren Schokoladenkuchen gebacken, den ich mit den Küchengeräten, die ich hier habe, definitiv nicht so hinbekommen hätte. 

Am Samstag ging es aufs Esn Cottage Weekend! Caro und ich sind mit sechzig Leuten in eine Hütte am Meer im Wald gefahren, organisiert wurde das von Esn und sie haben echt einen tollen Job gemacht, auch wenn es den ganzen Samstag geregnet hat. Das Ziel war es uns die finnische Kultur näher zu bringen und einfach eine gute Zeit zu haben. Als wir ankamen wurden wir auf die verschiedenen Hütten verteilt und dann gab es erst mal Mittagessen um zwölf. Danach wurde ein Amazing Cottage Race organisiert. Das heißt es gab verschiedene Stationen auf dem ganzen Gelände und die Gruppe mit den meisten Punkten gewinnt. Also so wie im guten alten Zeltlager und ich muss sagen, das macht mit den richtigen Leuten immer noch verdammt viel Spaß. Und die Teamer haben sich auch echt gute Sachen einfallen lassen. Am besten hat mir die Pulla Station gefallen. Pulla sind so was wie Zimtschnecken und dort durften wir unsere eigenen backen. Die waren so lecker, ich habe mich quasi das ganze Wochenende davon ernähert. Bei einer Station hat unser Team doppelte Punkte bekommen, weil Rita bei sechs Grad ins eiskalte Meer gesprungen ist, das war auf jeden Fall ein großer Einsatz und hat auch sonst keine Gruppe gemacht. Dafür hat sie am Ende auch eine extra Auszeichnung bekommen, weil niemand erwartet hat, dass das überhaupt jemand macht. Einen weiteren Vorteil hatten wir bei der Station, bei der man sich gegenseitig mit Stäbchen Flips, Popcorn und Schokolinsen füttern musste. Wir hatten zwei Asiatinen im Team, die das in einer Geschwindigkeit gemacht haben, das war echt unglaublich. Am Ende sind wir von acht Teams dritter geworden und haben Schokolade gewonnen, also waren wir nicht so schlecht. Nach dem "Abendessen" (es hat um 5 Uhr nachmittags stattgefunden, da hat man ja spätestens um 9 wieder Hunger!) mussten wir auf unsere Sauna Schicht warten. Die Sauna war nähmlich nicht sehr groß, deshalb wurden wir in drei Gruppen eingeteilt und Caro und ich waren in der letzten. Wir haben uns die Zeit am Lagerfeuer vertrieben, haben die die in der Sauna waren dabei beobachtet wie sie kreischend ins Meer gerannt sind und haben Marshmallows über dem Feuer geröstet. Neben der Sauna gab es auch noch einen "palju", das ist eine Art Whirlpool der mit einem Holzofen beheizt wird. Alles in allem war die Kombination aus Sauna, Meer und Palju perfekt. Man konnte von der Sauna ins eiskalte Meer rennen und sich dann im Whirlpool wieder aufwärmen. Da wir die letzte Gruppe waren, haben Caro und ich das ganze zwei Stunden durchgehalten, die anderen hatten nur eine Stunde Zeit. Danach ging es wieder ans Lagerfeuer, wo wir lustige Trinkspiele gespielt haben. Um zehn sollte eine große Party im Hauptgebäude stattfinden, aber die Musik war jetzt nicht so toll, dass man unbedingt tanzen wollte. Die Spanier und Franzosen haben das aber voll ausgenutzt. Ich fand es schöner ein paar Spiele zu spielen, auf dem Gelände herum zu laufen und einfach neue Leute kennenzulernen. Die Party ging bis um fünf oder sechs, aber ich bin schon gegen halb vier ins Bett gegangen. So richtig schlafen konnte ich allerdings nicht, weil die Party hauptsächlich in unserem Cottage stattgefunden hat. Gestört hat es mich nicht wirklich, ich war nur froh, dass ich mich nicht weiter mit betrunkenen Menschen unterhalten musste. Das ist zwar ziemlich lustig, aber auch echt anstrengend wenn die gar nichts mehr peilen.

Am nächsten Morgen bin ich um halb neun aufgestanden und zum Hauptgebäude gelaufen, nur um festzustellen, dass es erst um halb zehn Frühstück gibt, Also bin ich ein bisschen spazieren gegangen, weil das Wetter im Gegensatz zu Samstag einfach fantastisch war. Nach dem Frühstück war außer die Cottages aufräumen nicht mehr viel zu tun, also haben Caro und ich uns einfach an den Strand gechillt und die Sonne genossen.

Zurück in Turku bin ich noch mit Caro zur Housing Office gelaufen, weil sie dort den Schlüssel für den Gemeinschaftsraum abgeben musste. Damit habe ich dann gleich meinen sonnigen Sonntagsspaziergang verbunden. Ansonsten habe ich an diesem Tag nicht mehr viel auf die Reihe gekommen und bin früh ins Bett gegangen.

Nach vierzehn Stunden Schlaf bin ich am Montag um elf aufgewacht und war so ausgeschlafen wie schon lange nicht mehr. Die hatte ich nach dem langen Wochenende aber auch echt nötig. Vielleicht ist finnische Wildnis etwas übertrieben, aber immerhin war ich in der Natur und habe euch jede Menge schöne Bilder mitgebracht, auch wenn das längst nicht alle sind, weil es immer Ewigkeiten dauert bis man die Bilder von den anderen bekommt. 

Bis bald!

08Oktober
2017

Finnische Kunst, Oktoberfest und Ensiferum - eine Woche voller Kontraste

Am Sonntag ging es in den National Park Kurjenrahka, der knapp eine Stunde von Turku entfernt liegt. Organisiert wurde dieser Trip von unserem Studentenwohnheim TYS. Das Wetter war nicht so der Renner aber zumindest hat es nicht geregnet. Wir kamen mit zwei Bussen im National Park an, waren also nicht gerade wenige, aber zum Glück hat sich das mit der Zeit verlaufen. Dort gab es einen großen See, um den wir eine Wanderung gemacht haben. 

Dabei sind wir hauptsächlich durch den Wald gelaufen, aber es gab auch ein ziemlich großes Sumpfgebiet. Auf Dauer war das aber etwas anstrengend, da man auf einem Pfad, der aus zwei Holzbrettern bestand, laufen musste. Ich war meistens so sehr darauf konzentriert einen Fuß vor den anderen zu setzen,dass ich die Landschaft gar nicht so richtig genießen konnte. Außerdem konnte man sich auch nicht so gut unterhalten, weil man ja hintereinander laufen musste.

Unterwegs haben wir auch jede Menge Pilze und Heidelbeeren gesehen. 

Natürlich haben wir keine Pilze gesammelt, ich kenne mich gar nicht aus damit. Aber wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass das ein Fliegenpilz ist laughing. Oder zumindest irgendwas anderes Ungenießbares.

Nach der Wanderung gab es ein großes Barbecue. Diesesmal mussten wir nichts selber mitbringen, sondern Würstchen, Maiskolben und Säfte wurden von TYS gestellt. Zwar waren das keine richtigen Bratwürste, aber geschmeckt hat es trotzdem. Am Feuer konnten wir uns schön aufwärmen, denn es hatte nicht einmal 10 Grad an diesem Tag. Danach ging es auch schon wieder zurück nach Turku.

Außer dass ich am Montag den ganzen Tag in der Uni saß, gibt's nicht viel zu berichten. Am Dienstag das gleiche Spiel, morgens hatte ich ein Gruppentreffen für eine Präsentation nächste Woche und nachmittags wieder meinen Kunstgeschichte Kurs. Nur noch morgen, dann habe ich ihn überstanden, auch wenn ich dann mein Essay dafür anfangen muss. Mittwochs hatte ich mein erstes richtiges Treffen mit meinem Tandem Partner Klaus. Wir sind zusammen mit seiner Freundin Veera ins Kunstmuseum in Turku, da dort am Mittwoch Student Day war und deshalb alle Studenten freien Eintritt hatten. Das Kunstmuseum ist eines der wenigen alten Gebäuden in Turku und ist richtig schön.

