What's the plan, superman?

Ein Semester Finnland

13Dezember
2017

100 Jahre Finnland

Letzte Woche Montag war Weihnachtsbasteln mit ESN. Den Tag über habe ich versucht fleißig zu sein, aber es tat gut abends mit den Mädels raus zu kommen. Das Basteln war ziemlich lustig, auch wenn jeder nur eine Karte basteln durfte und wir nicht so viel Zeit hatten. Dafür durften wir dananch Lebkuchen backen. Darin bin ich mittlerweile echt gut, auch wenn es ein bisschen langweilig ist immer das selbe zu backen. War trotzdem ein schöner Abend.

Dienstags hatte ich das letzte Mal meinen Audiovisual Analysis Kurs. Danach bin ich wie jede Woche mit Monika in die Mensa gegangen. Am Mittwoch den 6.12. war Unabhängigkeitstag und Finnland ist 100 Jahre alt geworden. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und beschlossen an den Festivitäten teilzunehmen. Da ich ja immer noch viel zu tun hab, bin ich erst um fünf in die Stadt gefahren. Um halb sechs sollte ein Umzug an der Uni stattfinden, aber als wir ankamen war niemand da. Monika ist einige Minuten später auch dazugekommen und sie meinte ihr Bus wäre gerade von einer Parade aufgehalten geworden. Obwohl wir pünktlich am Treffpunkt waren, haben wir sie verpasst, was uns ziemlich geärgert hat. Aufholen konnten wir sie leider auch nicht mehr, vor allem weil wir die genaue Route nicht wussten. Also sind wir weiter zum Marktplatz, um vom dort aus mit dem Bus zur Burg zu fahren, an der einiges geboten war. Aber auch diesen Plan haben wir uns einfacher vorgestellt. Als wir am Marktplatz ankamen, sahen wir eine elend lange Schlange. Erst haben wir uns gewundert was da los ist, dann fiel uns auf dass sie für den Bus anstehen. Den Bus zur Burg. Natürlich waren wir nicht die einzigen die diese Idee hatten. Also haben wir uns hinten angestellt. Ich habe selten eine so lange Schlange gesehen, die ging einmal um die Ecke herum und es standen bestimmt so 150 Leute da. Aber immerhin war alles geordnet und es gab kein Gedränge. Nach zwanzig Minuten warten, sind wir in den dritten Bus rein gekommen. Allerdings hatte das Warten kein Ende. Die Straße zur Burg war nämlich komplett verstopft. Der Bus musste alle zwei Meter anhalten. Als wir bestimmt schon eine halbe Stunde in diesem Bus waren, beschlossen wir auszusteigen und zu laufen. Immerhin war es nur noch ein Drittel der Strecke. An der Burg waren dann so viele Menschen, dass meine Laune einen neuen Tiefpunkt erreichte und ich eigentlich keine Lust mehr hatte. Natürlich gab es auch am Burgeingang eine Schlange, die fast um die halbe Burg rum ging. Wir wollten dann nicht mehr in die Burg, sondern sind einmal außen rum gelaufen. Hinter der Burg spielte sich das Programm ab. Auf der Grünfläche waren tausende Kerzen verteilt und Scheinwerfer strahlten das Gelände weiß und blau an. An einem Kran hing eine Akrobatin, die an einem Tuch Akrobatik gemacht hat. Unten waren Tänzer zu sehen, aber auch Akrobaten, die mit Feuer getanzt haben.

Insgesamt war es ganz schön anzusehen, aber die Strapazen die wir auf uns genommen haben war es nicht wert. Vor allem diese riesige Menschenmenge war schrecklich. Aber das hätte ich mir auch vorher denken können. Dann mussten wir wieder zurück zum Marktplatz laufen, weil die Straßen immer noch voll waren und kein Bus kam. Letztenendes war ich um neun daheim, obwohl ich eigentlich nur zwei Stunden unterwegs sein wollte. Das Feuerwerk um zehn habe ich dann ausgelassen.

Am Freitag war unsere selbstgeplante Weihnachtsfeier mit den Mädels, was gleichzeitig auch schon unsere Abschiedsferier war. Ich bin überrascht, dass alles so gut geklappt hat. Jeder sollte etwas zu essen mitbringen. Ich habe Vanillekipferl gebacken, die alle mega lecker fanden. Ich war anfangs nichts so überzeugt, die von Mama sind immer noch besser, aber solange die anderen sie gut fanden, bin ich glücklich. Wir hatten sogar Vorspeisen uns zwei Hauptgänge: Gemüselasagne und ein ungarisches Reisgericht. Am besten war der Punsch mit Amaretto, den Fe gemacht hat. Viel besser als dieser süße Glögi. Der Abend war richtig schön, wir haben viele Bilder gemacht und uns gemütlich unterhalten.

Bea hat uns mit einer Diashow mit den schönsten Bildern von uns überrascht. Wir haben echt viel zusammen erlebt und ich werde diese Zeit niemals vergessen. Nur schade, dass es jetzt schon so gut wie vorbei ist. 

Diesen Montag war das Wetter richtig schön! Es hat über Nacht voll viel geschneit und dann schien auch noch die Sonne. Eigentlich wollte ich den ganzen Tag daheim bleiben und mein Essay schreiben, aber bei dem Wetter hab ich es drinnen nicht ausgehalten. Vor allem weil sich die Sonne sowieso so selten blicken lässt. Also habe ich einen kleinen Winterspaziergang gemacht.

Ich bin ein bisschen spät dran gewesen, weil gegen zwei die Sonne sich schon wieder Richtung Horizont bewegt und deshalb die Schatten im Wald so lang sind, aber schön war es trotzdem. Danach konnte ich auch viel motivierter weiter arbeiten.

Gestern habe ich mich das letzte Mal mit Monika zum essen getroffen. Danach sind wir noch in die Stadt, weil Monika mir einen Plattenladen zeigen wollte. Es gibt hier einen mega coolen Plattenladen und ich weiß nichts davon! Keine Ahnung wie der mir entgehen konnte. Auf jeden Fall haben wir da sehr viel Zeit verbracht und ich habe mir zwei Second Hand CDs gekauft. Im unteren Geschoss gibt es nur Metal, das ist mein persönliches Paradies.

Vielleicht ganz gut, dass ich den erst jetzt entdeckt habe, sonst hätte ich da viel zu viel Geld ausgegeben. Falls ich irgendwann nochmal in Turku sein werde, werde ich auf jeden Fall in diesen Laden gehen. 

Heute war der stressigste Tag seit langem. Morgens habe ich meine Bettdecke und das Kissen gewaschen, weil wir das gewaschen wieder abgeben müssen. Dann habe ich mein Essay fertig geschrieben udn mir was zu Essen gemacht. Als nächstes war das Starting Package dran. Ich musste alle Sachen die ich mir geliehen habe wieder abgeben, also Teller, Topf, Vorhänge und so weiter. Zum Glück war bei der Rückgabe nicht so viel los. Danach hab ich noch was in der Uni ausgedruckt und bin heim gefahren. Daheim musste ich mein Zimmer putzen und mein Zeug packen. Zum einen alles für Lappland, aber auch den Rest habe ich schon mal in meinen Koffer gepackt, weil ich nächste Woche nicht so viel Zeit haben werde. Das hat ziemlich lang gedauert und jetzt habe ich noch ein bisschen Zeit meinen Blog zu schreiben, bevor ich los muss und nach Lappland fahre! Wir kommen morgen früh um 10 an, das wird eine lange Fahrt werden. Aber ich denke im Zug ist es ganz angenehm. Ich freue mich schon drauf und bin gespannt wie viel Schnee da dann liegt. In Turku sind es immerhin zwanzig Zentimeter.

04Dezember
2017

Es weihnachtet sehr...

Und schon ist Dezember! In 22 Tagen bin ich wieder in Deutschland, so richtig glauben kann ich es noch nicht. Aber vorher erwartet mich ja noch Lappland, wo haufenweise Schnee liegt, was man von Turku leider nicht sagen kann. Es schneit zwar immer mal wieder, aber am nächsten Tag wäscht der Regen alles wieder weg. Das ist echt deprimierend, vor allem weil gerade in Marburg verhältnisweise viel Schnee liegt.

Am Tag nach Flos Abreise hatte ich schon meine erste Weihnachtsfeier. Tanja hat uns zu sich nach Hause eingeladen und wir haben Lachssuppe gekocht und Lebkuchen gebacken. Dazu gab es Glögi, das schmeckt wie Kinderpunsch, ist mir aber ein bisschen zu süß. Die Lachssuppe war richtig lecker, die muss ich daheim auch mal machen. Und es hat viel Spaß gemacht die Lebkuchen zu verzieren. War auch schön nochmal alle wieder zu sehen, alle haben so viel zu tun, da ist es schwierig einen gemeinsamen Termin zu finden. 

Das Wochenende habe ich mit Essay schreiben und meinem Film verbracht. Ich musste ja für den Workshop einen Film zusammen schneiden. Leider ist das Schnittprogramm nicht so flüssig auf meinem Laptop gelaufen, deshalb war das eine sehr nervenaufreibende Sache, aber sonntagabends hatte ich es dann fertig und es ist gar nicht so schlecht geworden. Mit meinem Essay kam ich nicht so gut voran, aber dafür hatte ich auch noch ein paar Tage mehr Zeit.

Montags bin ich gefühlt den ganzen Tag in der Gegend rumgerannt. Mittags hatte ich den Workshop und hab meiner Dozentin den fertigen Film gezeigt und ich glaube er hat ihr gefallen. Leider bekomme ich keine Note dafür sondern nur die Credits. Danach habe ich mich mit Klaus verabredet. Wir haben (schon wieder) Lebkuchen gebacken und Glögi getrunken, aber das hat trotzdem Spaß gemacht. Danach haben wir uns über deutsche und finnische Musik ausgetauscht, das war mega lustig. Es gibt echt schlechte finnische Musik, aber das ist in Deutschland ja nicht anders. Helene Fischer fand er übrigens schrecklich tongue-out. Ich kenne jetzt eine finnische Band, die versucht Rammstein zu sein, aber es einfach nicht hinkriegt. Natürlich sind finnische Metal Bands immer noch die besten. Es gibt sogar eine für Kinder, die heißen Hevisaurus und treten in Dinokostümen auf. Das ist so süß! Aber von finnischer Party Musik halte ich lieber Abstand, das ist nicht so mein Fall. 

Der Rest der Woche habe ich mein Essay und ein weiteres Paper fertig geschrieben und eins meiner Learning Diaries angefangen. Außer um in die Uni zu gehen, bin ich eigentlich kaum aus dem Haus gekommen. Nur am Samstag habe ich mir frei genommen. Da bin ich mit Bea, Mathilde und Jessi auf den Weihnachtsmarkt in Turku gegangen. Der sieht hier ein bisschen anders aus als in Deutschland. Er findet nur am Wochenende statt, was ich schon mal sehr seltsam finde. Da kann man ja gar nicht vor der Uni einen Glühwein trinken gehen, gell Ina und Katha laughing. Glühwein gibt es hier sowieso nicht, nur alkoholfreier Glögi. Das ist sehr traurug, weil in Deuschland kriege ich ja nach Weihnachten auch keinen Glühwein mehr. Ansonsten gibt es viele Stände, an denen selbstgemachtes verkauft wird. Also geschmiedeter Schmuck, Holzarbeiten und Strickware. Das ist alles aber relativ teuer, also haben wir uns nur ein wenig umgeschaut. Außerdem gab es ein paar Vorführungen, wie Zirkusartisten und Chöre, die gesungen haben. Es war insgesamt ganz nett, aber nichts weltbewegendes.

Bevor wir nach Hause sind haben wir einen echt schönen Sonnenuntergang gesehen. Um halb vier nachmittags wohlgemerkt. Die Sonne hat sich generell so gar nicht blicken lassen in den letzten Wochen, da war das echt eine schöne Abwechslung. Vor allem war es kalt, aber zum Aufwärmen bin ich danach mit Mathilde in die Sauna. Abends wollten wir zur Christmas Party in der Aussie Bar gehen. Isabelle und Alicia kamen vorher zu uns um ein wenig vorzutrinken. Das war ein echt lustiger Abend und ich habe es vermisst was mit den Mädels zu machen. Jessi kam später auch noch vorbei und wir konnten sie überreden mit in die Stadt zu kommen.Die Party an sich war nichts besonderes, aber es hat trotzdem Spaß gemacht mal wieder nachts unterwegs zu sein.

