What's the plan, superman?

Ein Semester Finnland

14November
2017

Ein Wochenende in Stockholm

Ich war in Stockholm am Wochenende und muss sagen das ist einfach eine der schönsten Städte in denen ich je war. Am liebsten würde ich da mal für ein paar Monate wohnen, auch wenn sich das kein normaler Mensch leisten kann. Aber ich fange am besten Mal von vorne an.

Am Donnerstagabend sind Caro, Monika und ich mit der Fähre von Turku nach Stockholm gefahren. Da die Fahrt zwölf Stunden dauert, hatten wir eine Schlafkabine für uns alleine. Ich bin immer noch erstaunt wie günstig das war. Pro Person nur 40€ hin und zurück und man spart sich zwei Nächte in Stockholm, weil man ja auf der Fähre schlafen kann. Da kann sich die Deutsche Bahn mal ne Scheibe abschneiden. Vor allem waren wir auf voll dem Luxus Schiff. Alles war ziemlich neu und wir hatten sogar einen Fernseher in der Kabine. Eigentlich war der Plan die Zeit auf der Fähre zu nutzen und was für die Uni zu arbeiten und dann früh schlafen zu gehen, aber irgendwie haben wir dann fast die ganze Nacht durchgequatscht und haben schlussendlich drei Stunden geschlafen. Das kommt halt davon wenn man drei Mädels in eine Kabine steckt. Die Fähre kam schon um halb sieben morgens an und das ist ja gar nicht meine Zeit, vor allem nicht nach so wenig Schlaf. Allerdings wurden wir draußen mit der Dämmerung belohnt, in der alles voll schön aussah.

Vom Hafen sind wir in die Stadt gelaufen, das Wetter war zum Glück schön. Da wir erst um neun unser Gepäck in unserer Unterkunft ablegen konnten, haben wir schon mal die Altstadt erkundet, die um diese Uhrzeit natürlich menschenleer war.

Außerdem haben wir uns ein Metro/Bus-Ticket gekauft, da unser Airbnb nicht zu Fuß zu erreichen war. Es war aber auch nicht weit weg von der Innenstadt, wir mussten nur zehn Minuten mit der Tunnelbana fahren. So heißt die U-Bahn auf schwedisch, das ist so eine putzige Sprache, aber Finnisch finde ich trotzdem cooler. Das coolste in unserer Unterkunft war der Ausblick:

Ansonsten hat dort auch alles gepasst, wir waren ja eh immer den ganzen Tag unterwegs. Nachdem wir unser Zeug abgelegt hatten, haben wir uns erst mal in ein Café gesetzt und uns mit einer heißen Schokolade gestärkt. Danach ging es in die Altstadt, wo wir an einer Free-Walking-Tour teilgenommen haben.

Die war echt interessant, auch wenn unser Guide nicht an den Tallinn Guide ran kam. Wie immer gibt es so typische Stadt-Geschichten, die jeder ein bisschen anders erzählt, also habe ich jetzt keine Ahnung was wirklich stimmt. Dort gibt es auch viele schmale Gassen, aber da kann Marburg locker mithalten. Danach sind wir einkaufen gegangen um endlich mal was essen zu können und sind zur Wohnung zurück gefahren. Allerdings haben wir dort erst mal einen Mittagsschlaf gemacht und erst danach Nudeln gekocht. Die schwedischen Supermärkte sind übrigens noch teurer als die finnischen. In Cafés, Bars und Restaurants sind die Preise ähnlich wie in Finnland. Abends wollten wir dann ein bisschen die Stadt unsicher machen und sind auf eine Indie-Party bei der der Eintritt vor zwölf frei war. Die Location war direkt am Wasser (so wie eigentlich alles in Stockholm) und ganz cool. Das witzige war, dass in dem Club daneben ein Konzert statt gefunden hat, ihr werdet nie drauf kommen, wer: Mantar! Die Jungs aus Hamburg/Bremen, die ich erst dieses Jahr in Gelsenkirchen und Marburg gesehen habe. Ich wusste sogar, dass die in Stockholm spielen würden, aber das sie nur die Vorband von Kadvar waren, die nicht so sonderlich spannend sind, waren die Tickets zu teuer und Caro hört ja kein Metal, deshalb wäre es ein bisschen blöd gewesene dahin zu gehen. Aber dann waren wir einfach direkt daneben und ein bisschen neidisch war ich schon. Nach der Show sind viele der Fans noch zu der Indie-Party gekommen und einer hatte einfach genau das gleiche Mantar Shirt an, das ich auch habe und das in Finnland! Das war schon lustig. Später haben wir uns dann auch noch mit Schweden unterhalten, insgesamt war es ein netter Abend, aber weil wir immer noch ziemlich müde waren, sind wir so um zwei nach Hause gegangen.