Da es auf einem Hügel liegt hat man auch eine super Aussicht.

Im Museum gibt es hauptsächlich finnische Kunst aus dem frühen 19. Jahrhundert. Eine Ausstellung hat die Werke von Tyko Sallinen vorgestellt. Ein paar seiner Bilder haben mir gefallen, aber mit seinen Portraits konnte ich nicht so viel anfangen. Wenn man die Portraits, die er von seiner Frau gemacht hat, anschaut, denkt man, er konnte sie nicht leiden, so seltsam sehen die meisten aus. Andere Menschen hat er wiederum sehr schön gemalt. Von den anderen Künstlern, die präsentiert worden sind, hat mir vor allem Akseli Gallen-Kallela gefallen. Besonders seine Werke über den finnischen Nationalepos Kalevala sind großartig. Veera wusste ziemlich viel über die Ausstellung und konnte einiges über die Künstler erzählen. Wir haben so gut wie die ganze Zeit Englisch gesprochen, weil es am einfachsten war, aber das ist ja eigentlich nicht Sinn der Sache. Nächstes Mal sollten wir uns dann wieder mehr auf Finnisch und Deutsch konzentrieren. Auf jeden Fall habe ich viel über die finnische Kunst gelernt. Danach sind wir in die Stadtbibliothek, weil es dort auch eine große Auswahl an deutschen und englischen Büchern gibt. Wir lesen alle drei sehr gerne, was natürlich gleich viele neue Gesprächsthemen eröffnet hat. Ich habe Klaus ein paar deutsche Autoren gezeigt wie Sebastian Fitzek und Nele Neuhaus, aber er liest eher Fantasy. Ich habe mir ein Buch von einer finnischen Schriftstellerin ausgeliehen, natürlich auf deutsch, aber bin trotzdem mal gespannt wie das ist. Es spielt auf jeden Fall in Finnland und ich glaube ich habe noch nie ein Buch gelesen, dass in Finnland spielt. Im Anschluss sind wir noch einen Kaffee im Art Café trinken gegangen. Das heißt, ich hab einen Mocha getrunken. die anderen beiden mögen keinen Kaffee. Und da haben wir es wieder: Klischees bleiben Klischees und nicht jeder Finne ist kaffeeabhängig. Aber sie haben selber zugegeben, dass sie, was das angeht, eher Außenseiter sind. Als wir uns auf den Rückweg machten, sind wir über die Library Bridge und hatten einen wunderschönen Ausblick:

Nach dem ganzen Regen in den letzten Tagen, haben wir uns den Regenbogen aber auch wirklich verdient. 

Am Donnerstag hatte ich wieder die tolle Vorlesung über Finnland. Diesmal ging es um Religion und Politik. Vor allem Politik war interessant so kurz nach der Wahl in Deutschland. Die Finnen haben nämlich auch eine rechtsorientierte Partei im Parlament sitzen, die aus der EU raus will und Angst vor dem Verlust der finnischen Kultur hat. Aber eigentlich will ich darauf auch gar nicht näher eingehen, das soll ja kein politischer Blog werden. Mich hat es nur gewundert, dass man davon gar nicht so wirklich was mitbekommen hat. Oder vielleicht liegt es auch einfach an mir, weil ich zu wenig Nachrichten schaue. Abends haben wir uns endlich mal wieder zum Feieren verabredet. Also eigentlich sollte das keine große Sache werden, nur ein schöner Abend mit ein paar Leuten, aber wie das immer so ist, wurde es dann ein mega guter Abend, der ziemlich lang ging. Der Plan war zum Oktoberfest in den Vegas Club zu gehen. Mich hat das einfach interessiert, wie die hier das Oktoberfest feiern. Davor haben wir uns bei uns in der Wohnung getroffen und vorgetrunken. Da ist es uns dann auch erfolgreich gelungen Fe zu überreden doch noch mit in den Club zu kommen, wir waren dann zu sechst.

Mathilde war die einzige nicht-deutsch-Sprechende, aber wir haben trotzdem so gut wie die ganze Zeit Englisch geredet. Im Club angekommen, war klar, dass die hier eine etwas andere Vorstellung von Okoberfest haben. Überall sind Menschen mit Tirlorhut herum gelaufen. Den Grund habe ich nicht verstanden, die Hüte sehen weder cool aus, noch sind sie deutsch oder werden auf dem Oktoberfest getragen. Es waren überraschend viele Finnen da, die teilweise sogar Dirndl anhatten, auch wenn es keine schönen waren. Immerhin gab es ein Maß Bier für 7,50€, was sehr billig für finnische Verhältnisse ist, aber es war leider kein deutsches Bier. Ich habe mich in der Zwischenzeit mit Lakritzschnaps angefreundet, das Zeug ist richtig lecker. Die Musik war am seltsamsten. Es kamen nämlich Charts, also hauptsächlich englische Lieder und zwischendurch mal was spanisches. Ich habe mich echt auf einigermaßen gute deutsch Musik gefreut und wurde schwer enttäuscht. Allerdings kamen dann auf einmal Cowboy und Indiander und das Fliegerlied. Man hat sofort gemerkt, wer aus Deutschland war, weil sonst niemand den Tanz dazu konnte. Das war richtig lustig. Das Unvermeidbare traf natürlich auch noch ein: Helene Fischer. Da ich es seit bestimmt über einem Jahr nicht mehr gehört habe, war es gar nicht mal so schrecklich, aber das könnte auch am Bier gelegen haben. Alles in allem wurden vier deutsch Lieder gespielt, was für ein Oktoberfest ziemlich schwach ist. Aber gut, wir sind ja auch in Finnland. Wir haben es dort bis halb vier ausgehalten, dann wurden wir rausgeworfen, weil der Club zugemacht hat. Es war einfach ein echt witziger Abend.

Freitags war ich dann etwas k.o. von der Party, aber ich habe mich trotzdem zur Uni gequält. Schließlich schreibe ich schon nächste Woche meine Finnisch Klausur. Eigentlich hätte ich dann mein Reading Assignment für den einen Kurs fertg schreiben müssen, aber wir haben noch eine weitere Woche Zeit von unserer Dozentin bekommen, also habe ich das auf Samstag verschoben.

Gestern habe ich mit Mathilde einen neuen Schwimmbadversuch gestartet. Fe ist auch mitgekommen. Dieses Mal haben wir ein ziemlich großes Hallenbad mit acht verschiedenen Becken ausgesucht. Wir wurden nicht enttäuscht, das Bad war riesig. Es gab sogar ein 50m-Becken in dem man wunderbar schwimmen konnte, so wie im Freibad in Niefern. Eins haben wir aber vergeblich gesucht: anständige Umkleidekabinen. Die Finnen lieben anscheinend ihre Sammelumkleiden. Und ich glaube ich habe das Badekappenmysterium gelöst. Dieses Mal wurde ich, bevor ich ins Wasser bin, schon wieder auf meine Haare angesprochen. Soweit ich das richtig verstanden hab, muss man entweder eine Badekappe tragen oder seine Haare nass machen bevor man ins Wasser geht. Also bin ich halt schnell nochmal unter Dusche und konnte dann mit nassen Haaren schwimmen gehen. Das hätte mir die beim letzten Mal auch sagen können. Das blöde ist nur, dass es dort keine Föhns gibt, deshalb wollte ich es eigentlich vermeiden meine Haare nass zu machen, aber das ging dann halt nicht anders. An diesem Tag hat dort auch ein Schwimmwettkampf stattefunden, weshalb wir sehr froh waren schon so früh dort gewesen zu sein, da später das große Becken für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. Also wenn ich hier nochmal schwimmen gehen sollte, dann wird es wohl wieder dieses Schwimmbad werden. Abends war das Ensiferum Konzert! Und es war einfach der Hammer. Habe schon lange nicht mehr so ein gutes Konzert gesehen. Monika und Jessi waren auch dabei. Die Vorband war ziemlich enttäuschend, aber sobald Ensiferum die Bühne betrat, war die Hölle los. Ensiferum machen finnischen Folk Metal. Teilweise haben sie auch finnische Texte und ein Akkordeon in ihren Liedern. Ich hätte nie gedacht, dass Finnen so abgehen können, weil sie sonst ja eher zurückhaltend sind, aber bei gutem Metal trifft das wohl nicht zu. Und obwohl jeder extrem viel Spaß hatte, gab es überhaupt kein Gerempel und Geschubse. Ab und zu habe ich mal ein paar Haare abbekommen, aber wahrscheinlich auch genug andere mit meinen getroffen. Jetzt habe ich Nackenschmerzen, bin aber glücklich laughing.