Am nächsten Morgen bin ich es langsam angegegangen, aber ich habe es geschafft doch einiges für die Uni zu machen und abends ging es mit Bea in die Sauna. Diese Woche wird auch sehr lernlastig werden, aber heute Abend ist Weihnachtsbasteln mit ESN, das wird bestimmt lustig smile

24November
2017

Unterwegs mit Flo

Letzte Woche Mittwoch ging es schon auf die nächste Reise. Morgens habe ich Flo vom Flughafen in Helsinki abgeholt. Wir haben uns eine kleine Wohnung im Süden von Helsinki über airbnb gemietet, wo wir zwei Nächte bleiben wollten. Die Wohnung war richtig süß, ein Altbau und im fünften Stock, man hatte also eine super Aussicht. Die Küche war auch ganz gut ausgestattet und wir konnten uns was zu Mittag kochen. Abends haben wir uns mit Anna getroffen und sind auf ein Eishockeyspiel. Dieses Mal hat Jokerit, eine Mannschaft aus Helsinki, gegen eine russische Mannschaft gespielt, weil es sich um die russische Liga gehandelt hat. Warum Finnland auch in der russischen Liga spielt, haben wir nicht heraus gefunden. Es war auf jeden Fall einiges los und es gab sogar Cheerleader. Am Anfang sah es für Jokerit noch nicht so gut aus, aber im zweiten Drittel wendete sich das Blatt und sie haben schlussendlich haushoch gewonnen. Ich sollte echt mal mit ein paar Finnen zu einem Spiel gehen, damit ich endlich die Regeln verstehe, aber lustig war ech trotzdem, auch wenn ich mich immer von dem ganzen drumherum ablenken lasse und mich kaum auf das Spiel konzentriere.

Donnerstagmorgen war das Wetter ganz schön und wir beschlossen in den Zoo zu gehen. Der ist auf einer eigenen Insel und im Sommer fährt eine Fähre dort hin. Aber leider nicht mehr im November, deshalb mussten wir mit Metro und Bus fahren, was dann etwas länger gedauert hat. Bis wir dann da waren, war von der Sonne nicht mehr so viel zu sehen. Vielen Tieren war es wohl auch zu kalt, weil wir anfangs kaum welche gesehen haben. Bei den Tigern hatten wir Glück, weil die gerade gefüttert worden sind, als wir vorbei kamen. Das Tropenhaus war bei der Kälte auch ganz angenehm. Und natürlich haben wir auch Elche und Rentiere gesehen.

Nach dem Zoo haben wir die Hauptattraktionen in Helsinki abgeklappert.Weiße Kirche, rote Kirche, Markthalle und Hafen. Dann waren wir hungrig und sind zurück in die Wohnung. Gegen acht ist Anna vorbei gekommen und wir haben ganz traditionell wie in Marburg einen Spieleabend gemacht. Flo hat nämlich jede Menge Spiele mitgebracht, weil ich das Spielen so vermisst habe. Und ich habe einen Kinderschokolade-Adventskalender bekommen *-*. Und weil ich mich immer so darüber beschwert habe, dass die Finnen keine gescheiten Chips herstellen können (es gibt hier quasi nur Sour Cream & Onion und Salty), hat er auch eine Tüte Funny Frisch Oriental mitgebracht. Um dem ganzen noch eins drauf zu setzten, hat er noch eine Flasche Frangelico, ein Haselnusslikör, aus seinem Koffer gezaubert. Da kann ich mich echt nicht beschweren cool. Wir haben also den Abend mit Spielen und Nüsschen trinken verbracht, glücklicher kann man mich fast nicht machen, auch wenn ich das Spiel verloren habe.

Am nächsten Tag ging die Reise auch schon weiter. Wir sind mit dem Zug nach Lahti gefahren, von wo wir weiter nach Nastola sind, ein kleines Dorf im Lake District. Dort haben wir nochmal Lebensmittel eingekauft und ein Bus hat uns dann in ein Cottage gebracht, das etwas fünf Kilometer von Nastola entfernt war. Satu, die uns die Hütte vermietet hat, hat mir zum Glück eine genaue Beschreibung gegeben, welche Busse wir nehmenund wo wir umsteigen müssen, sonst wäre das schief gegangen. Es stellte sich heraus, dass der Bus zu unserer Hütte ein Schulbus war und nur zwei Mal am Tag fährt, also hatten wir mega Glück, dass wir den bekommen haben, obwohl wir das zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten. Wir haben der Busfahrerin erklärt wo wir ungefähr raus müssen, aber irgendwie hat sie es nicht richtig verstanden und wir waren schon längst vorbei. Aber sie war richtig nett und hat dann die Adresse in Maps eingegeben und uns dann direkt vor der Einfahrt abgesetzt. Sonst hätten wir sehr viel laufen müssen. Die Hütte lag direkt am See im Wald.

Drumherum waren noch andere Ferienhäuser, aber um die Jahreszeit waren die wie ausgestorben und wir waren komplett alleine. Von außen war die Hütte nichts besonderes, aber innen ziemlich schön eingerichtet und wir hatten sogar einen Fernseher.

Flo hat sich dann mit dem Kamin beschäftigt, während ich mich dem Fernseher widmen konnte. Es ist einfach so toll, dass in Finnland nichts synchronisiert wird! Ich konnte alle Filme einfach auf Englisch schauen. Da das Wetter ziemlich schlecht war, hatten wir keine Lust an diesem Tag raus zu gehen. Wir haben ein bisschen gespielt, sind in die Sauna gegangen und haben gekocht. 

Samstags wollten wir eine Wanderung machen, auch wenn es immer mal wieder geregnet hat. Zum Glück haben wir eine Wanderkarte in der Hütte gefunden, sonst wäre das etwas schwierig gewesen, da auf Google Maps ja nicht jeder winzige Pfad eingezeichnet ist. Während unserer Wanderung waren wir fast nur im Wald unterwegs und manchmal sind wir an einem See vorbei gekommen.

Da es so viel geregnet hat in letzter Zeit waren manche Wege sehr matschig oder sogar überschwemmt, deshalb mussten wir uns manchmal durch den Wald schlagen. Das Gebiet ist teilweise etwas sumpfig und natürlich habe ich es geschafft mit einem Fuß im Sumpf stecken zu bleiben und hatte dann einen tropfnassen Schuh. Aber für die schöne Landschaft hat es sich gelohnt. Ich habe vor allem die Ruhe genossen, wir sind fast keiner Menschenseele begegnet. Insgesamt waren wir knapp sechs Stunden unterwegs, leider ohne Pause, weil man sich nirgends hinsetzen kann, es war ja alles nass. Und ein Café gab es auch nirgends, auch wenn wir am Ende in Nastola raus gekommen sind, aber da gibt es außer einem Supermarkt und einer Kirche nichts. Wir haben dann nochmal eingekauft. Am wichtigsten war Wasser, weil wir in der Hütte das Wasser aus dem Hahn nicht trinken durften. Ich hatte die Hoffnung, dass wir dann einfach mit dem Bus nach Hause fahren können, aber da Wochenende war, kam kein Bus, also sind wir die fünf Kilometer zur Hütte auch noch gelaufen. Als wir ankamen, war es fast schon dunkel und wir waren beide ziemlich fertig. Da kam die Sauna zur Entspannung gerade richtig. Wir haben dann noch eine Nachricht von Satu bekommen, dass die Busse seit neustem nicht mehr am Wochenende fahren, was ihr mega leid tat, aber dafür konnte sie ja nichts. Abends haben wir noch einen Film geschaut und sind dann ziemlich früh ins Bett.

Am Sonntag wollten wir mit dem Boot raus fahren, obwohl das Wetter immer noch schlecht war und auf eine weitere Wanderung hatten wir nicht so große Lust. Allerdings konnten wir nur ein Padel finden, deshalb wurde das dann nichts mit Boot fahren. Stattdessen haben wir den Tag mit Spielen, Sauna und Fernsehen verbracht, was für einen verregneten Sonntag auch völlig okay ist. 

Montags ging es zurück nach Turku. Da der Bus schon morgens um acht gekommen wäre, haben wir uns gegen elf ein Taxi bestellt, da unser Zug in Lahti erst um eins ging. Das hat dann alles auch gut geklappt, auch wenn es beim Umsteigen in Helsinki etwas stressig wurde, aber um halb vier waren wir in Turku. Dort haben wir Flo eine Buskarte geholt und sind zu mir nach Hause. Meine Mitbewohnerinnen waren noch da, sie sind erst abends nach Lappland gefahren, deshalb war es ein bisschen chaotisch, weil sie im Packstress waren. Da ich ja nur ein 90cm Bett habe, hat Mathilde mir ihre Matratze geliehen und wir haben auf dem Boden ein Matratzenlager gemacht. Fazit: ich dachte nicht, dass diese Matratze auf dem Boden noch unbequemer sein könnte. Aber es war ja nur für zwei Nächte.

Dienstags musste ich in die Uni, aber danach habe ich Flo Turku gezeigt und wir sind in mein Lieblingscafé gegangen.

Eigentlich wäre ich danach noch gerne zum See gelaufen, aber es war schon wieder fast dunkel und da wir in letzter Zeit genug Seen gesehen haben, haben wir es gelassen. Dann musste Flo auch schon sein Zeug wieder packen und am Mittwochmorgen habe ich ihn zum Bus zum Flughafen gebracht. Die Woche ging einfach mega schnell vorbei und jetzt muss ich mich wieder mehr der Uni widmen. Alles in allem war es eine wunderschöne Zeit und ich bin froh, dass Flo es geschafft hat mich zu besuchen, auch wenn der Abschied jetzt umso schwerer gefallen ist. Aber bald ist ja auch schon Weihnachten und dann bin ich wieder bei all meinen Lieben smile

14November
2017

Ein Wochenende in Stockholm

Ich war in Stockholm am Wochenende und muss sagen das ist einfach eine der schönsten Städte in denen ich je war. Am liebsten würde ich da mal für ein paar Monate wohnen, auch wenn sich das kein normaler Mensch leisten kann. Aber ich fange am besten Mal von vorne an.

Am Donnerstagabend sind Caro, Monika und ich mit der Fähre von Turku nach Stockholm gefahren. Da die Fahrt zwölf Stunden dauert, hatten wir eine Schlafkabine für uns alleine. Ich bin immer noch erstaunt wie günstig das war. Pro Person nur 40€ hin und zurück und man spart sich zwei Nächte in Stockholm, weil man ja auf der Fähre schlafen kann. Da kann sich die Deutsche Bahn mal ne Scheibe abschneiden. Vor allem waren wir auf voll dem Luxus Schiff. Alles war ziemlich neu und wir hatten sogar einen Fernseher in der Kabine. Eigentlich war der Plan die Zeit auf der Fähre zu nutzen und was für die Uni zu arbeiten und dann früh schlafen zu gehen, aber irgendwie haben wir dann fast die ganze Nacht durchgequatscht und haben schlussendlich drei Stunden geschlafen. Das kommt halt davon wenn man drei Mädels in eine Kabine steckt. Die Fähre kam schon um halb sieben morgens an und das ist ja gar nicht meine Zeit, vor allem nicht nach so wenig Schlaf. Allerdings wurden wir draußen mit der Dämmerung belohnt, in der alles voll schön aussah.

Vom Hafen sind wir in die Stadt gelaufen, das Wetter war zum Glück schön. Da wir erst um neun unser Gepäck in unserer Unterkunft ablegen konnten, haben wir schon mal die Altstadt erkundet, die um diese Uhrzeit natürlich menschenleer war.

Außerdem haben wir uns ein Metro/Bus-Ticket gekauft, da unser Airbnb nicht zu Fuß zu erreichen war. Es war aber auch nicht weit weg von der Innenstadt, wir mussten nur zehn Minuten mit der Tunnelbana fahren. So heißt die U-Bahn auf schwedisch, das ist so eine putzige Sprache, aber Finnisch finde ich trotzdem cooler. Das coolste in unserer Unterkunft war der Ausblick:

Ansonsten hat dort auch alles gepasst, wir waren ja eh immer den ganzen Tag unterwegs. Nachdem wir unser Zeug abgelegt hatten, haben wir uns erst mal in ein Café gesetzt und uns mit einer heißen Schokolade gestärkt. Danach ging es in die Altstadt, wo wir an einer Free-Walking-Tour teilgenommen haben.