Eigentlich wollten wir samstags früh aufstehen, um um zehn im ersten Museum zu sein, aber wir haben verschlafen und sind erst gegen elf los gekommen. Als erstes haben wir uns die Vikings Ausstellung im Historischen Museum angeschaut, die echt interessant war. Besonders Monika, die Geschichte studiert, war begeistert. Um eins stand die nächste Walking Tour im trendigen Viertel Södermalm, das früher das schlechtangesehendste Viertel war, aber wie das immer so ist, jetzt zum Hipster-Viertel wurde, wo man die ganzen billigen Bars und vor allem Studenten findet. Unser Guide Douglas war ziemlich witzig, auch wenn er teiweise zu persönliche Geschichten erzählt hat, die aber trotzdem irgendwie mit einer bestimmten Sehenswürdigkeit verknüpft war.

Mit das schönste war dort der Ausblick über die Stadt. Nach dieser Tour war klar, wo wir am Abend hingehen würden, vor allem weil Douglas uns Tipps für billige, aber gute Kneipen gegeben hat. Er sah übrigens aus wie Harry Potter, wollte aber nicht Harry Potter genannt werden. Deshalb hat er sich auch einen Bart wachsen lassen. Danach hatten wir immer noch nicht genug von Walking Tours und haben uns der nächsten angeschlossen: einer U-Bahn Tour. Am Anfang dachte ich, das könnte ein bisschen langweilig werden, aber da wusste ich noch nicht was für coole U-Bahn-Stationen die Schweden haben. Zumindest wenn man weiß, wo diese zu finden sind. Diesesmal war unser Guide aus Frankreich und erst acht Monate in Stockholm, was man leider seinem Akzent angemerkt hat und mnachmal war es echt schwer ihn zu verstehen, vor allem weil wir so eine große Gruppe waren. Deshalb weiß ich auch nicht mehr so viel von dem was er uns erzählt hat, aber ich habe ganz viele schöne Bilder. Diese Stationen sind nach Themengebiet gestaltet worden. Das heißt, dass die Station die zur Technischen Hochschule führt, mit Kunst ausgestattet ist, die dieses Thema widerspiegelt. Das Universum ist dargestellt, sowie die vier Elemente und sogar Newtons Gesetze sind in einem schwebenden Apfel wiederzufinden. Alles in allem ist das echt toll gemacht. So wie ich das verstanden habe, gibt es alle paar Jahre einen Architekten/Künstler Wettbewerb und der Gewinner darf eine ganze U-Bahn-Station gestalten. Im Anschluss sind wir nach Hause, um dann in Södermalm was essen zu gehen. Wir hatten alle mega Lust auf so richtiges Pub Food und sind auch fündig geworden. Ich habe mega leckere Fish and Chips gegessen, das hatte ich seit England nicht mehr. Der Pub war richtig cool, es lief Rock und Metal Musik, aber wir wollten nach dem Essen trotzdem weiter und Douglas' Lieblingskeipe anschauen gehen. Da wurden wir echt nicht enttäuscht, es war der hipsterigste Hipster-Pub den ich je gesehen habe, ich hätte echt ein paar Bilder machen sollen, aber da war es so voll, das wäre dann komisch gekommen. Der erste Raum war ziemlich normal eingerichtet, aber dann ging es eine schmale Treppe runter und man kam in einen verwinkelten Bereich. Jeder kleine Raum war andere eingerichtet und überall hingen die skurrilsten Lampen und anderes Zeug. Wir saßen in einem Raum, der mit Wellblech ausgekleidet war. Ein altes Fahrrad hin an der Wand und große Knöpfe wurden als Kleiderhaken verwendet. Ein anderer Raum war völlig in Rosa gehalten und an der Bar war die Wandverkleidung aus verschiedenen Sofabezügen, die bunt zusammen gewürfelt waren. Das Bier war mit 4€ dort nicht ganz so teuer, aber richtig gut hat es leider auch nicht geschmeckt.Trotzdem war die Atmosphäre toll und es waren hauptsächlich Studenten dort. Den Abschluss haben wir im Hirschenkeller gemacht, der auch voller Studenten war und moderner ist als der Name klingt. Dort war das Bier noch billiger, hat aber besser geschmeckt.