Jetzt ist es übrigens offiziell, Flitzi kommt mich Anfang November besuchen! Das wird richtig schön, ich freu mich drauf smile

 

30Sept
2017

Wochenend und Sonnenschein

Heute komme ich endlich dazu euch von vorletztem Wochenende zu erzählen, an dem ich mit Vali zu Besuch bei Anna in Helsinki war.

Am Samstag sind Vali und ich früh morgens nach Helsinki gefahren. Anna hat uns dann vom Busbahnhof abgeholt, sonst hätten wir uns wahrscheinlich erst mal verlaufen. Wir haben unsere Sachen bei Anna abgelegt und sind gleich weiter zu einem Park auf einer Insel, wo ein Barbecue stattfand.

 

Als wir ankamen waren nicht mehr viele da, aber wir konnten trotzdem noch unsere Würstchen auf den Grill legen und haben uns dann mit einem Cider in die Sonne gesetzt. Das Wetter war echt unglaublich gut an diesem Wochenende. Man konnte teilweise sogar ohne Jacke herum laufen. Danach hat uns Anna in Helsinki herum geführt. Wir haben die zwei großen Kirchen, die weiße und die rote Kirche, angeschaut, sind am Hafen entlang gelaufen und sind durch die Innenstadt geschlendert.

Anna wohnt etwas außerhalb, deshalb war es ziemlich spät als wir dort ankamen. Wir hatten keine Lust zu kochen also beschlossen wir indisch essen zu gehen. Es gibt ziemlich viele Inder in Helsinki, aber es war trotzdem schwierig einen in Laufweite von Annas Wohnung zu finden. Nach langer Recherche fanden wir einen, der nur 20min zu Fuß entfernt war und um neun Uhr noch auf hatte. Als wir ankamen war das Restaurant leer und niemand stand hinter der Theke. Wir warteten eine Weile, aber es kam niemand. Dann stellten wir fest, dass die Theke mit der Bar nebenan verbunden war und versuchten dort unser Glück. Nebenan fand Karaoke statt, deshalb war es ziemlich laut. Auch dort war niemand hinter der Theke, aber ein Gast bemerkte unsere Verwirrung und drückte auf eine ziemlich laute Hupe, die auf dem Tresen lag. Daraufhin kam endlich jemand aus der Küche und nachdem wir uns versichert hatten, dass das Restaurant geöffnet hatte, bekamen wir einen Tisch. Das Essen war richtig lecker und nicht zu teuer. Das beste war das Naan Bread, von dem wir so viel bekamen wie wir wollten. Das kam fast an meinen Lieblingsinder in England ran und hat sogar noch besser geschmeckt wie im Curry Haus in Marburg. Das einzige was störte, war die Bar nebenan. Da es eine Verbindungstür gab, haben wir den ganzen Abend den wunderschönen Klängen des Karaoke-Gesangs gelauscht. Und mal ehrlich, die hatten es gar nicht drauf. Da waren die Metal Menschen am Abend davor viel besser, sogar Giancarlo konnte im Vergleich dazu singen. Aber das leckere Essen hat das wett gemacht und so hatten wir zumindest etwas zu lachen. 

Am nächsten Morgen haben wir uns schon ziemlich früh (also gegen 10) mit ein paar anderen Mädels am Hafen getroffen und sind mit der Fähre auf die Insel Suomenlinna gefahren. Das Wetter war perfekt dafür, man hat sich teilweise wie im Süden gefühlt. Auf der Insel gibt es jeden Menge zu sehen und wir haben bestimmt fünf Stunden dort verbracht.

Suomenlinna heißt so viel wie Finnenburg. Leider war von der Burg nicht mehr ganz so viel übrig, aber die Grundmauern sind trotzdem beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass sie um die 300 Jahre alt sind.

Auch die Aussicht von der Insel aus ist richtig schön.

Im Souvenirshop haben wir uns mit Postkarten und Briefmarken eingedeckt. Dabei mussten wir feststellen, dass die Post hier viel zu teuer ist. Eine normale Briefmarke kostet 1,40€ und sie wollen es jetzt sogar um 10 Cent erhöhen. Also werde ich wohl keine Postkarten mehr schreiben und ihr müsst euch mit meinem Blog zufrieden geben. Um die Mittagszeit rum haben wir ein kleines Picknick auf einer Wiese gemacht. Eine der Mädels hatte eine Decke dabei, das war echt praktisch und wir haben eine Weile die Sonne genossen. Wir wären gerne in das Spielzeugmuseum gegangen, aber das hat Eintritt gekostet, also haben wir es gelassen. Zurück in Helsinki sind wir über einen großen Markt gelaufen, wo wir eigentlich Pfifferlinge für unser Abendessen kaufen wollten, aber leider waren die schon ausverkauft. Dafür haben wir einen Gewürzstand gefunden, wo es im Vergleich zum Supermarkt alle möglichen Gewürze ziemlich günstig gab. Ich habe mir Curry, Garam Masala und Kräuter der Provence für jeweils 2€ mitgenommen. Ich bin zwar nur vier Monate hier, aber es ist echt schwer zu kochen wenn man nur Pfeffer, Salz und Paprika daheim hat. Letzten Mittwoch habe ich mit meinen Errungenschaften erst mal ein richtig leckeres indisches Curry gekocht und bin sehr froh, dass ich die Gewürze gekauft habe. Danach haben wir im Lidl alles für unser Abendessen eingekauft. Da es ja leider keine Pfifferlinge mehr gab, haben wir halt Champignons eingekauft. Daheim gab es dann Pasta mit Pilz-Zucchini-Sahne-Frischkäse-Soße, war echt lecker. Während dem Kochen haben wir den Livestream zur Wahl verfolgt. Das ist echt das erwachsenste was ich in letzter Zeit gemacht habe. Aber es war richtig interessant, auch wenn das Ergebnis weniger gut war. Und die Diskussionen im Anschluss waren teilweise echt lustig. Den Abend haben wir dann mit Postkarten schreiben und Qwixx spielen ausklingen lassen. 

Montagmorgens mussten wir schon ziemlich früh aufstehen. Anna musste in die Uni und mein Bus nach Turku ging um 9:15 Uhr. Allerdings haben wir uns ein bisschen mit der Zeit verschätzt und Vali und ich haben zwei Busse in die Stadt verpasst. Zum Glück kam dann ein weiterer Bus, der direkt zum Busbahnhof gefahren ist und auch wenn er länger gebraucht hat als erwartet, habe ich meinen Bus noch erwischt. Das habe ich vor allem Vali zu verdanken, weil sie sich in dem verwirrenden Busbahnhof schon etwas auskennt, da sie donnerstags von dort aus auch nach Turku gefahren ist. Vali hat sich dann auf den Weg zur Fähre nach Tallinn gemacht. Es war schon traurig, dass ich mich von Vali und Anna an einem Tag verabschieden musste, aber unser nächster Trip ist schon so gut wie geplant. Es war auf jeden Fall ein tolles Wochenende, das ganz weit vorne in meiner Highlights-in-Finnland-Liste steht smile. Kaum daheim, musste ich auch schon wieder in die Uni. Vier Stunden Art Propaganda in the Soviet Union erwarteten mich. Letzte Woche hat mein Intensiv-Kurs in Kunstgeschichte angefangen. Intensiv ist das richtige Wort. Es ist echt schwierig sich vier Stunden am Stück zu konzentrieren, vor allem bei so einem komplexen Thema. Direkt nach dem Kurs war auch noch ein Pub Quiz, zu dem ich mit Bea und Mathilde gegangen bin. Ich bin mir nicht sicher ob wir dieses Mal besser waren, aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht und ich konnte die Literatur Frage richtig beantworten (Lang leben die Bücher von George Orwell!). Danach war ich ziemlich fertig mit der Welt, am Wochenende hatte ich ja nicht so viel Schlaf.