Die war echt interessant, auch wenn unser Guide nicht an den Tallinn Guide ran kam. Wie immer gibt es so typische Stadt-Geschichten, die jeder ein bisschen anders erzählt, also habe ich jetzt keine Ahnung was wirklich stimmt. Dort gibt es auch viele schmale Gassen, aber da kann Marburg locker mithalten. Danach sind wir einkaufen gegangen um endlich mal was essen zu können und sind zur Wohnung zurück gefahren. Allerdings haben wir dort erst mal einen Mittagsschlaf gemacht und erst danach Nudeln gekocht. Die schwedischen Supermärkte sind übrigens noch teurer als die finnischen. In Cafés, Bars und Restaurants sind die Preise ähnlich wie in Finnland. Abends wollten wir dann ein bisschen die Stadt unsicher machen und sind auf eine Indie-Party bei der der Eintritt vor zwölf frei war. Die Location war direkt am Wasser (so wie eigentlich alles in Stockholm) und ganz cool. Das witzige war, dass in dem Club daneben ein Konzert statt gefunden hat, ihr werdet nie drauf kommen, wer: Mantar! Die Jungs aus Hamburg/Bremen, die ich erst dieses Jahr in Gelsenkirchen und Marburg gesehen habe. Ich wusste sogar, dass die in Stockholm spielen würden, aber das sie nur die Vorband von Kadvar waren, die nicht so sonderlich spannend sind, waren die Tickets zu teuer und Caro hört ja kein Metal, deshalb wäre es ein bisschen blöd gewesene dahin zu gehen. Aber dann waren wir einfach direkt daneben und ein bisschen neidisch war ich schon. Nach der Show sind viele der Fans noch zu der Indie-Party gekommen und einer hatte einfach genau das gleiche Mantar Shirt an, das ich auch habe und das in Finnland! Das war schon lustig. Später haben wir uns dann auch noch mit Schweden unterhalten, insgesamt war es ein netter Abend, aber weil wir immer noch ziemlich müde waren, sind wir so um zwei nach Hause gegangen.

Eigentlich wollten wir samstags früh aufstehen, um um zehn im ersten Museum zu sein, aber wir haben verschlafen und sind erst gegen elf los gekommen. Als erstes haben wir uns die Vikings Ausstellung im Historischen Museum angeschaut, die echt interessant war. Besonders Monika, die Geschichte studiert, war begeistert. Um eins stand die nächste Walking Tour im trendigen Viertel Södermalm, das früher das schlechtangesehendste Viertel war, aber wie das immer so ist, jetzt zum Hipster-Viertel wurde, wo man die ganzen billigen Bars und vor allem Studenten findet. Unser Guide Douglas war ziemlich witzig, auch wenn er teiweise zu persönliche Geschichten erzählt hat, die aber trotzdem irgendwie mit einer bestimmten Sehenswürdigkeit verknüpft war.

Mit das schönste war dort der Ausblick über die Stadt. Nach dieser Tour war klar, wo wir am Abend hingehen würden, vor allem weil Douglas uns Tipps für billige, aber gute Kneipen gegeben hat. Er sah übrigens aus wie Harry Potter, wollte aber nicht Harry Potter genannt werden. Deshalb hat er sich auch einen Bart wachsen lassen. Danach hatten wir immer noch nicht genug von Walking Tours und haben uns der nächsten angeschlossen: einer U-Bahn Tour. Am Anfang dachte ich, das könnte ein bisschen langweilig werden, aber da wusste ich noch nicht was für coole U-Bahn-Stationen die Schweden haben. Zumindest wenn man weiß, wo diese zu finden sind. Diesesmal war unser Guide aus Frankreich und erst acht Monate in Stockholm, was man leider seinem Akzent angemerkt hat und mnachmal war es echt schwer ihn zu verstehen, vor allem weil wir so eine große Gruppe waren. Deshalb weiß ich auch nicht mehr so viel von dem was er uns erzählt hat, aber ich habe ganz viele schöne Bilder. Diese Stationen sind nach Themengebiet gestaltet worden. Das heißt, dass die Station die zur Technischen Hochschule führt, mit Kunst ausgestattet ist, die dieses Thema widerspiegelt. Das Universum ist dargestellt, sowie die vier Elemente und sogar Newtons Gesetze sind in einem schwebenden Apfel wiederzufinden. Alles in allem ist das echt toll gemacht. So wie ich das verstanden habe, gibt es alle paar Jahre einen Architekten/Künstler Wettbewerb und der Gewinner darf eine ganze U-Bahn-Station gestalten. Im Anschluss sind wir nach Hause, um dann in Södermalm was essen zu gehen. Wir hatten alle mega Lust auf so richtiges Pub Food und sind auch fündig geworden. Ich habe mega leckere Fish and Chips gegessen, das hatte ich seit England nicht mehr. Der Pub war richtig cool, es lief Rock und Metal Musik, aber wir wollten nach dem Essen trotzdem weiter und Douglas' Lieblingskeipe anschauen gehen. Da wurden wir echt nicht enttäuscht, es war der hipsterigste Hipster-Pub den ich je gesehen habe, ich hätte echt ein paar Bilder machen sollen, aber da war es so voll, das wäre dann komisch gekommen. Der erste Raum war ziemlich normal eingerichtet, aber dann ging es eine schmale Treppe runter und man kam in einen verwinkelten Bereich. Jeder kleine Raum war andere eingerichtet und überall hingen die skurrilsten Lampen und anderes Zeug. Wir saßen in einem Raum, der mit Wellblech ausgekleidet war. Ein altes Fahrrad hin an der Wand und große Knöpfe wurden als Kleiderhaken verwendet. Ein anderer Raum war völlig in Rosa gehalten und an der Bar war die Wandverkleidung aus verschiedenen Sofabezügen, die bunt zusammen gewürfelt waren. Das Bier war mit 4€ dort nicht ganz so teuer, aber richtig gut hat es leider auch nicht geschmeckt.Trotzdem war die Atmosphäre toll und es waren hauptsächlich Studenten dort. Den Abschluss haben wir im Hirschenkeller gemacht, der auch voller Studenten war und moderner ist als der Name klingt. Dort war das Bier noch billiger, hat aber besser geschmeckt.

Sonntag war schon unser letzter Tag und dieses Mal schafften wir es auch pünktlich aufzustehen, sodass wir um zehn los konnten. Als erstes stand das Skansen Freilichtmuseum auf dem Plan. Dort stehen jede Menge alte Hütten, die man allerding in der Nebensaison nur teilweise besichtigen kann. Der Grund, warum wir da vor allem hin wollten, war der Tierpark, der in dem Museum mit drin war. Dort gab es Rentiere, Elche, Wölfe, Bären, Luchse... Also jede Menge nordische Tiere und wir wollten unbedingt Elche sehen. 

Leider hatte der männliche Elch gar kein großes Geweih, das wurde ihm gestutzt. Trotzdem waren die mega knuffig. Am süßesten waren die zwei Braunbären, die haben miteinander herum getobt und das sah voll niedlich aus. Die Rentiere hatten übrigens einen super Ausblick über die Stadt, das wussten sie bestimmt nicht zu schätzen. In einem der Häuser, die man besichtigen konnte, hat uns eine Frau erzählt wie das Leben Anfang des 20. Jahrhunderts in Schweden so war, das war auch ziemlich interessant. Im Bäckershaus konnte man frische Backwaren kaufen und wir haben uns ein süßes Stückchen gegönnt. Dann ging es weiter zum Vasa Museum, von dem jeder so schwärmt, der schon mal in Stockholm war. Der Eintritt ist zwar nicht so billig, aber es lohnt sich echt. Die Vasa war ein Schiff, das im 17. Jahrhundert gebaut worden ist, weil der schwedische König das größte und prächtigste Schiff haben wollte. Allerdings war sie zu schwer und sank ungefähr einen Kilometer vom Stockholmer Hafen entfernt. Sie lag dann dreihundert Jahre auf dem Meeresgrund, weil der König dem ganzen Reich verboten hatte, jemals über diese Blamage zu sprechen. In den 60ern wurde sie an Land geholt und restauriert. Das beeindruckende ist, dass das Schiff auch noch dreihundert Jahre später sehr gut erhalten ist. Nun steht sie in einem Museum und wir kontinuierlich restauriert und haltbar gemacht. Wenn man davor steht ist sie einfach so riesig und man kann kaum glauben, dass sie schon so alt ist. Leider ist es da drin so dunkel, dass man eigentlich keine gescheiten Bilder machen kann.

Nach dem Museum war auch schon wieder fast der Nachmittag vorbei. Wir sind noch schnell eine Kleinigkeit essen gegangen und dann haben wir unser Gepäck von der Wohnung abgeholt. Dieses Mal hatten wir nicht die fancy Fähre, aber unsere Kabine war trotzdem okay. Da wir alle ziemlich kaputt waren, sind wir einigermaßen zeitig schlafen gegangen und um halb acht schwedische Zeit in Turku angekommen. 

Gestern habe ich nicht viel gemacht. Das Wochenende war ziemlich anstrengend, trotzdem habe ich versucht mich auf meine Uni Sachen zu konzentrieren. Heute hatte ich wieder Uni und bin gerade schon wieder am packen, weil ich morgen mal wieder nach Helsinki fahre und dort Flo vom Flughafen abhole. Wir werden ein paar Tage in Helsinki und in der Nähe von Lahti verbringen, das wird auf jeden Fall entspannter als meine sonstigen Trips. Ich freue mich schon voll drauf!

09November
2017

Von kuschligen Katzen, alten Burgen und finnischen Gepflogenheiten

Tut mir leid, dass es schon wieder so lange her ist seit dem letzten Eintrag, aber es war so viel los in den letzten Tagen, dass ich erst jetzt dazu komme. Gerade bin ich nämlich aus Stockholm zurück gekommen und habe ein anstregngendes, aber wunderschönes Wochenende hinter mir, aber dazu gibt es einen extra Blogeintrag, wahrscheinlich schon morgen.

Letzte Woche Montag hatte ich meinen Nordic Documentary Workshop, der etwas anders war als ich mir das vorgestellt habe. Anstatt eine eigene Dokumentation zu drehen, müssen wir einen Dokumentarfilm aus Archivaufnahmen zusammen basteln. Das Ganze gehört zu einem größeren Projekt des finnischen Fernsehsenders yle, der zu Ehren der hundertjährigen Unabhängigkeit eine Art Wettbewerb veranstaltet. Es wird Archivmaterial aus den 50er und 60er Jahren zur Verfügung gestellt und jeder der Lust hat, kann daraus einen eigenen Film machen und diesen einsenden. Die besten Filme werden auf Austellungen und Filmfesten gezeigt. Der Entwickler dieses Projekts war bei unserem Workshop zu Besuch und hat uns das alles erklärt. Ich finde das eigentlich gar nicht mal so schlecht, weil ich mich dann intensiver mit dem Schnittprogramm auseinander setzen kann und das alles auch nicht so viel Zeit frisst, von der ich nämlich nicht sehr viel habe. Den Film mache ich alleine, kann also daran arbeiten wann ich will und muss mich mit niemandem absprechen. Eine Idee habe ich schon, aber die verrate ich erst mal noch nicht. Auf jeden Fall finde ich es gut auch was praktisches machen zu können und nicht immer nur Theorien zu lernen. 

Am Dienstagabend ist meine allerliebste Flitzi in Turku angekommen. Davor war ich in der Uni und habe versucht irgendwas für meine Hausarbeit zu schaffen, was alles immer viel mehr Zeit raubt als man denkt. Außer kochen und ganz viel quatschen haben wir nichts mehr großes gemacht, die arme war auch seit sieben morgens unterwegs. 

Da ich mittwochs frei habe, sind wir nach Naantali ans Meer gefahren. Dort war ich an meinem ersten Wochenende schon mal in der Mumin World, aber das Städtchen habe ich mir damals nicht so richtig angesehen. Das Wetter war zwar eher trüb, aber konnten dort trotzdem schön spazieren gehen.