Sonntag war schon unser letzter Tag und dieses Mal schafften wir es auch pünktlich aufzustehen, sodass wir um zehn los konnten. Als erstes stand das Skansen Freilichtmuseum auf dem Plan. Dort stehen jede Menge alte Hütten, die man allerding in der Nebensaison nur teilweise besichtigen kann. Der Grund, warum wir da vor allem hin wollten, war der Tierpark, der in dem Museum mit drin war. Dort gab es Rentiere, Elche, Wölfe, Bären, Luchse... Also jede Menge nordische Tiere und wir wollten unbedingt Elche sehen. 

Leider hatte der männliche Elch gar kein großes Geweih, das wurde ihm gestutzt. Trotzdem waren die mega knuffig. Am süßesten waren die zwei Braunbären, die haben miteinander herum getobt und das sah voll niedlich aus. Die Rentiere hatten übrigens einen super Ausblick über die Stadt, das wussten sie bestimmt nicht zu schätzen. In einem der Häuser, die man besichtigen konnte, hat uns eine Frau erzählt wie das Leben Anfang des 20. Jahrhunderts in Schweden so war, das war auch ziemlich interessant. Im Bäckershaus konnte man frische Backwaren kaufen und wir haben uns ein süßes Stückchen gegönnt. Dann ging es weiter zum Vasa Museum, von dem jeder so schwärmt, der schon mal in Stockholm war. Der Eintritt ist zwar nicht so billig, aber es lohnt sich echt. Die Vasa war ein Schiff, das im 17. Jahrhundert gebaut worden ist, weil der schwedische König das größte und prächtigste Schiff haben wollte. Allerdings war sie zu schwer und sank ungefähr einen Kilometer vom Stockholmer Hafen entfernt. Sie lag dann dreihundert Jahre auf dem Meeresgrund, weil der König dem ganzen Reich verboten hatte, jemals über diese Blamage zu sprechen. In den 60ern wurde sie an Land geholt und restauriert. Das beeindruckende ist, dass das Schiff auch noch dreihundert Jahre später sehr gut erhalten ist. Nun steht sie in einem Museum und wir kontinuierlich restauriert und haltbar gemacht. Wenn man davor steht ist sie einfach so riesig und man kann kaum glauben, dass sie schon so alt ist. Leider ist es da drin so dunkel, dass man eigentlich keine gescheiten Bilder machen kann.

Nach dem Museum war auch schon wieder fast der Nachmittag vorbei. Wir sind noch schnell eine Kleinigkeit essen gegangen und dann haben wir unser Gepäck von der Wohnung abgeholt. Dieses Mal hatten wir nicht die fancy Fähre, aber unsere Kabine war trotzdem okay. Da wir alle ziemlich kaputt waren, sind wir einigermaßen zeitig schlafen gegangen und um halb acht schwedische Zeit in Turku angekommen. 

Gestern habe ich nicht viel gemacht. Das Wochenende war ziemlich anstrengend, trotzdem habe ich versucht mich auf meine Uni Sachen zu konzentrieren. Heute hatte ich wieder Uni und bin gerade schon wieder am packen, weil ich morgen mal wieder nach Helsinki fahre und dort Flo vom Flughafen abhole. Wir werden ein paar Tage in Helsinki und in der Nähe von Lahti verbringen, das wird auf jeden Fall entspannter als meine sonstigen Trips. Ich freue mich schon voll drauf!