Am Dienstag gab es weitere vier Stunden Kunstgeschichte für mich. Ansonsten habe ich nicht viel gemacht. Ich musste jede Menge für die Uni lesen und ein Essay für Freitag schreiben. Donnerstags habe ich meinen Tandem Partner Klaus kennen gelernt. Also ich mache bei dem Tandem-Programm mit, das bedeutet ich bekomme einen Partner der Deutsch lernen will und mir im Gegenzug Finnisch beibringt. Dabei geht es weniger um stures Lernen sonder eher darum verschiedene Aktivitäten zu machen wie Filmeabende, zusammen kochen oder ins Museum gehen. Dabei kann man sich über das jeweilige Heimatland austauschen und die Sprache lernen. Bei uns ist das etwas schwierig, da ich seit vier Wochen Finnisch lerne und Klaus seit sechs Jahren Deutsch. Also versteht er alles was ich sage und ich so gut wie nichts, aber es ist eine tolle Gelegenheit Finnen und die finnische Kultur kennenzulernen und ich kann ihm beim Deutsch lernen helfen. Wir haben uns bei ihm in der Wohnung getroffen, die er mit seiner Freundin Veera teilt. Beide sind richtig nett und wir haben einen Plan gemacht, wann wir uns treffen und was wir unternehmen wollen. Ich hoffe, dass ich am Ende zumindest ein bisschen Finnisch verstehen kann. 

Der Freitag war ziemlich stressig, weil ich mein Essay immer noch nicht fertig hatte und nach der Uni den ganzen Nachmittag dran saß. Aber abends hat Giancarlo uns in die Sauna eingeladen, was mir zur Entspannung gerade recht kam. Bea und Mauricio kamen auch mit. Die Sauna war dann doch anstrengender als erwartet, weil die Jungs es ein bisschen mit der Hitze übertrieben haben. Alle zwei Minuten haben sie Wasser über die Steine gekippt. Mauricio ist der Meinung, dass 100 Grad die perfekte Temperatur in der Sauna ist, ich bin da bei 80 Grad völlig zufrieden. Aber es war trotzdem gut, ich konnte dann halt nicht so lange am Stück drin bleiben, aber Bea ging es genauso und die Jungs haben auch Rücksicht auf uns genommen, wenn wir gesagt haben, dass es reicht. Kurz nach zehn sind Bea und ich dann nach Hause und wurden von einer Hausparty überrascht, die in unserem Gebäude stattfand. Es war echt viel los und es wurde Bierpong gespielt, aber ich hatte nach der Sauna gar keine Lust auf Party, vor allem nicht in Flip Flops und mit nassen Haaren. In unserer Wohnung hat man zum Glück nicht viel von der Party mitbekommen, aber anscheinend ging es gut ab, weil am nächsten Morgen hing ein Stuhl im Baum vor unserem Haus. Keine Ahnung wer hier mit Stühlen herumwirft, aber der hängt immer noch da drin und obwohl es gestürmt hat, fällt er nicht runter. Ich bin mal gespannt, wie lange man den dort noch bewundern kann.

Das war es erstmal, auf den nächsten Eintrag müsst ihr nicht so lange warten, versprochen!

26Sept
2017

"Big" City Life

Ja, der letzte Eintrag ist echt lang her, aber ich hatte mega viel um die Ohren. Ich fang einfach da an wo ich letztes Mal aufgehört hab.

Wir haben am Samstag vor zwei Wochen einen Ausflug nach Tampere gemacht. Irgendjemand, garantiert nicht ich, kam auf die dumme Idee den Bus um 6:20 Uhr morgens zu nehmen. Das ist einfach nicht meine Zeit. Der nächste wäre halt erst um halb 11 gefahren und da man zwei Stunden dort hin braucht, wäre das vielleicht ein bisschen wenig gewesen. So im Nachhinein wäre es trotzdem besser gewesen. Tampere ist die drittgrößte Stadt in Finnland, also dachten wir da gäbe es bestimmt viel zu sehen. Wir waren dann um halb 9 da und natürlich hatte noch keine Touristenattraktion offen, also sind wir erst mal in ein Café, das ein bisschen überteuert war. Die heiße Schokolade hat einfach 4,50€ gekostet. Danach haben wir uns auf den Weg zum Aussichtsturm gemacht und haben dabei schon einiges von der Stadt gesehen.

Auf der einen Seite ist Tampere eine industrielle Stadt mit vielen Fabriken aus Backstein im Zentrum, aber auf der anderen Seite gibt es richtig schöne Parks und so gut wie überall gibt es Wasser. Tampere liegt genau zwischen zwei großen Seen und ein Fluss fliest durch die Stadt. Dadurch ist die Präsenz von Wasser viel größer als in Turku obwohl Turku am Meer liegt. Trotzdem konnte ich mich nicht so richtig mit der Stadt anfreunden, wahrscheinlich auch weil das Wetter nicht so der Renner war. Am Aussichtsturm stellten wir fest, dass dieser erst um elf aufmacht und bis dahin war es noch über eine halbe Stunde. Wir haben dann gewartet, nur um zu erfahren, dass die 6€ pro Person für die Besichtigung wollten. Das war uns einfach zu viel, also sind wir wieder gegangen. Auf dem Rückweg kamen wir an schönen Kirchen vorbei, aber leider konnte man keine von innen besichtigen. 

Außerdem bekamen wir langsam Hunger und haben in einem Burgerladen was gegessen. Eigentlich wollten wir in der Markthalle essen gehen, aber da war es uns zu teuer. Weiter ging es zur öffentlichen Library, die von außen echt nicht schön war, aber innen ziemlich cool aussah. Auf die Kathedrale hatte ich mich echt gefreut, aber dann konnten wir dort auch nicht rein, weil da eine Hochzeit statt fand.

Da wir nicht wussten was man sonst noch so anschauen kann, sind wir in ein Katzencafé. Das war richtig süß und da ich den Fiiiindel schon ziemlich vermisse, habe ich dort mit ein paar Katzen gekuschelt, aber das war einfach nicht das gleiche. An sich finde ich das eine coole Idee, das gibts anscheinend auch in Deutschland, aber ich hab davor noch nie was davon gehört. Da nicht alle so Katzenverrückt waren, sind nur Isabelle, Aline, Brunna und ich dort hin. Die anderen haben sich weiter die Stadt angeschaut. Da kommen wir dann auch auf das andere Problem des Ausflugs zu sprechen. Außer Alicia und mir haben alle französisch gesprochen. Mathilde hat zwar immer wieder versucht die Gespräche auf Englisch umzuschwenken, aber das hat nicht so gut geklappt, also habe ich mich hauptsächlich mit Mathilde und Alicia unterhalten, da ich bei den anderen gar keine Chance hatte mich in die Unterhaltung einzuklinken. Also saß ich eine Stunde im Katzencafé mit drei französischsprachigen Menschen an einem Tisch und keiner kam mal auf die Idee sich auf Englisch zu unterhalten. Natürlich hab ich manchmal auf Englisch was gefragt, aber nach drei Sätzen war wieder alles auf französisch. Ich hab mich dann auf die Katzen konzentriert und war etwas angepisst. Als wir die anderen wieder getroffen haben, ging es wieder und ich weiß dass es Mathilde ziemlich unangenehm war, dass die ganze Zeit französisch gesprochen wurde und sie hat mir ab und zu übersetzt über was sie reden, trotzdem war es einfach insgesamt mega unhöflich und ich hoffe, dass sich in meiner Gegenwart noch nie jemand, der kein Deutsch spricht, so gefühlt hat. Wenn eine von den Au pair Mädels das liest, wenn Barbora mit uns unterwegs war, waren wir nie so schlimm oder? Wir haben immer versucht sie miteinzubeziehen. Wir haben dann nicht mehr viel gemacht, sind in der Stadt herum geschlendert und dann in ein Einkaufszentrum, weil es draußen echt kalt war auf Dauer.