Leider hatte die Kirche geschlossen, die hätte ich gerne mal von innen gesehen. Abends haben wir uns mit Jessi, Mauricio, Aline und Bea getroffen, weil Jessi von ihren Eltern deutsches Bier und Glühwein bekommen hat und sie eine kleine Küchenparty feiern wollte. Allerdings gab es ein paar Probleme mit ihrer Mitbewohnerin, deshalb mussten wir die Party in die Gemeinschaftsräume der Uni verlegen. Da hat gleichzeitig eine Sitzparty stattgefunden, deshalb war es ziemlich laut, aber auch mega witzig denen zuzuhören. Es wurde ein langer und lustiger Abend und ich habe mal wieder festgestellt, dass deutsches Bier so viel besser als finnisches schmeckt.

Donnerstags hatte ich Uni, also haben wir es langsam angehen lassen. Nach meinem Kurs haben Flitzi und ich uns mit Klaus und Veera getroffen. Wir wollten zusammen deutsche und finnische Filme schauen. Klaus hat dann noch vorgeschlagen pulla, die finnischen Zimtschnecken zu backen. Während der Teig am Gehen war, haben angefangen Frau Ella zu schauen, ein Film mit Mathias Schweighöfer, der meiner Meinung nach die deutschen Filme ganz gut repräsentiert. Der Film war dann auch echt nicht schlecht. Für die pulla hatten wir etwas zu viel Teig und haben zwei Bleche gemacht, aber die waren auch wirklich lecker.

Der finnische Film war ganz interessant, aber voller Klischees. Der Vater hatte ein Alkoholproblem, sie waren ständig in der Sauna und es wurde viel von der finnischen Natur gezeigt. Insgesamt war es sehr emotional, aber eigentlich nicht schlecht. Ein bisschen deprimierend vielleicht. Letztendlich waren wir bis um zehn bei Klaus. Eigentlich wollten wir danach noch auf eine Halloween Party, aber  waren dann doch zu müde. Außerdem sind wir am nächsten Morgen nach Helsinki gefahren und mussten deshalb früh aufstehen.

In Helsinki war, wie eigentlich immer wenn ich da bin, strahlendblauer Himmel.

Als erstes sind wir zum Hafen gelaufen und haben uns den Markt und die Markthalle angesehen. In der Tourist Info haben wir uns eine Stadtkarte mitgenommen und beschlossen zur Rock Church zu laufen. Das ist eine Kirche, die in den Felsen hinein gebaut wurde. Innen ist sie ziemlich modern, sie wurde auch erst in den 60ern gebaut, aber mir hat sie gut gefallen, weil sie eben so schlicht ist. 

Danach haben wir das Katzencafé gesucht und zum Glück auch gefunden. Ich fand es dort noch schöner als in dem in Tampere, vor allem weil da so viele getigerte Katzen waren. Eine hat sich direkt neben uns gelegt und ich konnte sie die ganze Zeit streicheln.

Das seltsamste Erlebnis hatte ich auf dem Klo, weil da einfach eine Katze neben dem Klo lag. Ich habe dann mit ihr geredet und sie gestreichelt, ich glaube es hat sie nicht sehr gestört. Weiter ging es zurück zum großen Platz an der weißen Kirche. Dort fand die Free Walking Tour statt, die uns die typischen Touristenattraktionen gezeigt hat. Vieles von dem was unser Guide erzählt hat, wusste ich schon, aber es gab auch ein paar neue Aspekte. Unterwegs hat sich Anna uns angeschlossen, die bis um vier Uni hatte.

Nach zwei Stunden waren wir damit fertig und wollten noch was essen gehen. Unser Guide hatte uns ein Restaurant empfohlen, das nicht so teuer war, allerdings entpuppte sich das eher als Bar und die Portionen waren ziemlich klein, aber immerhin hat es gut geschmeckt und der Barkeeper hatte einen tollen Bart. Flitzi und ich sind dann um acht wieder nach Turku gefahren.

Am Samstag haben wir einen Study-Tag eingelegt. Ich musste dringend in meiner Hausarbeit vorankommen und Flitzi hatte auch genug für die Uni zu tun. Abends wollte ich sie eigentlich zu einem Metal Konzert mitnehmen, das umsonst war, aber dann hab ich festgestellt, dass das Konzert nicht im Zentrum von Turku war, sondern wir knapp ne Stunde hätten fahren müssen und dann hatten wir keine Lust mehr. Dafür haben wir einen schönen Spieleabend gemacht.

Sonntags musste ich mich leider schon wieder von Flitzi verabschieden, aber davor haben wir noch eine Wanderung zu dem Bishop Castle in Kaarina gemacht. Morgens war das Wetter auch noch okay, erst später wurde es ein bisschen ungemütlich. Die Wanderung dauerte gute zwei Stunden, aber das hat sich auch gelohnt. Die Burg liegt zwar am Meer, aber wie das immer so ist in Finnland, sind überall Inseln, die einen glauben lassen, dass man sich an einem See befindet.

Auf den Rückweg hatten wir dann gar keine Lust, weil es nur eine Straße gab und wir genau denselben Weg hätten zurück laufen müssen. Mathilde und Isabelle waren dann überzeugt davon, dass uns jemand mit dem Auto mitnehmen wird und haben vesucht Autos anzuhalten. Da Sonntag war, war die Chance gar nicht so schlecht jemanden zu finden und es hat tatsächlich ein Auto angehalten. Flitzi und ich durften dann bei einem älteren finnischen Ehepaar mitfahren, die mega nett waren und uns zur nächsten Bushaltestelle gebracht haben. Die anderen drei haben ein paar Minuten später eine Mitfahrgelegenheit gefunden. Die Finnen sind echt nette Menschen. Wieder daheim haben wir Wraps zum Mittagessen gemacht und dann habe ich Flitzi zum Marktplatz gebracht, von wo aus sie zum Flughafen gefahren ist. Leider hat danach der weniger spaßige Teil angefangen. Ich musste meine Hausarbeit innerhalb von wenigen Tagen fertig schreiben und hab so gut wie nichts anderes gemacht. Natürlich ist das Wetter ausgerechnet dann schön, wenn man den ganzen Tag in seinem Zimmer gefangen ist.

Letzten Mittwoch war ich fast fertig mit meiner Hausarbeit, musste aber parallel noch ein Referat für Donnerstag vorbereiten, das zum Glück nicht so kompliziert war. Am Abend hatten wir auch noch eine Reservierung in einem Escape Room, was mir eigentlich gar nicht in den Zeitplan gepasst hat, aber da das schon länger fest stand und ich auch schon dafür bezahlt hatte, habe ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Wir waren zu sechst und es war echt richtig lustig, auch wenn wir am Anfang fünfzehn Minuten verschenkt haben, weil wir zu dumm waren den ersten Schlüssel zu finden. Aber danach wurde es besser und wir hätten es geschafft den Fall zu lösen, wenn wir noch fünf Minuten länger gehabt hätten. Das war ein bisschen ärgerlich, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Vom Thema her fand ich allerdings den Escape Room in Essen cooler. Ich sollte mal den in Marburg auschecken. Nach diesem tollen Erlebnis habe ich bis zwei Uhr nachts noch an meiner Hausarbeit herum gewerkelt und sie dann endlich abgeschickt. 

Das Referat am Donnerstag lief auch ziemlich gut und dann ging es schon nach Stockholm, mehr darüber erfahrt ihr im nächsten Eintrag!

29Oktober
2017

Uni die zweite, neuer Besuch und Kuchenexperimente

Dieses Mal habe ich nicht so viel zu berichten, ich war nämlich so gut wie die ganze Woche krank. Zum Glück "nur" eine Erkältung, aber dadurch habe ich mich ziemlich schlapp gefühlt und nicht wirklich irgendwas auf die Reihe bekommen. Immerhin war ich in der Uni und habe die Kurse der neuen Periode besucht. Der erste Kurs am Dienstag war Ausiovisual Analysis und hat mir richtig gut gefallen, vor allem weil er Medien- und Musikwissenschaft verbindet und ich darin endlich mal was lerne, was mir in Marburg nützlich sein wird. Die Dozentin ist ziemlich streng, aber sie hat richtig Ahnung und schafft es dieses sehr theoretische Thema spannend zu gestalten. Außerdem hatte Monika am Dienstag Geburtstag und dann sind wir nach meinem Seminar was essen gegangen. Da wir uns immer ziemlich viel zu erzählen haben, war ich erst um sechs wieder daheim, aber es war schön ihren Geburtstag mit ihr zu verbringen. Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe ich so gut wie gar nicht geschlafen, weil ich so arg husten musste, deshalb war ich froh, dass ich den ganzen Mittwoch im Bett verbringen konnte und nicht aus dem Haus musste. Krank werden war allerdings gar nicht eingeplant, weil ich so so gut wie gar nichts für meine Hausarbeit, die ich in einer Woche abgeben muss, machen konnte. Immerhin habe ich es geschafft ein bisschen für die Klausur, die ich am Fretag hatte, zu lernen. Übrigens Klausur, ich habe meine Finnisch Klausur bestanden! Am Donnerstag fand mein anderer neuer Kurs mit dem Thema Nordic Documentary statt. Also auch ein typischer Medienwissenschaftskurs, bei dem ich mich schon ein bisschen auskenne. Wir haben ja letztes Semester eine eigene Reportage gedreht. Dieses Mal wird es leider nicht ganz so praxisbezogen, aber wir haben am Montag einen Workshop dazu, mal schauen wie das wird. Ich war dann trotzdem froh als ich wieder daheim war und mich weiter auskurieren konnte. Da ich sowieso aus dem Haus musste, habe ich mir gleich einen Hustensaft in der Apotheke geholt und jetzt ist es schon viel besser geworden. Freitags habe ich dann mit mir gerungen, ob ich zu der Baltic Sea Region Klausur gehen soll oder nicht, weil ich einfach nicht so viel lernen konnte, wie ich eigentlich wollte. Nachschreiben ist hier so einfach und man braucht auch kein Attest oder so wie in Deutschland. Man kann einfach auf der Uni Homepage einen Prüfungsraum buchen, um dann dort die Klausur auf einem Computer zu schreiben. Dabei ist man mit der Zeit total flexibel und kann das auf den eigenen Terminkalender abstimmen. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden die Klausur nachzuschreiben und bin in die Uni gefahren. Wenn man eine schlechte Note bekommt, hat man immer noch die Möglichkeit nochmal zu schreiben und sich somit zu verbessern. Das war auch gut so, weil die Klausur echt machbar war, auch wenn man nicht so viel gelernt hat. Abends ging es mir dann auch besser und ich habe Anna vom Bus abgeholt, die mich übers Wochenende besucht hat. Nachdem wir bei mir daheim angekommen sind, wollten wir etwas kochen und danach einen Kuchen backen. Da Anna in ihrer Wohnung keinen Ofen hat, haben wir einen sehr leckeren Gemüse-Nudel-Auflauf mit ganz viel Käse gemacht. Beim Kuchen wurde es schwieriger, weil wir mussten etwas finden, bei dem man so gut wie keine Küchengeräte braucht. Also fiel alles bei dem man Eier und Zucker schaumig schlagen muss schon mal raus. Am Ende sind wir bei einem veganen Erdnuss-Schoko-Kuchen hängen geblieben. Der wurde richtig lecker, allerdings haben wir die Schokolade für den Guss vergessen und mussten eine Alternative finden. Da ich auch keinen Puderzucker oder Kokosfett daheim habe, blieben quasi keine Glasur-Rezepte mehr übrig. Nach vielem googeln hatten wir endliche eins, bei dem man Margarine, Zucker, Wasser und Kakaopulver erhitzen und verrühren musste. Das haben wir auch gleich ausprobiert, allerdings hat Anna ausversehen Mehl statt Zucker in den Topf gekippt, weil wir irgendwie voll in Gedanken waren und irgendwas falsch gelesen haben. Damit war dann leider auch die letzte Butter die ich hatte hin und wir standen vor einem neuen Probelm. Zum Glück habe ich liebe Mitbewohnerinnen, die mir Magarine geliehen haben und wir konnten den Guss dieses Mal richtig machen. Am Ende war er ziemlich süß, hat aber perfekt zum Kuchen gepasst und wir haben uns gleich mal ein Stück gegönnt. 