Am Abend waren wir um halb zehn wieder daheim, ich war total fertig und konnte dann nicht mehr zur Sauna Party vom Metal Club gehen. 

Der Sonntag hat genauso busy angefangen wie der Samstag aufgehört hat. Es war nähmlich Stadtfest in Turku und um möglichst viel zu sehen, da während des Stadtfests so gut wie alle Museen umsonst waren, machten Bea, Mathilde und ich uns schon um halb zehn morgens auf den Weg. Als erstes ging es zum Freilichtsmuseum, das aus vielen Hütten aus dem 18. und 19. Jahrhundert besteht und ein typisches finnisches Dorf darstellt.

Mich hat es überrascht, dass man so etwas mitten in Turku finden kann. Es war echt interessant, vor allem weil es für jeden Beruf eine Hütte gab und in vielen dann auch jemand verkleidetes stand, der diesen Beruf ausgeführt hat, den man fragen konnte, wie das früher so war. Zum Beispiel saß eine Frau am Spinnrad, ein Mann erklärte die Verarbeitung von Silber und beim Bäcker konnte man finnische Spezialitäten kaufen. Danach sind wir auf den Marktplatz, wo noch mehr Marktstände wie sonst immer standen und es jede Menge zu essen gab. Auch am Fluss entlang war einiges an Programm geboten, unter anderem das alljährliche Tauchen. In Turku wir jedes Jahr während des Stadtfests der Fluss gereinigt. Also tauchen jede Menge Freiwillige im Neoprenanzug in den Fluss und holen den ganzen Müll der sich im Laufe des Jahres dort angesammelt hat an Land. So etwas habe ich echt noch nie gesehen. Und der Müllberg war nachmittags schon ziemlich groß, was traurig ist. Wer wirft denn bitte Fahrräder und Einkaufswagen in den Fluss? Aber an sich ist das eine super Aktion und soll die Leute in Zukunft davon abhalten den Fluss als Mülleimer zu benutzen. Wir sind noch in ein Apothekenmuseum, also eine alte Apotheke, die zu einem Museum über Pharmazie umgebaut wurde, dann sind wir Tacos essen gegangen. Um zwei haben wir uns mit Tanja und den chinesischen Studentinnen an der Burg getroffen, weil Tanja uns eine kleine Führung geben wollte. Um zur Burg zu kommen, mussten wir Bus fahren und ich habe fest gestellt, dass es in Turku elektrische Busse gibt. Das ist richtig cool, weil sobald man an einer Ampel steht, merkt man gar nicht, dass der Bus an ist und auch während der Fahrt ist es echt ruhig. Anscheinend sind die hier im Norden doch ziemlich fortschrittlich, in Deutschland hab ich das bei öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht gesehen. Bis jetzt gibt es nur eine Linie, die elektrische Busse benutzt, aber das soll in Zukunft ausgebaut werden. In der Burg war es voll toll. Von außen ist sie ja nicht so spektakulär, aber innen ist es einfach riesig. Unsere Tour dauerte 2,5 Stunden und Tanja weiß richtig viel. Sie studiert finnische Geschichte und die Burg ist einer ihrer Lieblingsplätze in Turku. Jetzt weiß ich ein bisschen mehr über das schwedische Königshaus und die Rolle die Turku dabei spielt. Bei manchen Geschichten denkt man fast, man wäre in Game of Thrones, so viele Intrigen wurden da gesponnen. Die Burg besteht aus einem mitteralterlichen Teil und einem Teil aus der Renaissance. Leider ist von der Einrichtung so gut wie nichts übrig geblieben, deshalb sind viele Räume leer, aber die Burg ist trotzdem beeindruckend.

Während die anderen nach der Besichtigung noch in der Stadt bleiben wollten, musste ich die Luftmatratze für Vali von Tanja abholen. Da sie mit dem Fahrrad unterwegs war, konnte sie mich nicht mitnehmen, deshalb wollte ich mit dem Bus fahren. Am Marktplatz habe ich aber festgestellt, dass der nächste Bus zum Studentendorf erst in über einer halben Stunde fährt, also bin ich eine halbe Stunde hin gelaufen, was nicht so schlimm war, da das Wetter echt schön war. Nachdem ich die Matratze dann hatte, habe ich festgestellt, dass ich den Bus schon wieder verpasst habe, also bin ich wieder zurück gelaufen. Danach hatte ich dann keine Motivation mehr mir noch irgendwelche anderen Museen anzuschauen und bin nach Hause gegangen. Das Feuerwerk um neun habe ich auch verpasst, aber so toll war es anscheinend auch gar nicht und es ging nur fünf Minuten. Außerdem habe ich dieses Jahr schon eins bei 3-Tage-Marburg gesehen. 

Die Uni letzte Woche war nicht so spannend. Mittwochabend war ich mit Mathilde, Caro und Isabelle bei einem Pub Quiz. Das war echt witzig, auch wenn wir Vorletzter geworden sind. Immerhin die Musikfrage mit Was war das erste Album von Linkin Park? konnte ich mit gutem Gewissen richtig beantworten. Pia, erinnerst du dich noch an das Pub Quiz im Red Lion? Da haben wir uns auch wacker geschlagen und den Altersdurchschnitt deutlich gesenkt laughing

Am Donnerstag hatte ich einen vollgepackten Tag. Morgens musste ich in das Tutorium für meine Finnland Vorlesung. Das sind leichtesten 2 ECTS Punkte die ich in diesem Semester verdienen kann. Man muss einfach nur darüber diskutieren, was man in der Vorlesung gelernt hat und am Ende eine fünfminütige Präsentation über ein Thema halten. Wenn nur alles so einfach wäre... Daheim habe ich die Wohnung auf Vordermann gebracht, was echt mal wieder nötig war, und mein Essay für Baltic Sea Region Studies weiter geschrieben. Dann bin ich wieder in die Uni. Da ich Vali erst um halb acht vom Bus abholen musste, bin ich nach der Uni in die Bib und habe es tatsächlich geschafft mein Essay fertig zu schreiben. Am Busbahnhof habe ich eine total fertige Vali empfangen, die eine über zwöf Stunden Reise hinter sich hatte. Aber wir haben uns trotzdem gefreut uns zu sehen. Wieder daheim haben wir erst mal Essen gemacht, uns dann einen Teenie Film angemacht und einfach sehr viel gequatscht weil wir uns gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr gesehen haben.

Freitags musste ich leider um zehn in die Uni, während sich Vali theoretisch an ihre Projektarbeit gesetzt hat, aber dann doch noch mal ne Runde geschlafen hat tongue-out. Hätte ich aber auch so gemacht. Nach der Uni bin ich noch mit Jessi im großen Lidl, der nach der Renovierung jetzt wieder aufgemacht hat, einkaufen gegangen. Ich muss sagen, da gehe ich in Zukunft öfters einkaufen. Es gibt viel mehr Auswahl und vor allem sind da weniger Leute als in dem in der Stadt. Vali und ich haben dann Pizza gebacken und danach wollte ich ihr Turku zeigen. Leider war es sehr regnerisch, was die Stadt nicht unbedingt in ihr bestes Licht gerückt hat. Aber immerhin war ich jetzt auch mal in der Kathedrale drin und sie ist auch von innen sehr schön. Vor allem ziemlich groß, wenn man da drin heiratet, braucht man ne halbe Stunde zum Altar. Danach sind wir in den Park, dann mussten wir allerdings schon zum Marktplatz, weil Vali noch neue Schuhe brauchte und wir uns um 6 mit Monika verabredet hatten. Schuhe haben wir dann im dritten Laden gefunden, wer mich kennt, weiß, dass ich Schuhe kaufen hasse, aber wenn ich nur beraten muss ist es gar nicht so schlimm und Valis alte Schuhe waren halt auch echt komplett kaputt. Außerem muss ich mich ja irgendwann dafür revanchieren, dass sie so oft mit mir Schuhe kaufen war und dabei eine Geduld an den Tag gelegt hat, die echt beeindruckend ist. Mit Monika sind wir dann in eine Karaoke Bar, da sich dort der Metal Club zu einer Karaoke Night getroffen hat. Wir haben dort dann heraus gefunden, dass es doch erst um acht anfängt und die Zeit auf Facebook eine Fehlinformation war. Zum Glück hat das Bier dort nur 3,80€ gekostet, deshalb war es nicht so schlimm zu warten. Später kam dann Jessi dazu und auch Mauricio und Giancarlo habe ich wieder getroffen. Das Karaoke an sich war ein bisschen schräg, da entweder Metal kam oder irgendwelche finnischen Volkslieder, die sich alle gleich angehört haben. Immerhin kann ich mittlerweile ein paar Wörter heraus hören, deshalb weiß ich dass es eigentlich alles Liebeslieder waren. Wir konnten uns dann doch nicht überwinden zu singen, aber es war trotzdem ein lustiger Abend. Irgendjemand hat sogar Sonne von Rammstein gesungen. 

Über mein Wochenende in Helsinki mit Vali und Anna könnt ihr im nächsten Eintrag lesen, ich versuche mich zu beeilen smile

Nähdään!

15Sept
2017

Päivä kaksikymmentäseitsemän

Wie ihr seht, kann ich seit neustem auf Finnisch zählen. Also der Titel dieses Blog ist Tag 27. Krass, dass ich schon fast einen Monat hier bin. Auf der einen Seite fühlt es sich länger an (vor allem weil mein Zimmer hier schon genauso chaotisch ist wie das daheim tongue-out), aber die Zeit ist auch extrem schnell vorbei gegangen. Und wenn ich daran denke, was ich noch alles in diesem Land vorhabe, kommen mir vier Monate verdammt kurz vor.

Obwohl ich mich immer über das Wetter beschwere, kann ich mich eigentlich nicht beklagen, denn bei den meisten Ausflügen scheint dann doch die Sonne. So auch diese Woche. Nach meinem Finnisch Kurs am Montag, in dem wir hauptsächlich Zahlen durchgenommen haben, sind Caro, Bea, Mathilde und ich spontan an den Strand in Turku gefahren. Es war zwar ziemlich windig, aber die Sonne schien und der Strand war bis auf ein paar Rentner leer.

Der Strand befindet sich genauer gesagt auf einer Halbinsel namens Ruissalo und außer einem Campingplatz, einem Spa Hotel und Bäumen gibt es da so gut wie nichts. Aber es ist wunderschön um spazieren zu gehen, was wir, nachdem es zu kalt wurde, um am Strand zu sitzen, auch gemacht haben. Dann hatten wir Lust auf eine heiße Schokolade, aber jedes Café an dem wir vorbei kamen, hatte geschlossen, da die Saison ja schon vorbei ist. Im Spa Hotel sind wir dann schließlich fündig geworden. Dort gab es auch eine große Terasse, wo man gemütlich sitzen konnte. Allerdings waren außer uns echt nur alte Leute dort. Aber wie soll es an einem Montagnachmittag auch anders sein, wenn normale Menschen arbeiten müssen. 

Dienstag ist mein freier Tag und da ich nicht nur daheim herum sitzen wollte, sind Mathilde und ich schwimmen gegangen. Das war auch eine interessante Erfahrung. Erstmal gab es keine richtigen Umkleiden, sondern nur einen großen Raum mit Schließfächern. Immerhin waren Frauen und Männer getrennt. Das Bad an sich war ziemlich klein. Es gab fünf 25 Meter Bahnen, von denen allerdings zwei abgesperrt waren. In diesen zwei Bahnen waren viele alte Frauen, die im Kreis gelaufen sind. Also sie hatten solche Schwimmgürtel um und sind alle hintereinander her gelaufen oder wie auch immer man das nennen soll. Das sah echt komisch aus. Ich meine im Freibad in Niefern schwimmen ja auch manchmal welche mit Schwimmnudeln, aber sowas hab ich noch nicht gesehen. Vor allem war es mega leise, da niemand richtig geschwommen ist und ich kam mir wie ein Störenfried vor als ich ganz normal meine Bahnen gezogen hab. Dann hat die Bademeisterin auch noch zu mir gesagt, dass ich eine Badekappe tragen muss, die ich natürlich nicht dabei habe. Ich besitze ja nicht mal eine. So ganz hab ich das Problem auch nicht verstanden, weil ich hatte meine Haare in einem Dutt und ich geh normalerweise beim Schwimmen nicht mit dem Kopf unter Wasser. Sie hat mir dann eine ausgeliehen. Das war aber keine sportliche, sondern eine Oma-Badekappe mit pinken Blümchen. Ich kam mir echt bescheuert vor. Aber gut, mich hat da ja sowieso niemand gekannt. Mathilde hatte ihre eigene Badekappe dabei. Nach diesem etwas seltsamen Besuch haben wir beide beschlossen fürs nächste Mal ein anderes Schwimmbad zu suchen. Zum Glück gibt es davon einige in Turku. Abends fand in der Kuka Bar eine Open Stage Night statt. Bea hatte spontan beschlossen da ein, zwei Lieder zu singen und auch Giancarlo, der Peruaner, den ich am Freitag auf dem Konzert getroffen habe, hat mit seinem Nachbarn ein Duett auf der Gitarre vorbereitet. Da bin ich doch gerne zur Unterstützung mitgekommen. Außerdem hat das Bier dort nur 3,50€ gekostet, das sind ja fast deutsche Preise. Der Abend war dann echt cool. Es wurde hauptsächlich gesungen. Bea hat eine Hammer Stimme, das hätte ich gar nicht erwartet. Auch Giancarlo hat sich gut geschlagen, aber an seinem Gesang sollte er noch etwas arbeiten. Schade, dass ich meine Gitarre nicht hier habe, sonst hätte ich vielleicht auch etwas einstudiert, obwohl ich wahrscheinlich noch nicht bereit dafür bin auf einer Bühne zu spielen. Aber Bea beim Singen zu begleiten wäre schon cool. 

Am Mittwoch hatte ich die erste Vorlesung über die Balic Sea Region. Das war ganz interessant, aber ich habe die Befürchtung, dass es etwas zu sehr in die politische Richtung geht und da kenne ich mich nicht sehr gut aus. Mein Referat muss ich über Drogenschmuggel halten, das wird bestimmt gut. Aber jetzt heißt es erst mal jede Woche einen Text lesen und ein zweiseitiges Essay darüber schreiben. Das ist weniger lustig, aber ich wusste ja dass ich mich hier während des Semesters mehr rein hängen muss wie in Marburg und solange mich das Thema interessiert, ist es auch halb so schlimm. Abends fand die offizielle Semesterstart-Party statt. Wir sind extra früh hin, weil es anscheindend für die ersten hundert ein Patch umsonst gab. Also entweder war das eine Lüge oder wir sind trotzdem zu spät dran gewesen. Die erste Stunde war dann nicht so spannend, weil kaum einer da war, aber vielleicht lag es auch daran, dass wir erst später gemerkt haben dass es ein upstairs gab, wo auch nochmal ein Dancefloor war. Also eigentlich war die Party in zwei verschiedenen Clubs, die sich aber im selben Gebäude befanden und wir waren am Anfang in dem Club, in dem nichts los war. Oben war es dann deutlich besser, auch wenn ab und zu komische Techno Musik kam. Die anderen wollten allerdings schon um halb 2 gehen, weil sie um zehn Uni hatten. Da bin ich natürlich mit, da ich mir alleine kein Taxi leisten kann und Caro, die dageblieben ist, mit dem Fahrrad unterwegs war. 