Samstags haben wir es langsam angehen lassen und sind erst gegen zwölf in die Stadt gefahren. Dann habe ich wieder die typische Turku Tour gegeben: Kirche, Kauppatori, Markthalle, Burg. Zwischendrin waren wir in dem riesigen Einkaufszentrum, weil es draußen echt ungemütlich war und Anna neue Winterschuhe brauchte. Irgendwie kommt mir das bekannt vor, gell Vali laughing. Wenn das so weiter geht, werde ich professionelle Schuhberaterin. In der Burg war es wie immer ziemlich cool und dieses Mal auch ziemlich leer, deshalb konnte man sich auch die Ausstellung besser anschauen als am Stadtfest. Außerdem haben wir dort versucht Schach zu spielen (ich glaube ich habe die Regeln nicht mehr so richtig im Kopf, aber wir haben es immerhin versucht) und haben uns ein bisschen verkleidet.

Abends sind wir zur Abwechslung Indisch essen gegeangen, das wird ja langsam zur Tradition, die man pflegen muss. Wieder daheim haben wir ein paar Runden Qwixx und die Kartenspiele, die Mathilde mir beigebracht hat, gespielt.

Heute morgen sind wir früher aufgestanden und wieder in die Stadt gefahren. Dort habe ich Anna zwei Parks gezeigt, von denen man eine schöne Aussicht auf Turku hat. Leider war das Wetter immer noch schlecht und es hat den ganzen Tag geregnet. Dann sind wir zur Michaelskirche gelaufen, die ich selber noch nicht gesehen habe, die aber echt schön ist.

Eigentlich wollten wir noch zum See in Varissuo, aber es war echt ungemütlich draußen und dann hatten wir keine Lust und sind lieber nach Hause, wo wir wieder gespielt haben. Ich spiele viel zu wenig seit ich hier bin, aber außer Qwixx habe ich ja auch nichts dabei. Zum Glück bringt Flo ein paar Spiele mit wenn er zu Besuch kommt. Am Dienstag kommt ja auch schon Flitzi an, ich hoffe bis dahin bin ich wieder richtig gesund.

22Oktober
2017

Halbzeit

Man mag es nicht glauben, aber ich bin schon über zwei Monate hier und habe somit schon die Hälfte von meinem Auslandsaufenthalt hinter mir. Die Zeit vergeht einfach so schnell! Deshalb darf auch kein Tag ungenutzt bleiben, was meine vollgepackte Woche auch zeigt.

Am Dienstag war ich endlich mal beim Friseur. Ich habe Tanja gefragt, ob sie mir einen empfehlen kann und bin dann da hin gegangen. Allerdings war das ein bisschen schwieriger als gedacht, weil man den Termin über eine App bucht. Wenn man einen Last minute Termin nimmt, zahlt man weniger. Ich habe 36€ statt 45€ gezahlt, das geht für Waschen, Schneiden, Föhnen noch. Am Ende war ich ganz zufrieden, auch wenn jetzt wieder sechs Zentimeter ab sind, aber ging halt nicht anders. Abends bin ich mit Mathilde, Isabelle, Aline und Brunna zum Eishockeyspiel Turku gegen Pori. Ich hab noch nie ein Eishockeyspiel gesehen, deshalb hatte ich auch nicht so viel Plan von den Regeln, aber Isabelle kannte sich da zum Glück besser aus. Unsere Plätze waren ganz okay, ziemlich weit unten, aber es war auch die billigste Kategorie. Es ist ein sehr schnelles Spiel, aber leider wird der Spielfluss dauernd unterbrochen, wenn eine der Manschaften einen Fehler macht. Das kann ganz schön nervig sein und die Uhr wird immer angehalten. Während die sich auf dem Eis wieder sortieren, wird Musik gespielt und das Maskottchen macht irgendwelche Faxen. Außerdem gibt es eine Kamera, die in diesen kurzen Pausen das Publikum filmt und zum tanzen animieren will. Es gibt drei Runden, die jeweils zwanzig Minuten gehen. Am interessantesten fande ich, dass ein Spieler nie länger als ein, zwei Minuten auf dem Eis war, sondern ein ständiger Spielerwechsel stattgefunden hat. Und es ist sehr beeindruckend wie elegant die sich auf dem Eis bewegen können, schon alleine damit wäre ich überfordert. Am Ende hat Turku leider ganz knapp verloren. Nach den drei Runden stand es 2:2 und in der Verlängerung, die fünf Minuten ging, hat sich auch nichts mehr getan, also gab es ein Shoutout, bei dem drei Spieler jeder Mannschaft wie beim Elfmeter-Schießen auf das Tor schießen und der Torwart versucht abzublocken. Dabei hat sich Turku dann nicht so gut angestellt und sie haben verloren. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und im November, wenn Flo da ist, gehen wir mit Anna zu einem Spiel in Helsinki.

Mittwochs hatte ich Uni und danach haben Isabelle, Alicia und ich und getroffen, um Lappland zu planen. Anna kommt auch mit, sie habe ich dann über WhatsApp auf dem Laufenden gehalten. Eine Unterkunft haben wir schon mal in Levi, jetzt müssen wir noch den Zug dorthin buchen, der gar nicht so teuer ist wie erwartet. Der Bus ist nur zwanzig Euro billiger, aber da sitzt man 17 Stunden drin anstatt 9. Levi ist nähmlich knapp tausend Kilometer entfernt von Helsinki, also fahren wir die ganze Nacht durch. Finnland ist eben kein kleines Land. Mittwochabends war wieder das Pub Quiz, das monatlich stattfindet. Caro hat uns leider im Stich gelassen, aber wir haben dafür Unterstützung von Monika bekommen. Trotzdem hat es wieder nur zum vorletzten Platz gereicht, aber wir hatten Spaß und das ist das wichtigste.

Donnerstagmorgen habe ich mein Referat über Weihnachten in Finnland gehalten. Das war mal ein schönes Thema, mit sowas beschäftige ich mich gerne. Um halb sechs ging es zu meiner ersten Sitsit-Party. Davon habe ich, bevor ich nach Finnland gekommen bin, auch noch nie was gehört. Die Tradition kommt aus Schweden, ist aber in der finnischen Studentenkultur tief verankert. Und zwar ist das eine Party bei der man hauptsächlich sitzt, Essen und Getränke bekommt und vor allem singt. Es gibt ziemlich strenge Regeln und jede Studentenorganisation macht das ein bisschen anders. Ich war bei einem SitSit von ISHA, der International Students of History Association. Tanja studiert Geschichte und hat mich eingeladen, Caro und Camilla sind auch mitgekommen. Man bezahlt im Voraus 15€ und bekommt dann Cider, Bier oder Wein gestellt und ein drei Gänge Menü. Außerdem gibt es einen festgelegten Sitzplan, so lernt man auch schnell neue Leute kennen. Ganz wichtig: man muss pünktlich sein, sonst wird man bestraft. Die Bestrafungen sind immer ziemlich lustig, man muss entweder was singen oder tanzen oder sich sonst irgendwas ausdenken. Eine kam zu spät und wurde dann natürlich bestraft. Allerdings muss man das nie alleine machen, man darf sich Leute mitnehmen, die einem bei der Bestrafung helfen. In unserem Fall hat das alle Deutsche getroffen (wie immer waren da ziemlich viele Deutsche), weil sie ihr Erasmus in Deutschland gemacht hatte und dann etwas deutsches singen wollte. Wir haben dann alle zusammen Oh Tannenbaum gesungen, weil uns kein Trinklied eingefallen ist, bei dem alle den Text kennen. Der Ablauf an sich ist ziemlich einfach. Immer wenn die Toastmaster, die ganz vorne an einem extra Tisch sitzen, die Glocke läuten, muss man leise sein und ein Lied wird angesagt, das alle zusammen singen. Dafür gibt es ein Prospekt, in dem die meisten Lieder stehen. Viele sind finnisch oder schwedisch, aber es gibt auch englische und überraschend viele deutsche. Nach dem Lied prostet man seinem linken, seinem rechten Nachbar und seinem Gegenüber zu. Manchmal muss man auch mitten im Lied trinken. Währenddessen wird das Essen serviert, aber man kommt quasi nicht zum essen, weil man ständig singen muss. Alles in allem war das ein sehr witziger Abend, der 4,5 Stunden dauerte und mit jedem Lied lustiger wurde. Bei mir am Tisch saßen hauptsächlich Finnen, was richtig cool war, weil die mir alles erklären konnten und man endlich mal wieder mehr mit Finnen zu tun hatte. 

Am nächsten Tag ging es nach Helsinki, wo ich mal wieder Anna einen Besuch abgestattet habe. Wir hatten Karten für die Dying Fetus Tour, die mit drei anderen Bands, unter anderem Beyond Creation, unterwegs waren. Also sind wir um acht in den Nosturi Club. Die Location war der Hammer, ich war selten in so einem coolen live Club. Man kam unten rein und musste erst mal zwei Stockwerke hoch, um in den eigentlichen Club zu kommen. Der war dann in zwei Bereiche eingeteilt. Vorne natürlich die Bühne und hinten die Bar. Bei der Bar gab es jede Menge Sitzmöglichkeiten, alles ziemlich cool gestaltet und man durfte seine Getränke nicht mit in den vorderen Bereich nehmen. Das heißt man kriegt kein Bier über die Hose gekippt, wenn man vor der Bühne steht, es liegen keine Becher rum, kurz gesagt einfach keine Sauerei und ein entspanntes Konzert. Außerdem gab es noch eine Empore, von der man auch einen super Blick auf die Bühne hatte. Mir ist so generell aufgefallen, dass so gut wie niemand Festival-Bändchen trägt. In Deutschland gilt man ja auf einem Metalkonzert fast als Aussätziger wenn man keine hat. Vielleicht haben die hier einfach nicht so viele Festivals.

Während der ersten Band Disentomb haben wir uns in den hinteren Bereich gesetzt und alles von der Ferne beobachtet. So wirklich gut waren die nämlich nicht. Der Sänger hat mich an Spasm erinnert und der restliche Sound war auch ziemlich eintönig. Dafür waren Beyond Creation das komplette Gegenteil. Ich höre diese Band schon ein paar Jährchen, hatte noch nie die Möglichkeit sie live zu sehen, da das auch ihre erste Europa Tour war, und hatte ziemlich hohe Erwartungen, die sie nicht enttäuscht haben. Die Kanadier machen sehr anspruchsvollen Technical Death Metal mit progressivem Einfluss. Ich hätte ihnen stundenlang zusehen können, das ist reine Magie was sie mit ihren Instrumenten anstellen. Beide Gitarristen spielen achtsaitige Gitarren, der Bass hatte sechs Saiten. Da hat man instrumental ganz andere Möglichkeiten und es ist einfach faszinierend, wie einfach das bei denen aussieht. Ich stand also völlig verzaubert vor der Bühne und war im siebten Himmel. Für mich war das definitiv das Highlight des Abends und meine Erwartungen an die anderen beiden Bands somit nicht mehr so hoch.

Allerdings haben mich Psycroptic dann doch geflasht. Ich habe von den Australiern noch nie was gehört, aber sie machen echt guten, anspruchsvollen Tech-Death. Das hat richtig gute Laune gemacht und war bei Weitem nicht so ernst wie Beyond Creation, deren Musik doch eher düster ist. Auf jeden Fall eine schöne Überraschung und man konnte auch gut dazu Headbangen. Die werde ich mir für weitere Konzerte merken.

Danach sind wir zum Merch-Stand runter, weil ich mir das neue Album von Beyond Creation kaufen wollte. Und wer steht da nicht hinter der Theke? Der Sänger von Beyond Creation! Ich finde das voll schön, dass die ihr Merchandise selber verkaufen. Dann kam auch noch der Bassist dazu und ich konnte mich mit den beiden kurz unterhalten. Ich wollte ihnen einfach sagen wie glücklich mich ihre Musik macht und wie toll ich ihren Auftritt fand. Ich habe mich selten so Fangirl mäßig gefühlt. Da ich diese Band wahrscheinlich so schnell nicht wieder sehen werde, habe ich noch ein Poster für fünf Euro gekauft, auf dem die beiden dann unterschrieben haben. Das hängt jetzt gegenüber von meinem Bett und macht mein Zimmer ein bisschen schöner smile. Zum Schluss kamen Dying Fetus, der Grund warum theoretisch alle zu dem Konzert gekommen sind. Ich gehöre da nicht dazu. Dying Fetus sind ganz nett, ähnlich wie Cannibal Corpse, aber es ist halt Brutal Death Metal, das heißt so gut wie alle Songs klingen gleich. Stimmung war auf jeden Fall da, die Band eignet sich auch super zum Headbangen, da es kaum Rhythmuswechsel gibt und der Takt schön regelmäßig ist, aber nach einer halben Stunde wurde es ein bisschen langweilig. Ist halt doch nicht ganz meine Musik, wobei ich Death Metal im Allgemeinen echt super finde.