Donnerstags hatte ich wieder die Vorlesung über Finnland. Während sich der erste Teil um Statistiken über den durchschnittlichen Finnen drehte, sollten wir im zweiten Teil in Kleingruppen einen Finnen malen. Wir kamen uns etwas bescheuert dabei vor, aber es hat echt Spaß gemacht. Unser Finne ist ziemlich klein, weil Finnen sind entweder unter 1,70 oder über 1,90 (das ist zumindest meine Beobachtung bisher gewesen), er hat natürlich blaue Augen und lange blonde Haare. Außerdem ist er Bassist in einer Metal Band, ist sehr naturverbunden, spielt Eishockey und trinkt ein bis zwei Bier jeden Abend. Wir haben also die meisten Klischees abgehandelt. Unsere "wunderschöne" Zeichnung dürfen wir nächstes Mal sogar präsentieren. Ich komme mir ein bisschen wie in der Schule vor, aber Uni läuft hier anscheinend so ab. In mein Learning Diary schreibe ich dann: Heute haben wir ein lustiges Bild von einem durchschnittlichen Finnen gemalt. Oder sowas ähnliches.

Morgen machen wir einen Ausflug nach Tampere. Bin schon sehr gespannt, was es in der Stadt so schönes gibt. Ich hab übrigens die Kajak-Bilder in den Eintrag über die Aland Inseln eingefügt, falls ihr sie noch anschauen wollt. Und ich hab noch eine tolle Neuigkeit: Vali kommt mich nächste Woche besuchen! smile Wir gehen dann zusammen nach Helsinki und dürfen bei Anna übernachten, da freue ich mich schon drauf. 

10Sept
2017

Kunst, Musik und Medien mal anders

Diese Woche habe ich die Fächer meines Studienganges Kunst, Musik und Medien mal anders erlebt als in Marburg. Es geht um Architekur, finnischen Metal und Hollywood-Klassiker... damit könnte ich mich gerne jede Woche befassen laughing Leider hatte es nicht ganz so viel mit der Uni zu tun, aber lest selbst smile

Die erste Uniwoche hat begonnen! Am Montag hatte ich meine erste Finnischstunde. Das ist echt eine faszinierende Sprache. Aber viel mehr als moi (hallo), kiitos (danke) und kippis (Prost) weiß ich immer noch nicht. Wir haben uns hauptsächlich mit dem Alphabet beschäftigt. Das hört sich sehr ähnlich wie das deutsche an, es gibt sogar ä und ö. Aber k wird zum Beispiel koo ausgesprochen und y wie ü. Das ist am Anfang ein bisschen verwirrend, aber im Vergleich zur französischen Aussprache echt einfach. Das war ja nicht unbedingt mein Lieblingsfach in der Schule. Allerdings gibt es echt lange Wörter. Das liegt daran, dass an ein Wort ganz viele Endungen dran gehängt werden, die das Wort dann beschreiben. Zwei große rote Häuser ist im Finnischen ein Wort, die Sprache funktioniert also ganz anders als Englisch oder Deutsch. Ich freu mich trotzdem darauf mich mit der Sprache auseinanderzusetzen. Außerdem fand am Montag ein International Board Game Evening statt, was ich mir nicht entgehen lassen wollte. Mathilde ist mit mir mitgekommen. Leider kamen wir zu spät, weil wir den Raum Ewigkeiten nicht gefunden haben. Deshalb waren die meisten Spiele auch schon belegt als wir ankamen und auf "Spitz pass auf" (keine Ahnung wer das angeschleppt hat...) hatte ich nicht so Lust. Also haben wir halt mit ein paar anderen Nachzüglern Qwixx gespielt, was ja eigentlich immer geht. Aber das auf Englisch zu erklären ist gar nicht so einfach. Nach zwei Stunden war der Abend dann auch schon vorbei, weil der Raum nur so lange frei war. Also bei Spieleabend habe ich eher an vier bis fünf Stunden gedacht, vor allem wenn man kompliziertere Spiele spielen will. Ändern konnten wir es trotzdem nicht und so sind wir schon um halb neun wieder daheim gewesen. 

Am Dienstag war der Welcome Carnival in der Uni. Das ist so ähnlich wie die Welcome Fair für die Exchange Students nur das da alle Studenten der Uni Turku eingeladen sind. Es wurde sogar eine Bühne aufgebaut, der Direktor hat eine Rede gehalten und es wurde Musik gespielt. Ansonsten waren natürlich die ganzen studentischen Organisationen vertreten, bei denen man wieder massenweise Patches abstauben konnte. Ich hab mittlerweile sieben. Außerdem habe ich eine Organisation gefunden, die ganz viele Konzerte unterschiedlicher Genres organisiert. Das ist auf jeden Fall sehr sinnvoll für mich. Beim Germany-Stand habe ich ein "Ich lidl dich" Patch gewonnen, das ich mir wahrscheinlich sonst gekauft hätte, ich finde es echt witzig. 

Da das Wetter am Wochenende schlecht werden soll, beschlossen Bea und ich am Mitwoch nach Rauma zu fahren. Die anderen Mädels hatten leider alle Uni, deshalb mussten wir alleine gehen, aber es war trotzdem ziemlich cool. Rauma ist eine kleine Küstenstadt 1,5 Stunden von Turku entfernt und sieht so aus wie man sich ein finnisches Städtchen vorstellt. Alte Holzhäuser, ein wunderschöner Hafen und drumherum jede Menge Wald. Zu unserer Überraschung fand an diesem Tag ein Street Food Festival statt.

Wir sind durch die Stände geschlendert, haben jede Menge leckeres Essen probiert (finnischer Honig - es gibt sogar welchen mit Lakritzgeschmack!, italienischer Parmesan und französische Schokolade) und sind dann in die Altstadt von Rauma gegangen.

Dort befindet sich auch die älteste Kirche von Rauma, die zum Weltkulturerbe gehört.

Weiter ging es zum Aussichtsturm von Rauma, der zwar von außen nicht sehr schön aussah, aber dafür war der Ausblick umso schöner.

Von dort aus kann man auch sehr schön sehen wie viel Wald es in Finnland einfach gibt. Am Donnerstag habe ich in der Uni gelernt, dass Finnland nur 10% bebaut ist, 90% sind Seen, Felsen und eben Wälder. Der Wald nimmt 75% davon ein. Dagegen kommt mir der Schwarzwald winzig vor. Dort tranken wir dann auch einen Kaffee (beziehnungsweise ich eine heiße Schokolade) und planten unsere weitere Tour.

Wir beschlossen zum Hafen zu gehen, auch wenn das ein ziemlich weiter Fußmarsch bedeutete, da wir uns auf der anderen Seite von Rauma, im Landesinneren, befanden. Da das Wetter aber so gut war, störte uns das nicht. Dabei kamen wir am Strand vorbei, der einfach traumhaft war.

Wir machten Pause auf den Felsen und genoßen die warmen Sonnenstrahlen. Zum Hafen war es nicht mehr weit. Auch dort war es richtig schön.

Es gibt einen alten Wasserturm, von dem man eine schöne Aussicht hat, allerdings hatte der schon seit Mitte August geschlossen, genauso wie das Art Cottage daneben.

Da wir so gut wie die einzigen Touristen dort waren, kann ich das auch verstehen, allerdings weigere ich mich zuzustimmen, dass der Sommer Ende August schon vorbei ist. Dann war es auch schon wieder Zeit für den Rückweg in die Stadtmitte, wo wir den letzten Bus zurück nach Turku nahmen.

Donnerstags hatte ich meine erste richtige Vorlesung: Knowledge about Finland. Das war echt interessant. Wir haben uns mit den verschiedenen Regionen in Finnland beschäftigt und jetzt habe ich ganz viele neue Reiseziele. Vor allem die finnische Seenplatte (Järvi-Suomi) im Osten und das finnische Hügelland (Vaara-Suomi) im Nord-Osten will ich mir gerne anschauen. Und natürlich Lappland, aber der Trip ist schon für Anfang Dezember mit ESN geplant. Diese Woche war Anmeldebeginn und ich hab zum Glück einen Platz bekommen. Mal schauen, ob ich mit den Mädels Kurztrips in die anderen Regionen planen kann. Ansonsten haben wir nicht viel gelernt, weil hauptsächlich Organisatorisches besprochen wurde. Zum Beispiel muss ich keine Klausur schreiben, aber dafür ein Learning Diary, in dem ich meine Gedanken und Meinungen zu jeder Vorlesung aufschreiben muss. Das ist ein ganz anderes System als in Deutschland. Am Ende folgt noch ein Essay, dessen Thema auch frei gewählt werden kann. Also es muss natürlich irgendwas mit Finnland zu tun haben. Wahrscheinlich werde ich meines den finnischen Metal Bands widmen laughing. Danach fand in unserem Wohnheim eine Info-Veranstaltung über Waschen, Sauna und so weiter statt, was ziemlich unnötig war, da wir jetzt schon fast drei Wochen hier wohnen und das mittlerweile alles selber heraus gefunden haben. Caro und ich kamen sowieso zu spät, weil wir bis um sechs die Vorlesung hatten und es schon um fünf angefangen hatte. Deshalb waren nur noch ein paar Mädels da, die ich fast alle schon kannte, aber es war trotzdem ganz cool mit denen zu quatschen und es gab Süßigkeiten umsonst. Eigentlich wurde uns bei der Veranstaltung eine Barbecue versprochen (der Hauptgrund warum wir dahin gegangen sind), aber das ist anscheinend, aus welchen Gründen auch immer, ausgefallen. 

 Am nächsten Morgen hatte ich wieder meinen Finnisch Kurs. Dieses Mal haben wir uns hauptsächlich um die Aussprache gekümmert, was jetzt nicht so interessant war. Ich hoffe, dass wir nächste Woche mal ein paar neue Wörter lernen. Abends bin ich zu einem Konzert, was der Metal Club der Uni organisiert hat. Da keiner der Mädels sonderlich großes Interesse an Metal hat, bin ich alleine hin gegangen. Es hat eine Weile gedauert bis ich die Location gefunden habe. Auf der Veranstaltungsseite stand, dass es sich in der Nähe vom Logomo (einer größeren Konzerthalle) in einem braunen Backsteingebäude befindet. Das Problem war, dass es da nur braune Backsteingebäude gab, deshalb bin ich erst mal ein paar Minuten herum geirrt, bis ich andere Menschen gesehen habe und denen einfach gefolgt bin. Der Raum war nicht sehr groß, aber echt cool eingerichtet. In einer Ecke standen Sofas, es gab eine Bar und natürlich eine kleine Bühne. Es hätten vielleicht hundert Leute da rein gepasst, so viele waren aber nicht da. Ich hab mir erst mal ein Bier geholt, das dort im Verhältnis zu anderen Kneipen relativ billig war. Die meisten Besucher waren Finnen, aber ich habe auch englisch sprechende Menschen gefunden, an die ich mich dann erst mal dran gehängt habe. Das waren ein Amerikaner, einer aus Peru und ein Kolumbianer. Das Problem an den Finnen ist, dass sie Smalltalk hassen. Das heißt, es bringt eigentlich nichts sie anzusprechen, weil man sich dann meistens nur anschweigt, wenn man sich noch nicht kennt. Das ändert sich aber spätestens nach ein, zwei Bier, dann sind sie die gesprächigsten Menschen der Welt. Also nach der zweiten Band habe ich mich dort eigentlich schon wie zu Hause gefühlt und mich mit verschiedenen Leuten unterhalten. Die waren alle mega nett und ich finde es richtig cool, dass es hier so eine Metal Community gibt. Jetzt mal zur Musik. Die Bands waren alle drei klasse, was ich bei vier Euro Eintritt nicht unbedingt erwartet habe, aber ich lasse mich immer gerne positiv überraschen. Alle Bands kamen aus Turku. Die erste hieß Kauheus und hat einfach jedes Metal Genre das es gibt zusammen gemixt. Dabei kamen einige coole Lieder raus, aber manchmal war es mir auch zu viel Durcheinander. Auf jeden Fall wurde es nicht langweilig und die Vocals waren der Hammer. Finnischer Gesang passt auch einfach super zu Metal. Es sollte allgemein weniger auf Englisch gesungen werden, das ist mittlerweile so ausgewaschen. Die zweite Band, Savage Land, hat Thrash Metal gemacht. Ich bin ja nicht so der Thrash Fan, aber das war richtig guter, aggressiver Thrash. Die würde ich mir jeder Zeit wieder anschauen. Sisin, die letzte Band, war etwas schwächer als die zwei anderen. Die Musik ging eher Richtung Hard Rock, obwohl es ein paar Stellen gab, die etwas brutaler waren und zu denen man echt gut Headbangen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war auch der Großteil schon angetrunken, was die Stimmung nochmal anhob und einen kleinen Headbang Contest hervor rief. Es gibt doch nichts schöners als mit anderen Menschen zusammen zu Headbangen. Ja, ich mag dieses Land definitiv. 

Auch wenn diese Saunaverrücktheit manchmal doch ein bisschen zu weit geht. Ich wurde ernsthaft nach dem Konzert gefragt, ob ich jetzt noch in die Sauna gehen will, weil es sogar in dieser kleinen Konzert-Location eine Sauna im ersten Stock gibt... Da ich meinen letzten Bus erwischen musste, habe ich dankend abgelehnt, aber um halb zwei morgens bin ich sowieso nicht in Sauna Stimmung. Nächste Woche veranstaltet der Metal Club eine Sauna-Party. Ich bin mal gespannt wie das wird. 

Gestern war das Wetter sehr regnerisch. Eigentlich wollten wir eine Walking Tour machen, die Dark Stories of Turku hieß, aber wir hatten keine Lust zwei Stunden durch den Regen zu laufen. Außerdem haben wir heraus gefunden, dass an diesem Tag eine Art Filmfest stattfindet. Es werden den ganzen Tag Filme an den unterschiedlichsten Orten in Turku gezeigt und man muss nicht mal Eintritt bezahlen. Zum Glück synchronisieren die Finnen englische Filme nicht, sonst hätte das wohl keinen Sinn für uns gemacht. Ich bin mit Mathilde und Bea, zwei schottischen Mädels und einer aus der Schweiz losgezogen und wir haben uns für The Great Gatsby und Lion entschieden. The Great Gatsby wurde in einem Hotel gezeigt. Dort gab es im Untergeschoss einen großen Saal wo eine Leinwand aufgebaut war. Es gab sogar Popcorn umsonst, aber ich leider keins mehr bekommen. Außerdem essen die hier irgendwie nur salziges Popcorn, das schmeckt sowieso nicht so gut. Der Film war ziemlich gut, ich wollte den eh schon lange mal anschauen. Danach sind wir ins Hunter's Inn, einen Pub, wo Lion lief. Ich hab noch nie in einer Kneipe einen Film geschaut, aber das war eigentlich ziemlich cool. Normalerweise wird da Sport gezeigt, deshalb hingen auch überall Fernseher und man hatte von überall einen Blick drauf. Der Film an sich war echt schön, sehr emotional und auch traurig, aber vom Anfang haben wir leider nicht so viel mit bekommen, da es in Indien gespielt hat und alle Hindi gesprochen haben. Die Untertitel waren natürlch finnisch und nicht englisch. Allerdings wurde das meiste durch die Bilder vermittelt, also haben wir nicht so viel verpasst.

Das war eine ziemlich ereignisreiche Woche. In naher Zukunft muss ich mich wohl mehr auf die Uni konzentrieren und kann nicht mehr ganz so viel unternehmen, aber ich bin mir sicher, das werden trotzdem schöne Wochen werden.

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