Anna und ich sind dann nach einer Stunde gegangen, weil wir am nächsten Tag echt früh aufstehen mussten und mir diese Band jetzt nicht so wichtig war. Auf dem Weg nach draußen, haben wir uns noch ein Plakat von der Tour genommen/geklaut, man weiß es nicht genau. Die lagen in einer Papschachtel und niemand hat sich darum gekümmert, außerdem brauchen die die ja jetzt nicht mehr, wenn das Konzert vorbei ist. Jetzt hängt es an meinem Kleiderschrank und mein Zimmer sieht zumindest ein kleines bisschen wie daheim aus. Diese leeren Wände machen mich echt depressiv. Bis wir wieder am Hauptbahnhof waren, war auch schon ein Uhr morgens und wir hatten mega Hunger, also haben wir noch Falafel gegessen. Ich hab schon seit Ewigkeiten nicht mehr so gute Falafel gegessen und das ist definitiv gesünder als einen Burger bei Hesburger zu essen. Bei Anna sind wir dann erst gegen zwei angekommen und der Wecker hat um halb sechs wieder geklingelt, da wir samstags nach Tallinn fahren wollten.

Nach nur drei Stunden Schlaf war ich doch ziemlich wach, hätte ich fünf Stunden geschlafen, wäre ich nicht aus dem Bett gekommen. Um acht mussten wir an der Fähre sein und dafür einmal durch die ganze Stadt. Die Fähre war gut besucht, es gab nicht so viele Plätze. Wir haben es uns auf einem Sofa gemütlich gemacht, in der Hoffnung die 2,5 Stunden Überfahrt schlafend zu verbringen. Anna hatte damit auch keine Probleme, sie kann überall schlafen. Leider hat um halb neun morgens eine Band angefangen zu spielen, in einer Lautstärke, das kann fast schon als Lärmbelästigung gelten, vor allem um diese Uhrzeit! Für eine Stunde oder so bin ich trotzdem eingeschlafen, aber sehr entspannend war es nicht. In Tallinn angekommen sind wir zuerst in die Altstadt gelaufen, die wirklich wunderschön ist. Das Kopfsteinplaster hat mich sehr an Marburg erinnert, aber sonst hatte es nicht so viele Ähnlichkeiten mit Marburg, obwohl es doch an ein deutsches Städtchen erinnert, was wohl daran liegt, dass Estland im Mittelalter sehr lange unter deutscher Herrschaft gestanden hat.

Wir haben uns dann der Free Walking Tour angeschlossen, die gute zwei Stunden ging. Unser Guide war Chris, ein gebürtiger Tallinner, der jede Menge interessante und witzige Geschichten auf Lager hatte. Vor allem sind die Esten stolz auf ihre Unabhängigkeit nachdem sie Jahrhundertelang von irgendwelchen Großmächten herumgeschubst wurden. Und sie fühlen sich sehr mit Finnland verbunden, denn sie haben nicht nur die gleichen Sprachwurzeln und können teilweise die jeweils andere Sprache verstehen, die Persönlichkeiten sind auch ähnlich. Genauso wie die Finnen sind auch die Esten eher introvertiert und werden erst kontaktfreudig wenn ordentlich Alkohol geflossen ist. Unser Guide meinte er lebt den estischen Albtraum, indem er vor einer großen Menschengruppe spricht. In Tallinn leben ungefähr ein Zehntel aller Esten, es ist echt ein kleines Land. 

Die Hügel mitten in der Stadt, von denen man diesen wunderschönen Ausblick hat, wurden im Mittelalter von Menschenhand erschaffen, da sie zur Verteidigung dienen. Sonst wäre Tallinn einfach komplett flach. Wir haben jede Menge über die Geschichte und Traditionen in Tallinn gelernt, aber das würde jetzt zu weit gehen euch das alles zu erzählen. Es ist eine wunderschöne Stadt und auf jeden Fall einen Besuch wert. Anna und ich haben schon überlegt nächstes Jahr eine Rundreise in Osteuropa zu machen, da gibt es doch mehr zu entdecken als man immer denkt. Nach der Tour hatten wir Hunger und wollten in eins der Restaurants, die Chris uns empfohlen hatte. Allerdings waren die an einem Samstagnachmittag natürlich alle voll. Vom Marktplatz hat er uns abgeraten, weil es dort einfach überteuert ist und man mehr für den Ausblick als für das Essen bezahlt. In einer der Karten, die wir von der Tourist Info hatten, standen auch noch Restaurant-Tipps drin, am Ende sind wir (mal wieder) bei einem Inder gelandet. Ist ja schon ne Weile her seit wir das letzte Mal indisch gegessen haben und wir müssen das ausnutzen solange wir noch die Möglichkeit dazu haben. Typisches estnisches Essen ist sowieso deutsch, also Kartoffeln, Schnitzel, Sauerkraut... das kann ich dann wieder daheim essen. Danach sind wir noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert, haben einen coolen Plattenladen entdeckt und einen mega süßen kleinen Schokoladenladen, wo es selbstgemachte, vegane Schokolade gab. Ich habe mir zwei Kostproben mitgenommen. Dann war es auch schon wieder Zeit zurück zur Fähre zu gehen. Diesesmal haben wir uns nicht in den großen Raum mit der Bühne gesetzt, um der Band zu entgehen. Allerdings gab es in der kleineren Bar auch eine Bühne. Zu spät stellten wir fest, dass das die Karaoke Bühne war und so durften wir uns fast die ganze Fahrt "wunderschönen" Gesang von irgendwelchen Menschen anhören. Anna konnte dabei super schlafen, ich hab einfach Kreuzworträtsel gemacht. Gegen halb elf waren wir wieder bei Anna daheim und sind dann auch schlafen gegangen.

Am nächsten Morgen bin ich wieder nach Turku gefahren. Daheim habe ich schnell was gegessen, dann musste ich auch schon wieder los, weil ich mich mit Klaus getroffen haben. Dieses Mal wollten wir ins History Museum. Das war echt interessant, weil man dort echte Ruinen aus dem späten Mittelalter sehen konnte. Allerdings haben wir nur eine knappe Stunde dort verbracht, weil Klaus und Veera dann wieder los mussten. Ich war ihnen nicht böse, da ich selber noch ziemlich müde vom Wochenende war und mich auf mein eigenes Bett gefreut habe.

Diese Woche geht die zweite Periode los. Ab morgen habe ich neue Kurse, dieses Mal sind es nur zwei, was ganz gut ist, da ich immer noch jede Menge für meine anderen Kurse zu tun habe. Heute habe ich mit meiner Hausarbeit angefangen und für die Klausur am Freitag gelernt. Das wird eine unspektakuläre Woche die ich hauptsächlich mit diesen beiden Dingen verbringen werde. Aber am Freitag besucht mich Anna, dann habe ich bestimmt wieder was zu erzählen smile

17Oktober
2017

In der finnischen Wildnis

Eine stressige, aber erfolgreiche Woche liegt hinter mir. Am Freitag habe ich meine erste Klausur hier geschrieben und sie lief sehr gut! Aber ich habe auch donnerstags nochmal mit meinem Tandem Partner Klaus finnisch gelernt, das hat auf jeden Fall geholfen. Auch am Freitag habe ich meine erste Präsentation gehalten. Das Thema war transnational crime in der Baltic Sea Region. Monika und ich habe das Thema human trafficking präsentiert. Ich glaube wir haben das ganz gut gemacht, obwohl die Gruppenarbeit insgesamt echt nervenaufreibend war, wie das immer ist wenn sechs Leute in einer Gruppe sind und alle unterschiedliche Vorstellungen haben. Zumindest mit Monika hat die Zusammenarbeit richtig gut geklappt. Danach musste ich noch ein Essay fertig schreiben, zum Gück das letzte für den Baltic Sea Region Kurs. Außerdem hatten wir am Freitag seit Tagen mal wieder ein klein wenig Sonnenschein, das musste natürlich gleich ausgenutzt werden, also sind Caro, Fe und ich nach der Uni spazieren gegangen.

Von der Sonne war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so viel zu sehen aber es hat nicht geregnet und das ist schon mal ein großer Fortschritt. Ich hab auch mal den Selbstauslöser meiner Kamera ausprobiert, aber leider kriege ich das lange nicht so gut hin wie der Papa:

Fe kennt sich hier in den Wäldern ganz gut aus, ich bin da mit meinem Orientierungssinn ein bisschen überfordert, vor allem weil es ganz viele kleine Pfade in den Wald rein gibt, die alle gleich aussehen.

Für ein paar Minuten haben wir uns wirklich verirrt, aber dank Google Maps haben wir wieder auf die Straße zurück gefunden. Meine Füße waren dann aber nass, weil die Wege immer schmaler und matschiger wurden.

Nichtsdestotrotz waren das zwei wunderschöne Stunden in der finnischen Natur, die ich euch natürlich nicht vorenthalten will. 

Abends hatten wir eine wohlverdiente Sauna nach der stressigen Woche. Außerdem hatte Caro Geburtstag und wir haben alle zusammen im Gemeinschaftsaum gefeiert. Allerdings hatten die meisten so viel mit der Uni zu tun, dass es eher ein gemütliches Zusammensitzen als eine Party war, aber es war trotzdem schön und so viel Energie zum feiern hatte ich auch nicht. Caro hat von uns Muminmama als Stofftier und eine Mumin-Tasse bekommen, worüber sie sich mega gefreut hat. Mahada, Sazia und Fe haben einen wunderbaren Schokoladenkuchen gebacken, den ich mit den Küchengeräten, die ich hier habe, definitiv nicht so hinbekommen hätte. 

Am Samstag ging es aufs Esn Cottage Weekend! Caro und ich sind mit sechzig Leuten in eine Hütte am Meer im Wald gefahren, organisiert wurde das von Esn und sie haben echt einen tollen Job gemacht, auch wenn es den ganzen Samstag geregnet hat. Das Ziel war es uns die finnische Kultur näher zu bringen und einfach eine gute Zeit zu haben. Als wir ankamen wurden wir auf die verschiedenen Hütten verteilt und dann gab es erst mal Mittagessen um zwölf. Danach wurde ein Amazing Cottage Race organisiert. Das heißt es gab verschiedene Stationen auf dem ganzen Gelände und die Gruppe mit den meisten Punkten gewinnt. Also so wie im guten alten Zeltlager und ich muss sagen, das macht mit den richtigen Leuten immer noch verdammt viel Spaß. Und die Teamer haben sich auch echt gute Sachen einfallen lassen. Am besten hat mir die Pulla Station gefallen. Pulla sind so was wie Zimtschnecken und dort durften wir unsere eigenen backen. Die waren so lecker, ich habe mich quasi das ganze Wochenende davon ernähert. Bei einer Station hat unser Team doppelte Punkte bekommen, weil Rita bei sechs Grad ins eiskalte Meer gesprungen ist, das war auf jeden Fall ein großer Einsatz und hat auch sonst keine Gruppe gemacht. Dafür hat sie am Ende auch eine extra Auszeichnung bekommen, weil niemand erwartet hat, dass das überhaupt jemand macht. Einen weiteren Vorteil hatten wir bei der Station, bei der man sich gegenseitig mit Stäbchen Flips, Popcorn und Schokolinsen füttern musste. Wir hatten zwei Asiatinen im Team, die das in einer Geschwindigkeit gemacht haben, das war echt unglaublich. Am Ende sind wir von acht Teams dritter geworden und haben Schokolade gewonnen, also waren wir nicht so schlecht. Nach dem "Abendessen" (es hat um 5 Uhr nachmittags stattgefunden, da hat man ja spätestens um 9 wieder Hunger!) mussten wir auf unsere Sauna Schicht warten. Die Sauna war nähmlich nicht sehr groß, deshalb wurden wir in drei Gruppen eingeteilt und Caro und ich waren in der letzten. Wir haben uns die Zeit am Lagerfeuer vertrieben, haben die die in der Sauna waren dabei beobachtet wie sie kreischend ins Meer gerannt sind und haben Marshmallows über dem Feuer geröstet. Neben der Sauna gab es auch noch einen "palju", das ist eine Art Whirlpool der mit einem Holzofen beheizt wird. Alles in allem war die Kombination aus Sauna, Meer und Palju perfekt. Man konnte von der Sauna ins eiskalte Meer rennen und sich dann im Whirlpool wieder aufwärmen. Da wir die letzte Gruppe waren, haben Caro und ich das ganze zwei Stunden durchgehalten, die anderen hatten nur eine Stunde Zeit. Danach ging es wieder ans Lagerfeuer, wo wir lustige Trinkspiele gespielt haben. Um zehn sollte eine große Party im Hauptgebäude stattfinden, aber die Musik war jetzt nicht so toll, dass man unbedingt tanzen wollte. Die Spanier und Franzosen haben das aber voll ausgenutzt. Ich fand es schöner ein paar Spiele zu spielen, auf dem Gelände herum zu laufen und einfach neue Leute kennenzulernen. Die Party ging bis um fünf oder sechs, aber ich bin schon gegen halb vier ins Bett gegangen. So richtig schlafen konnte ich allerdings nicht, weil die Party hauptsächlich in unserem Cottage stattgefunden hat. Gestört hat es mich nicht wirklich, ich war nur froh, dass ich mich nicht weiter mit betrunkenen Menschen unterhalten musste. Das ist zwar ziemlich lustig, aber auch echt anstrengend wenn die gar nichts mehr peilen.

Am nächsten Morgen bin ich um halb neun aufgestanden und zum Hauptgebäude gelaufen, nur um festzustellen, dass es erst um halb zehn Frühstück gibt, Also bin ich ein bisschen spazieren gegangen, weil das Wetter im Gegensatz zu Samstag einfach fantastisch war. Nach dem Frühstück war außer die Cottages aufräumen nicht mehr viel zu tun, also haben Caro und ich uns einfach an den Strand gechillt und die Sonne genossen.

Zurück in Turku bin ich noch mit Caro zur Housing Office gelaufen, weil sie dort den Schlüssel für den Gemeinschaftsraum abgeben musste. Damit habe ich dann gleich meinen sonnigen Sonntagsspaziergang verbunden. Ansonsten habe ich an diesem Tag nicht mehr viel auf die Reihe gekommen und bin früh ins Bett gegangen.

Nach vierzehn Stunden Schlaf bin ich am Montag um elf aufgewacht und war so ausgeschlafen wie schon lange nicht mehr. Die hatte ich nach dem langen Wochenende aber auch echt nötig. Vielleicht ist finnische Wildnis etwas übertrieben, aber immerhin war ich in der Natur und habe euch jede Menge schöne Bilder mitgebracht, auch wenn das längst nicht alle sind, weil es immer Ewigkeiten dauert bis man die Bilder von den anderen bekommt. 

Bis bald!

08Oktober
2017

Finnische Kunst, Oktoberfest und Ensiferum - eine Woche voller Kontraste

Am Sonntag ging es in den National Park Kurjenrahka, der knapp eine Stunde von Turku entfernt liegt. Organisiert wurde dieser Trip von unserem Studentenwohnheim TYS. Das Wetter war nicht so der Renner aber zumindest hat es nicht geregnet. Wir kamen mit zwei Bussen im National Park an, waren also nicht gerade wenige, aber zum Glück hat sich das mit der Zeit verlaufen. Dort gab es einen großen See, um den wir eine Wanderung gemacht haben. 

Dabei sind wir hauptsächlich durch den Wald gelaufen, aber es gab auch ein ziemlich großes Sumpfgebiet. Auf Dauer war das aber etwas anstrengend, da man auf einem Pfad, der aus zwei Holzbrettern bestand, laufen musste. Ich war meistens so sehr darauf konzentriert einen Fuß vor den anderen zu setzen,dass ich die Landschaft gar nicht so richtig genießen konnte. Außerdem konnte man sich auch nicht so gut unterhalten, weil man ja hintereinander laufen musste.

Unterwegs haben wir auch jede Menge Pilze und Heidelbeeren gesehen. 

Natürlich haben wir keine Pilze gesammelt, ich kenne mich gar nicht aus damit. Aber wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass das ein Fliegenpilz ist laughing. Oder zumindest irgendwas anderes Ungenießbares.

Nach der Wanderung gab es ein großes Barbecue. Diesesmal mussten wir nichts selber mitbringen, sondern Würstchen, Maiskolben und Säfte wurden von TYS gestellt. Zwar waren das keine richtigen Bratwürste, aber geschmeckt hat es trotzdem. Am Feuer konnten wir uns schön aufwärmen, denn es hatte nicht einmal 10 Grad an diesem Tag. Danach ging es auch schon wieder zurück nach Turku.

Außer dass ich am Montag den ganzen Tag in der Uni saß, gibt's nicht viel zu berichten. Am Dienstag das gleiche Spiel, morgens hatte ich ein Gruppentreffen für eine Präsentation nächste Woche und nachmittags wieder meinen Kunstgeschichte Kurs. Nur noch morgen, dann habe ich ihn überstanden, auch wenn ich dann mein Essay dafür anfangen muss. Mittwochs hatte ich mein erstes richtiges Treffen mit meinem Tandem Partner Klaus. Wir sind zusammen mit seiner Freundin Veera ins Kunstmuseum in Turku, da dort am Mittwoch Student Day war und deshalb alle Studenten freien Eintritt hatten. Das Kunstmuseum ist eines der wenigen alten Gebäuden in Turku und ist richtig schön.

Da es auf einem Hügel liegt hat man auch eine super Aussicht.

Im Museum gibt es hauptsächlich finnische Kunst aus dem frühen 19. Jahrhundert. Eine Ausstellung hat die Werke von Tyko Sallinen vorgestellt. Ein paar seiner Bilder haben mir gefallen, aber mit seinen Portraits konnte ich nicht so viel anfangen. Wenn man die Portraits, die er von seiner Frau gemacht hat, anschaut, denkt man, er konnte sie nicht leiden, so seltsam sehen die meisten aus. Andere Menschen hat er wiederum sehr schön gemalt. Von den anderen Künstlern, die präsentiert worden sind, hat mir vor allem Akseli Gallen-Kallela gefallen. Besonders seine Werke über den finnischen Nationalepos Kalevala sind großartig. Veera wusste ziemlich viel über die Ausstellung und konnte einiges über die Künstler erzählen. Wir haben so gut wie die ganze Zeit Englisch gesprochen, weil es am einfachsten war, aber das ist ja eigentlich nicht Sinn der Sache. Nächstes Mal sollten wir uns dann wieder mehr auf Finnisch und Deutsch konzentrieren. Auf jeden Fall habe ich viel über die finnische Kunst gelernt. Danach sind wir in die Stadtbibliothek, weil es dort auch eine große Auswahl an deutschen und englischen Büchern gibt. Wir lesen alle drei sehr gerne, was natürlich gleich viele neue Gesprächsthemen eröffnet hat. Ich habe Klaus ein paar deutsche Autoren gezeigt wie Sebastian Fitzek und Nele Neuhaus, aber er liest eher Fantasy. Ich habe mir ein Buch von einer finnischen Schriftstellerin ausgeliehen, natürlich auf deutsch, aber bin trotzdem mal gespannt wie das ist. Es spielt auf jeden Fall in Finnland und ich glaube ich habe noch nie ein Buch gelesen, dass in Finnland spielt. Im Anschluss sind wir noch einen Kaffee im Art Café trinken gegangen. Das heißt, ich hab einen Mocha getrunken. die anderen beiden mögen keinen Kaffee. Und da haben wir es wieder: Klischees bleiben Klischees und nicht jeder Finne ist kaffeeabhängig. Aber sie haben selber zugegeben, dass sie, was das angeht, eher Außenseiter sind. Als wir uns auf den Rückweg machten, sind wir über die Library Bridge und hatten einen wunderschönen Ausblick:

Nach dem ganzen Regen in den letzten Tagen, haben wir uns den Regenbogen aber auch wirklich verdient. 

Am Donnerstag hatte ich wieder die tolle Vorlesung über Finnland. Diesmal ging es um Religion und Politik. Vor allem Politik war interessant so kurz nach der Wahl in Deutschland. Die Finnen haben nämlich auch eine rechtsorientierte Partei im Parlament sitzen, die aus der EU raus will und Angst vor dem Verlust der finnischen Kultur hat. Aber eigentlich will ich darauf auch gar nicht näher eingehen, das soll ja kein politischer Blog werden. Mich hat es nur gewundert, dass man davon gar nicht so wirklich was mitbekommen hat. Oder vielleicht liegt es auch einfach an mir, weil ich zu wenig Nachrichten schaue. Abends haben wir uns endlich mal wieder zum Feieren verabredet. Also eigentlich sollte das keine große Sache werden, nur ein schöner Abend mit ein paar Leuten, aber wie das immer so ist, wurde es dann ein mega guter Abend, der ziemlich lang ging. Der Plan war zum Oktoberfest in den Vegas Club zu gehen. Mich hat das einfach interessiert, wie die hier das Oktoberfest feiern. Davor haben wir uns bei uns in der Wohnung getroffen und vorgetrunken. Da ist es uns dann auch erfolgreich gelungen Fe zu überreden doch noch mit in den Club zu kommen, wir waren dann zu sechst.

Mathilde war die einzige nicht-deutsch-Sprechende, aber wir haben trotzdem so gut wie die ganze Zeit Englisch geredet. Im Club angekommen, war klar, dass die hier eine etwas andere Vorstellung von Okoberfest haben. Überall sind Menschen mit Tirlorhut herum gelaufen. Den Grund habe ich nicht verstanden, die Hüte sehen weder cool aus, noch sind sie deutsch oder werden auf dem Oktoberfest getragen. Es waren überraschend viele Finnen da, die teilweise sogar Dirndl anhatten, auch wenn es keine schönen waren. Immerhin gab es ein Maß Bier für 7,50€, was sehr billig für finnische Verhältnisse ist, aber es war leider kein deutsches Bier. Ich habe mich in der Zwischenzeit mit Lakritzschnaps angefreundet, das Zeug ist richtig lecker. Die Musik war am seltsamsten. Es kamen nämlich Charts, also hauptsächlich englische Lieder und zwischendurch mal was spanisches. Ich habe mich echt auf einigermaßen gute deutsch Musik gefreut und wurde schwer enttäuscht. Allerdings kamen dann auf einmal Cowboy und Indiander und das Fliegerlied. Man hat sofort gemerkt, wer aus Deutschland war, weil sonst niemand den Tanz dazu konnte. Das war richtig lustig. Das Unvermeidbare traf natürlich auch noch ein: Helene Fischer. Da ich es seit bestimmt über einem Jahr nicht mehr gehört habe, war es gar nicht mal so schrecklich, aber das könnte auch am Bier gelegen haben. Alles in allem wurden vier deutsch Lieder gespielt, was für ein Oktoberfest ziemlich schwach ist. Aber gut, wir sind ja auch in Finnland. Wir haben es dort bis halb vier ausgehalten, dann wurden wir rausgeworfen, weil der Club zugemacht hat. Es war einfach ein echt witziger Abend.

Freitags war ich dann etwas k.o. von der Party, aber ich habe mich trotzdem zur Uni gequält. Schließlich schreibe ich schon nächste Woche meine Finnisch Klausur. Eigentlich hätte ich dann mein Reading Assignment für den einen Kurs fertg schreiben müssen, aber wir haben noch eine weitere Woche Zeit von unserer Dozentin bekommen, also habe ich das auf Samstag verschoben.

Gestern habe ich mit Mathilde einen neuen Schwimmbadversuch gestartet. Fe ist auch mitgekommen. Dieses Mal haben wir ein ziemlich großes Hallenbad mit acht verschiedenen Becken ausgesucht. Wir wurden nicht enttäuscht, das Bad war riesig. Es gab sogar ein 50m-Becken in dem man wunderbar schwimmen konnte, so wie im Freibad in Niefern. Eins haben wir aber vergeblich gesucht: anständige Umkleidekabinen. Die Finnen lieben anscheinend ihre Sammelumkleiden. Und ich glaube ich habe das Badekappenmysterium gelöst. Dieses Mal wurde ich, bevor ich ins Wasser bin, schon wieder auf meine Haare angesprochen. Soweit ich das richtig verstanden hab, muss man entweder eine Badekappe tragen oder seine Haare nass machen bevor man ins Wasser geht. Also bin ich halt schnell nochmal unter Dusche und konnte dann mit nassen Haaren schwimmen gehen. Das hätte mir die beim letzten Mal auch sagen können. Das blöde ist nur, dass es dort keine Föhns gibt, deshalb wollte ich es eigentlich vermeiden meine Haare nass zu machen, aber das ging dann halt nicht anders. An diesem Tag hat dort auch ein Schwimmwettkampf stattefunden, weshalb wir sehr froh waren schon so früh dort gewesen zu sein, da später das große Becken für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. Also wenn ich hier nochmal schwimmen gehen sollte, dann wird es wohl wieder dieses Schwimmbad werden. Abends war das Ensiferum Konzert! Und es war einfach der Hammer. Habe schon lange nicht mehr so ein gutes Konzert gesehen. Monika und Jessi waren auch dabei. Die Vorband war ziemlich enttäuschend, aber sobald Ensiferum die Bühne betrat, war die Hölle los. Ensiferum machen finnischen Folk Metal. Teilweise haben sie auch finnische Texte und ein Akkordeon in ihren Liedern. Ich hätte nie gedacht, dass Finnen so abgehen können, weil sie sonst ja eher zurückhaltend sind, aber bei gutem Metal trifft das wohl nicht zu. Und obwohl jeder extrem viel Spaß hatte, gab es überhaupt kein Gerempel und Geschubse. Ab und zu habe ich mal ein paar Haare abbekommen, aber wahrscheinlich auch genug andere mit meinen getroffen. Jetzt habe ich Nackenschmerzen, bin aber glücklich laughing.

Jetzt ist es übrigens offiziell, Flitzi kommt mich Anfang November besuchen! Das wird richtig schön, ich freu mich drauf smile

 

30Sept
2017

Wochenend und Sonnenschein

Heute komme ich endlich dazu euch von vorletztem Wochenende zu erzählen, an dem ich mit Vali zu Besuch bei Anna in Helsinki war.

Am Samstag sind Vali und ich früh morgens nach Helsinki gefahren. Anna hat uns dann vom Busbahnhof abgeholt, sonst hätten wir uns wahrscheinlich erst mal verlaufen. Wir haben unsere Sachen bei Anna abgelegt und sind gleich weiter zu einem Park auf einer Insel, wo ein Barbecue stattfand.

 

Als wir ankamen waren nicht mehr viele da, aber wir konnten trotzdem noch unsere Würstchen auf den Grill legen und haben uns dann mit einem Cider in die Sonne gesetzt. Das Wetter war echt unglaublich gut an diesem Wochenende. Man konnte teilweise sogar ohne Jacke herum laufen. Danach hat uns Anna in Helsinki herum geführt. Wir haben die zwei großen Kirchen, die weiße und die rote Kirche, angeschaut, sind am Hafen entlang gelaufen und sind durch die Innenstadt geschlendert.

Anna wohnt etwas außerhalb, deshalb war es ziemlich spät als wir dort ankamen. Wir hatten keine Lust zu kochen also beschlossen wir indisch essen zu gehen. Es gibt ziemlich viele Inder in Helsinki, aber es war trotzdem schwierig einen in Laufweite von Annas Wohnung zu finden. Nach langer Recherche fanden wir einen, der nur 20min zu Fuß entfernt war und um neun Uhr noch auf hatte. Als wir ankamen war das Restaurant leer und niemand stand hinter der Theke. Wir warteten eine Weile, aber es kam niemand. Dann stellten wir fest, dass die Theke mit der Bar nebenan verbunden war und versuchten dort unser Glück. Nebenan fand Karaoke statt, deshalb war es ziemlich laut. Auch dort war niemand hinter der Theke, aber ein Gast bemerkte unsere Verwirrung und drückte auf eine ziemlich laute Hupe, die auf dem Tresen lag. Daraufhin kam endlich jemand aus der Küche und nachdem wir uns versichert hatten, dass das Restaurant geöffnet hatte, bekamen wir einen Tisch. Das Essen war richtig lecker und nicht zu teuer. Das beste war das Naan Bread, von dem wir so viel bekamen wie wir wollten. Das kam fast an meinen Lieblingsinder in England ran und hat sogar noch besser geschmeckt wie im Curry Haus in Marburg. Das einzige was störte, war die Bar nebenan. Da es eine Verbindungstür gab, haben wir den ganzen Abend den wunderschönen Klängen des Karaoke-Gesangs gelauscht. Und mal ehrlich, die hatten es gar nicht drauf. Da waren die Metal Menschen am Abend davor viel besser, sogar Giancarlo konnte im Vergleich dazu singen. Aber das leckere Essen hat das wett gemacht und so hatten wir zumindest etwas zu lachen. 

Am nächsten Morgen haben wir uns schon ziemlich früh (also gegen 10) mit ein paar anderen Mädels am Hafen getroffen und sind mit der Fähre auf die Insel Suomenlinna gefahren. Das Wetter war perfekt dafür, man hat sich teilweise wie im Süden gefühlt. Auf der Insel gibt es jeden Menge zu sehen und wir haben bestimmt fünf Stunden dort verbracht.

Suomenlinna heißt so viel wie Finnenburg. Leider war von der Burg nicht mehr ganz so viel übrig, aber die Grundmauern sind trotzdem beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass sie um die 300 Jahre alt sind.

Auch die Aussicht von der Insel aus ist richtig schön.

Im Souvenirshop haben wir uns mit Postkarten und Briefmarken eingedeckt. Dabei mussten wir feststellen, dass die Post hier viel zu teuer ist. Eine normale Briefmarke kostet 1,40€ und sie wollen es jetzt sogar um 10 Cent erhöhen. Also werde ich wohl keine Postkarten mehr schreiben und ihr müsst euch mit meinem Blog zufrieden geben. Um die Mittagszeit rum haben wir ein kleines Picknick auf einer Wiese gemacht. Eine der Mädels hatte eine Decke dabei, das war echt praktisch und wir haben eine Weile die Sonne genossen. Wir wären gerne in das Spielzeugmuseum gegangen, aber das hat Eintritt gekostet, also haben wir es gelassen. Zurück in Helsinki sind wir über einen großen Markt gelaufen, wo wir eigentlich Pfifferlinge für unser Abendessen kaufen wollten, aber leider waren die schon ausverkauft. Dafür haben wir einen Gewürzstand gefunden, wo es im Vergleich zum Supermarkt alle möglichen Gewürze ziemlich günstig gab. Ich habe mir Curry, Garam Masala und Kräuter der Provence für jeweils 2€ mitgenommen. Ich bin zwar nur vier Monate hier, aber es ist echt schwer zu kochen wenn man nur Pfeffer, Salz und Paprika daheim hat. Letzten Mittwoch habe ich mit meinen Errungenschaften erst mal ein richtig leckeres indisches Curry gekocht und bin sehr froh, dass ich die Gewürze gekauft habe. Danach haben wir im Lidl alles für unser Abendessen eingekauft. Da es ja leider keine Pfifferlinge mehr gab, haben wir halt Champignons eingekauft. Daheim gab es dann Pasta mit Pilz-Zucchini-Sahne-Frischkäse-Soße, war echt lecker. Während dem Kochen haben wir den Livestream zur Wahl verfolgt. Das ist echt das erwachsenste was ich in letzter Zeit gemacht habe. Aber es war richtig interessant, auch wenn das Ergebnis weniger gut war. Und die Diskussionen im Anschluss waren teilweise echt lustig. Den Abend haben wir dann mit Postkarten schreiben und Qwixx spielen ausklingen lassen. 

Montagmorgens mussten wir schon ziemlich früh aufstehen. Anna musste in die Uni und mein Bus nach Turku ging um 9:15 Uhr. Allerdings haben wir uns ein bisschen mit der Zeit verschätzt und Vali und ich haben zwei Busse in die Stadt verpasst. Zum Glück kam dann ein weiterer Bus, der direkt zum Busbahnhof gefahren ist und auch wenn er länger gebraucht hat als erwartet, habe ich meinen Bus noch erwischt. Das habe ich vor allem Vali zu verdanken, weil sie sich in dem verwirrenden Busbahnhof schon etwas auskennt, da sie donnerstags von dort aus auch nach Turku gefahren ist. Vali hat sich dann auf den Weg zur Fähre nach Tallinn gemacht. Es war schon traurig, dass ich mich von Vali und Anna an einem Tag verabschieden musste, aber unser nächster Trip ist schon so gut wie geplant. Es war auf jeden Fall ein tolles Wochenende, das ganz weit vorne in meiner Highlights-in-Finnland-Liste steht smile. Kaum daheim, musste ich auch schon wieder in die Uni. Vier Stunden Art Propaganda in the Soviet Union erwarteten mich. Letzte Woche hat mein Intensiv-Kurs in Kunstgeschichte angefangen. Intensiv ist das richtige Wort. Es ist echt schwierig sich vier Stunden am Stück zu konzentrieren, vor allem bei so einem komplexen Thema. Direkt nach dem Kurs war auch noch ein Pub Quiz, zu dem ich mit Bea und Mathilde gegangen bin. Ich bin mir nicht sicher ob wir dieses Mal besser waren, aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht und ich konnte die Literatur Frage richtig beantworten (Lang leben die Bücher von George Orwell!). Danach war ich ziemlich fertig mit der Welt, am Wochenende hatte ich ja nicht so viel Schlaf.

Am Dienstag gab es weitere vier Stunden Kunstgeschichte für mich. Ansonsten habe ich nicht viel gemacht. Ich musste jede Menge für die Uni lesen und ein Essay für Freitag schreiben. Donnerstags habe ich meinen Tandem Partner Klaus kennen gelernt. Also ich mache bei dem Tandem-Programm mit, das bedeutet ich bekomme einen Partner der Deutsch lernen will und mir im Gegenzug Finnisch beibringt. Dabei geht es weniger um stures Lernen sonder eher darum verschiedene Aktivitäten zu machen wie Filmeabende, zusammen kochen oder ins Museum gehen. Dabei kann man sich über das jeweilige Heimatland austauschen und die Sprache lernen. Bei uns ist das etwas schwierig, da ich seit vier Wochen Finnisch lerne und Klaus seit sechs Jahren Deutsch. Also versteht er alles was ich sage und ich so gut wie nichts, aber es ist eine tolle Gelegenheit Finnen und die finnische Kultur kennenzulernen und ich kann ihm beim Deutsch lernen helfen. Wir haben uns bei ihm in der Wohnung getroffen, die er mit seiner Freundin Veera teilt. Beide sind richtig nett und wir haben einen Plan gemacht, wann wir uns treffen und was wir unternehmen wollen. Ich hoffe, dass ich am Ende zumindest ein bisschen Finnisch verstehen kann. 

Der Freitag war ziemlich stressig, weil ich mein Essay immer noch nicht fertig hatte und nach der Uni den ganzen Nachmittag dran saß. Aber abends hat Giancarlo uns in die Sauna eingeladen, was mir zur Entspannung gerade recht kam. Bea und Mauricio kamen auch mit. Die Sauna war dann doch anstrengender als erwartet, weil die Jungs es ein bisschen mit der Hitze übertrieben haben. Alle zwei Minuten haben sie Wasser über die Steine gekippt. Mauricio ist der Meinung, dass 100 Grad die perfekte Temperatur in der Sauna ist, ich bin da bei 80 Grad völlig zufrieden. Aber es war trotzdem gut, ich konnte dann halt nicht so lange am Stück drin bleiben, aber Bea ging es genauso und die Jungs haben auch Rücksicht auf uns genommen, wenn wir gesagt haben, dass es reicht. Kurz nach zehn sind Bea und ich dann nach Hause und wurden von einer Hausparty überrascht, die in unserem Gebäude stattfand. Es war echt viel los und es wurde Bierpong gespielt, aber ich hatte nach der Sauna gar keine Lust auf Party, vor allem nicht in Flip Flops und mit nassen Haaren. In unserer Wohnung hat man zum Glück nicht viel von der Party mitbekommen, aber anscheinend ging es gut ab, weil am nächsten Morgen hing ein Stuhl im Baum vor unserem Haus. Keine Ahnung wer hier mit Stühlen herumwirft, aber der hängt immer noch da drin und obwohl es gestürmt hat, fällt er nicht runter. Ich bin mal gespannt, wie lange man den dort noch bewundern kann.

Das war es erstmal, auf den nächsten Eintrag müsst ihr nicht so lange warten, versprochen!

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